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Mit Disziplin und Leidenschaft gelang Nina Hoss der Sprung in die Top-Liga der deutschen Schauspieler Prinzessin für einen Monat

Nina Hoss gehört zu den viel Beschäftigten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie spielt in vier Stücken große Rollen an den beiden renommiertesten Häusern der Hauptstadt, dem Berliner Ensemble und dem Deutschen Theater. Sie dreht den Film „Elementarteilchen“ und gibt bei den Salzburger Festspielen im „Jedermann“ ihr Debüt.
  • Carla Woter
Nina Hoss

Nina Hoss

Sie ist schön, klug und jung. Engelsgleich. Unnahbar. Selten war sich die Kritik in ihrem Urteil so einig, denn sie ist wirklich ein Ausnahmetalent. Nina Hoss selbst würde dazu sagen: „Glück gehabt, und der Rest ist Arbeit.“ Schon nach dem Abitur wollte sie „nur spielen, nicht etwa verreisen oder ausruhen wie die anderen“.

Die Schauspielerin Nina Hoss zu treffen ist der Verbindung aus Glück und Arbeit nicht unähnlich. Denn die 30-Jährige gehört zu den viel beschäftigten Darstellerinnen Deutschlands.

Sie spielt in vier Stücken große Rollen an den beiden renommiertesten Häusern der Hauptstadt, dem Berliner Ensemble und dem Deutschen Theater; dreht den Film „Elementarteilchen“ nach dem Roman von Michel Houellebecq ab. In dieser Woche gab sie ihr Debüt in der Rolle als Buhlschaft im „Jedermann“, dem Eröffnungsklassiker der Salzburger Festspiele.

Das alles könnte ein bisschen viel sein – zu viel ist es ihr jedenfalls nicht. Darauf besteht sie. Im Gespräch, das in Berlin zu Stande kommt, macht Nina Hoss einen entspannten Eindruck, trägt Flipflops, sommerliches T-Shirt und wirkt überhaupt sehr sommerlich.

Stimmt, sie hat etwas Engelhaftes. Riesige Augen, einen großen Mund. Nicht klassisch schön, aber ein Gesicht, in dem eine Menge los ist, das man gern anschaut. Kühl wirkt diese Blonde überhaupt nicht. Im Gegenteil: herzlich, aufgeschlossen und gesprächsbereit. Sie will wirklich sprechen über Persönliches, Berufliches. Es gibt keine Frage, die sie nicht beantwortet. Sie erzählt gern und ohne Scheu.

Mit fünf steht sie zum ersten Mal auf der Bühne. „Ich liebe das, etwas zu machen, und alle gucken mir zu“, erzählt sie. Beim Geburtstag ihres Vaters prescht sie nach vorn, klettert aufs Podium und singt: „Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben.“

Sie muss lachen. Eigentlich habe sie Opernsängerin werden wollen, „aber an die Callas komme ich nicht heran, also habe ich das aufgegeben“. Bescheiden? Nicht wirklich, ehrgeizig schon eher. Die Liebe zum Theater kommt aus der Familie. Ihre Mutter, Heidemarie Rohweder, ist Schauspielerin und Regisseurin und war Intendantin der Württembergischen Landesbühne.

Und sie ist die erste Kritikerin der Tochter – bis heute. „Meine Mutter ist ein Theatertier, sie lodert für das, was sie macht.“ Das prägt. Heidemarie Rohweder schaut sich die Proben an. „Sie kennt mich am besten, gibt Tipps – und wenn es nur die Betonung eines Satzes ist, bei dem ich seit Wochen nicht weiß, wie ich ihn sprechen soll.“

Vor zwei Jahren starb ihr Vater Willi Hoss. „Meine Mutter und ich haben ihn dabei begleitet, schliefen im Krankenhaus auf einer Isomatte neben seinem Bett.“ Es fällt ihr schwer, darüber zu sprechen, sie wischt sich die Tränen ab, tröstet sich: „Wir haben alles gesagt, alles war gut. Das hilft sehr.“ Die Tochter hat seine Arbeit fortgesetzt und seine ungewöhnliche Autobiografie zu Ende geschrieben – vom Daimler-Betriebratsvorsitzenden über den Mitbegründer der Grünen bis hin zum Entwicklungshilfe-Manager in Brasilien.

In diesem Spannungsfeld zwischen Politik und Theater wird sie groß, in einem offenbar in jeder Hinsicht engagierten Haushalt. „Meine Babysitter waren entweder Schauspieler, die waren toll, denen ist immer was eingefallen; oder Grüne, die spielten ‚Mensch ärgere dich nicht’ mit mir.“

Sie weiß früh, was sie will. Andere Berufswünsche? Nein, jedenfalls keine ernsten. Nina Hoss bewirbt sich mit 19 „an der Busch“, wie sie sagt. Das Wort Schule lässt sie weg, als hätte sie gerade erst den Abschluss in der Tasche – und sie wird genommen an der berühmten Berliner Schauspielschule.

Im Kinofilm „Und keiner weint mir eine Träne nach“ entdeckt auch Filmproduzent Bernd Eichinger ihr Talent: Er verpflichtet sie als „Das Mädchen Rosemarie“, die Lebensgeschichte der legendären Prostituierten Nitribitt. Sie wird gefeiert.

Doch der Erfolg wirft die Schwäbin nicht aus der Bahn. Sie studiert lieber zu Ende: „Ich wollte alles von der Pike auf lernen, und ich habe meine Sprecherziehung sehr ernst genommen.“ Das merkt man ihrem Spiel an. Sie spricht gut, das klingt banal, ist aber nicht selbstverständlich. Sie ist eine Schauspielerin, die man als Zuschauer im Auge behält.

Kleine Gesten, Blicke – alles stimmt. „Ich mag besonders die stillen Momente, da merkst du, ob du die Leute mitnimmst oder nicht“, sagt sie. „Manchmal frage ich mich, wieso stehe ich überhaupt da und liefere mich aus. Man ist schon sehr verletzlich da oben.“

Ihr erstes Engagement bekommt sie gleich am Deutschen Theater Berlin. „Das Deutsche“, wie sie sagt. „Auch da hatte ich Glück. Thomas Langhoff hat mich von der Schauspielschule weg engagiert.“ Sie erzählt, wie sie anfangs ehrfürchtig im Spiegelfoyer des Theaters die große Tafel betrachtete, auf der steht, wer dort schon gespielt hat. Und wie sie dachte: „Tilla Durieux. Max Reinhardt. Und ich gehöre auch dazu.“

Sie liebt es, mit Freunden zu kochen. „Einfache Abende in meiner Küche, das kenne ich von meinen Eltern, wir saßen immer in der Küche.“ Die Küche ist auch die Seele ihrer Altbauwohnung in Berlins Szeneviertel Prenzlauer Berg. Hoss ist eine Genießerin, wenn auch eine mit Disziplin. „Viel Gemüse, wenig Fleisch, nie Wein alleine trinken“, fasst sie zusammen.

Eine Reise in den Westen der Stadt, wie etwa zu diesem Interview, ist für sie fast so aufwendig, wie nach London zu ihrer großen Liebe zu fliegen. Wenn sie davon erzählt, wie es anfing vor zwei Jahren, strahlt Nina Hoss: „Ich hatte Probe für ‚Leonce und Lena’ am Berliner Ensemble. Die Musik hat Grönemeyer komponiert, Alex Silva die Musik produziert. Alex und ich haben uns gesehen, und es war passiert.“ Irgendwann hätte sie gern Kinder, „das war mir immer klar, aber vielleicht nächstes Jahr“, sagt die Verliebte.

Jetzt kommt erst mal die ‚Buhlschaft’. „Große Kolleginnen haben sie gespielt, die Berger, die Hörbiger, Sunnyi Melles“, zählt sie voller Respekt auf.

Allein das Drama um das Kleid und die Begeisterung der Österreicher für dieses Spektakel stimmen sie fröhlich auf den Domplatz ein. Nina Hoss freut sich wie ein kleines Kind auf diesen Auftritt. „Einmal für einen Monat Prinzessin sein“, schwärmt sie.

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