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Münchener Versteigerungen Nur 20 bis 30 Künstler sind die Umsatzbringer

Ketterer erzielt Topzuschläge für Wassily Kandinsky, Andy Warhol und Daniel Richter. Wählerische Käufer prägen die Auktionen von Ketterer, Neumeister und Karl & Faber.
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„Portrait of a Lady“ verdreifachte seinen Preis auf 1,1 Millionen Euro. Quelle: Ketterer/ Andy Warhol
Andy Warhol

„Portrait of a Lady“ verdreifachte seinen Preis auf 1,1 Millionen Euro.

(Foto: Ketterer/ Andy Warhol)

MünchenDer Expressionist Ernst Ludwig Kirchner und der Pop-Art-Künstler Andy Warhol haben nur wenige Gemeinsamkeiten. Und trotzdem kämpfte ein Sammler aus Süddeutschland vergangenes Wochenende im neuen Format „Evening Sale“ der Ketterer-Auktion mit Klassischer Moderne und Nachkriegs- und Gegenwartskunst um beide Werke.

Etwas mehr als 1,2 Millionen Euro (alle Preise mit Aufgeld) kostete ihn Warhols brillant gestaltetes, auf 400.000 Euro taxiertes Gemälde „Portrait of a Lady“ von 1985. Für Kirchners „Drehende Tänzerin“, das mit 300.000 Euro an den Start ging, zahlte er 625.000 Euro.

Von Sammellust Getriebene lassen sich von einem guten Angebotsmix durchaus zu einem Blick über den eigenen geschmacklichen Gartenzaun animieren. Lieber einen starken Kirchner als einen schwachen Baselitz.

Ketterers neues Konzept des „Evening Sale“ ist aufgegangen. Statt eines uninspirierten Modernekatalogs und eines aufgeblähten Post-War-Zeitgenossen-Katalogs verschmilzt das Münchener Haus die Topstücke beider Kategorien zu einer geballten Qualitätsofferte.

Deutscher Auktionsrekord hieß es denn auch für Wassily Kandinskys Gemälde „Treppe zum Schloss“ aus dem Jahr 1909, einst ausgestellt auf der ersten Soloschau des Malers in der legendären Galerie „Sturm“. Bei Christie’s in New York war das Gemälde noch im Dezember 2018 durchgefallen. In München wurde das Glanzstück unter den 97 Losen von zwei deutschen Sammlern von taxierten 1,5 Millionen auf 2,5 Millionen Euro gehoben.

Zwischen Gotthardt Graubners türkisgrünem Kissenbild für 337.000 Euro und Alex Katz’ „Sophie“ für 350.000 Euro forderte Daniel Richters mit Symbolen und Anspielungen aufgeladenes Gemälde „Alles oder Nichts“ internationale Telefonbieter zu einem langen Bietergefecht heraus. Die Arbeit von 2006/2007, unbestreitbar ein Hauptwerk dieser Schaffensperiode, verdoppelte die untere Schätzung und kostete einen Sammler aus Benelux eine halbe Million Euro. „Es zeigt uns, wohin der Markt geht und wo er noch Potenzial hat,“ sagte Robert Ketterer nach dem Verkauf.

Auktionsstruktur stark verändert

Ketterer hat seine Auktionsstruktur stark verändert. Limited Editions, Young Collectors, Moderne Kunst und Zeitgenössische Kunst II heißen die anderen Sparten. Insgesamt kamen 733 Lose zum Aufruf, mit einem Gesamtergebnis von beachtlichen 26,5 Millionen Euro. Kein anderes deutsches Auktionshaus schaffte das.

Der Evening Sale setzte mit Nachverkäufen 17 Millionen Euro um. Denn Ketterer schickte einige Zugnummern ins Rennen. Franz Marcs großformatige Kohle-Tusche-Zeichnung „Zwei Pferde“ von 1910/11 gilt als einzige bekannte Vorarbeit zum heute zerstörten Gemälde „Streitende Pferde“ und ging für 437.500 Euro in eine nordrhein-westfälische Privatsammlung. Karl Schmidt-Rottluffs expressionistischer „Kühler Morgen“, 1909 flott mit Wasserfarbe zu Papier gebracht, sprang von 80.000 auf 200.000 Euro.

versteigert Kandinskys „Treppe zum Schloss“ (1909) für 2,5 Millionen Euro. Geschätzt war das auf der ersten Soloschau des Malers in der legendären Galerie „Sturm“ ausgestellte Gemälde auf 1,5 Millionen Euro. Quelle: Ketterer
Auktionator Robert Ketterer

versteigert Kandinskys „Treppe zum Schloss“ (1909) für 2,5 Millionen Euro. Geschätzt war das auf der ersten Soloschau des Malers in der legendären Galerie „Sturm“ ausgestellte Gemälde auf 1,5 Millionen Euro.

(Foto: Ketterer)

Bei den Zeitgenossen schlugen einige Nagelbilder Günther Ueckers mit Erlösen zwischen 200.000 und 500.000 Euro zu Buche. Telefonbieter aus den USA, Deutschland, England und Hongkong engagierten sich bei zwei Zeichnungen von Cy Twombly. Je auf 180.000 Euro geschätzt, gingen die Blätter aus der Serie „Wolkenstein“ von 1961 für jeweils etwas über 350.000 Euro in die Hände eines Sammlers in England.

Eine beachtliche Steigerung von aufgerufenen 100.000 auf letztlich 400.000 Euro erfuhr das psychedelische Op-Art-Gemälde „E9.1966“ von Wojciech Fangor. Der Einlieferer aus dem schwäbischen Raum hatte es vor 50 Jahren bei der Münchener Galerie Thomas für weniger als 4.000 D-Mark erworben.

„Das Ergebnis wundert mich nicht, denn er ist ja der Säulenheilige der polnischen Moderne“, sagte er am Rande der Auktion dem Handelsblatt. Trotz zahlreichen und heftigen Telefonengagements aus Polen bleibt das Gemälde in Deutschland.

Doch die beiden Millionenzuschläge und 45 Resultate im sechsstelligen Bereich täuschen nicht darüber hinweg, dass im Evening Sale ein Viertel verschmäht wurde. Werke von Otto Dix, Heinz Mack und Jean Dubuffet, aber auch zu hoch angesetzte Werke von Nolde, Gerhard Richter, Karin Kneffel oder Anselm Kiefer fanden keine Bieter.

National wie international geht die Schere auseinander: Hohe Preise und Steigerungen für Spitzenwerke großer Namen stehen gedämpfter Kauflust und der Abstinenz im mittleren Qualitätsbereich gegenüber. „Der Markt wird kleiner. Nur 20 bis 30 Künstler sind Umsatzbringer. Der neue Trend des Sammelns heißt: ‚Ich will dieses eine Bild und sonst gar nichts‘“, sagt Robert Ketterer.

Einer der gefragten Nachkriegskünstler ist derzeit Ernst Wilhelm Nay. Selbst der Handel bot mit bei vier Gemälden, die Ketterer allein 1,3 Millionen Euro in die Kasse spülten. „Nay war lange Zeit unterbewertet. Aber die aktuellen Preise zeigen, dass der Markt aufnahmefähig ist für gute Kunst“, kommentiert der Auktionator das Resultat.

Das mit Symbolen und Anspielungen aufgeladenes Gemälde „Alles oder Nichts“ (2006/2007) berlöste mit einer halben Million Euro einen kontinentaleuropäischen Rekord. Quelle: Daniel Richter / Ketterer / VG BILD-KUNST
Daniel Richter

Das mit Symbolen und Anspielungen aufgeladenes Gemälde „Alles oder Nichts“ (2006/2007) berlöste mit einer halben Million Euro einen kontinentaleuropäischen Rekord.

(Foto: Daniel Richter / Ketterer / VG BILD-KUNST)

Ernst Wilhelm Nay gehörte auch zu den Top-Verkäufen bei Karl & Faber, der am 5. und 6. Juni seine Auktionen „Moderne Kunst“ und „Kunst nach 1945. Zeitgenössische Kunst“ bestritt. Sein Gemälde „Blauklang“ von 1952 ging als einer der wenigen sechsstelligen Erlöse für 325.000 Euro in eine süddeutsche Privatsammlung. Nur Hermann Max Pechsteins Gemälde „Calla-Stillleben im Spiegel“ mit 237.500 und Paul Signacs impressionistische „Cathédrale d’Anvers“ mit 100.000 Euro spielten in dieser Klasse mit und pushten den Gesamtumsatz auf 4,5 Millionen Euro.

Bei der Klassischen Moderne musste das Haus herbe Rückgänge hinnehmen. Expressionistische Graphik, eine Gauguin-Zeichnung, Gemälde von Alfred Birkle, Gabriele Münter oder Conrad Felixmüller fanden nicht mal ein Untergebot. „Beliebigkeit ist nicht gefragt“, erklärte Karl & Faber-Geschäftsführer Rupert Keim seine Enttäuschung.

In dieses Lied kann auch Neumeister einstimmen, das am 7. Juni im Saal nur 74 der 189 Katalognummern absetzte. Den Höchstpreis erzielte das Haus in der Barer Straße mit rund 80.000 Euro für Heinrich Zilles satirisches Deckfarbenbild „Kartoffelstehen“ von 1916, gefolgt von Hans Purrmanns Gemälde „Garten der Casa Camuzzi“ mit rund 49.000 Euro.

Einen gewaltigen Sprung konnte Karl Prantls Meditationsstein machen. Der Kontrast zwischen der Härte des schwarzen Granits und seiner weichen Erscheinung reizte mehrere Kunstfreunde. Sie hoben ihn von 8.000 Euro auf 24.000 Euro.

Sowohl bei Neumeister als auch bei Karl & Faber wurden die Arbeiten Herbert Zangs zurückgezogen. Wegen Expertendifferenzen bezüglich der Authentizität, wie das Handelsblatt erfuhr.

Mehr: Auktionen bei Grisebach: Lesen Sie hier über die Auswirkungen überzogener Schätzpreise.

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