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Münchner Kunstversteigerer Digitalisierung verhilft Karl & Faber zu Rekordumsatz

Mit den Auktionen im Dezember geht für den Münchner Kunstversteigerer ein gutes Jahr zu Ende. Möglich machen es das Internet und die Präsenz auf Social-Media-Kanälen.
22.12.2020 - 08:19 Uhr Kommentieren
Das beidseitig bearbeitete kleine Skizzenblatt des Expressionisten wurde das teuerste Los des Abends (Ausschnitt). Quelle: Karl & Faber
Franz Marc

Das beidseitig bearbeitete kleine Skizzenblatt des Expressionisten wurde das teuerste Los des Abends (Ausschnitt).

(Foto: Karl & Faber)

München Franz Marcs Zeichnungen gehören auf dem Kunstmarkt zu den begehrtesten Papierarbeiten. Das unterstrichen am 9. und 10. Dezember die Auktionen mit Klassischer Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst bei Karl & Faber. Ein kleines Skizzenblatt von 1913/14 mit einer zeichnerischen Studie abstrakter Formen auf der Vorderseite und einer kubistischen Komposition mit rostbraunem Tier auf der Rückseite wurde das teuerste Los des Abends. Eine amerikanische Privatsammlung übernimmt es für 437.500 Euro (alle Preise inkl. Aufgeld).

Stattlich aber nicht ungewöhnlich ist dieser Preis für Marc, spiegelt die Arbeit doch in bester Manier die kosmische Denkweise des Expressionisten wieder. Der Münchner Kunstversteigerer strich mit 237.500 Euro auch für Wassily Kandinskys noch vom Jugendstil beeinflusste Gouache „Die Schiffe“ ein sehr gutes Ergebnis ein.

Lyonel Feiningers Leinwand „B-B Town“ von 1946 erwarb für 231.250 Euro ein norddeutscher Sammler. Laszlo Moholy Nagys konstruktivistische, 1919/20 vor seiner Bauhaus-Zeit entstandene Papierarbeit „Eisenbahnbild“ wurde von 50.000 auf 166.250 Euro gehoben. Nur unter Vorbehalt konnte Geschäftsführer Rupert Keim hingegen das stilistisch unentschiedene Gemälde „Frau mit Kind an der Gartenmauer“ von August Macke für 425.000 Euro zuschlagen.

Das Macke-Bild von 1913 gehörte zum Nachlass eines Ulmer Sammlers, der sich in den 1960er/70er Jahren für progressive, nichtfigurative Positionen interessierte. Unter dem Motto „Abstrakte Tendenzen“ zusammengefasst, kletterte etwa Gotthard Graubners „Gesacktes Kissen“ 1969 von 60.000 auf 106.300 Euro. Erworben hat das 1969 entstandene Wandobjekt der internationale Handel.

Eine Überraschung brachte die Steigerung von 3000 auf 43.800 Euro für das spröde, grauweiße Gemälde „Spiegel“ von Fritz Klemm. „Die Sammlung hat uns gezeigt, dass der Markt auch für weniger bekannte Namen dieser Zeit offen ist, wenn sie einen Kontext aufweisen“, sagte Rupert Keim dem Handelsblatt.

Die Bronze „Fox in the Ground“ von 2004 wurde für 125 000 Euro in eine New Yorker Sammlung verkauft (Ausschnitt). Quelle: Karl & Faber
Kiki Smith

Die Bronze „Fox in the Ground“ von 2004 wurde für 125 000 Euro in eine New Yorker Sammlung verkauft (Ausschnitt).

(Foto: Karl & Faber)

Für jedes Los interessierten sich, Keim zufolge, zwei bis drei Bieter. Von Herbert Volz, einem Vertreter der konkreten Kunst, wechselte eine Leinwand von 1978 zum doppelten Schätzpreis für 4300 Euro den Besitzer. Die Sammlung allein spielte 2 Millionen Euro ein und erreichte eine wertbezogene Quote von 150 Prozent.

Heftig umworben waren zwei Arbeiten von Kiki Smith. Beide wurden nach New York verkauft. Die große Papierarbeit „Assembly“ von 2009 für 137.500 Euro; die Bronze „Fox in the Ground“ von 2004 für 125.000 Euro. Das sind Rekordpreise für eine Papierarbeit und Plastik der Künstlerin.

Insgesamt summieren sich die Erlöse der zwei Auktionstage auf brutto 8 Millionen Euro. Für Karl & Faber war 2020 trotz Corona ein starkes Jahr. Inklusive der Alten Meister, der Kunst des 19. Jahrhundert und der Online-only-Auktionen, die 700.000 Euro erzielten, verkündete das Haus einen Rekordjahresumsatz von 20 Millionen Euro.

Rupert Keim führt die gestärkte Position des Hauses auf die forcierte Digitalstrategie in Zeiten der Kontaktbeschränkung zurück. Karl & Faber ist heute auf weitaus mehr Internetplattformen vertreten als noch 2019. Allein für dieses Marketingsegment und für den Social-Media-Bereich beschäftigt das Haus mittlerweile vier Mitarbeiter. Auktionshäuser, die in die Digitalisierung investiert haben, werden sich auch im kommenden Jahr behaupten können. Davon ist der Geschäftsführer des Auktionshauses jedenfalls überzeugt.

Mehr: Rückblick auf den Kunstmarkt: Auktionshäuser sind die Gewinner in der Krise

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