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Museum Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden: Polizei geht von zwei Tatverdächtigen aus

Es geht um Brillanten und Diamanten aus dem 18. Jahrhundert – einen „Staatsschatz“: Eines der bekanntesten Museen Deutschlands wurde zur Zielscheibe von Einbrechern.
Update: 25.11.2019 - 17:04 Uhr Kommentieren

Spektakulärer Kunstraub im Grünen Gewölbe

Dresden Es ist einer der spektakulärsten Fälle der vergangenen Jahrzehnte: Einbrecher haben aus der berühmten Schatzkammer Grünes Gewölbe in Dresden Kunstschätze von kaum messbarem Wert gestohlen.

Vermutlich zwei Täter stiegen über ein Fenster in das Residenzschloss mitten in der Dresdner Altstadt ein. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei könnten weitere Täter beteiligt gewesen sein.

Bisher fehlt von ihnen jede Spur. Eine zehnköpfige Sonderkommission namens „Epaulette“ fahndet derzeit mit Hochdruck nach den Tätern. Das Diebesgut sind nach bisherigen Erkenntnissen Diamanten und Brillanten aus dem 18. Jahrhundert.

Der Wert des Diebesguts lässt sich nicht beziffern. Das mit dem Wert sei so eine Sache, sagte Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, am Montag bei einer Pressekonferenz. Sie könne das nicht „in einem Wert“ auflösen. Ackermann sprach aber von einem „Staatsschatz“.

Betroffen sind möglicherweise etwa 100 Objekte aus den Juwelengarnituren Friedrich August I. (der Starke). Die Ensembles aus Knöpfen, Schnallen, Hutzier, Orden, Achselschleifen oder Stockknöpfen sind mit Brillanten, Diamanten, Rubinen, Smaragden oder Saphiren besetzt. Wieviel davon verschwunden ist, war zunächst unklar.

Die besondere Bedeutung liege weniger im Materialwert als in der Vollständigkeit des Ensembles, sagte Ackermann. Sie hofften, dass das Diebesgut aufgrund der „internationalen Bekanntheit“ dem Kunstmarkt entzogen sei.

Das Sicherheitskonzept werde nochmal überprüft. „Ein solches Vorkommnis wird natürlich dazu führen, dass man sich die Frage stellen muss, was man noch verschärfen muss, was man anders machen muss“, sagte Ackermann. Sie seien auf dem Stand gewesen, dass das, was man tun könne, gemacht worden sei.

„100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagte Ackermann bei der Pressekonferenz weiter. Sonst würde es nicht weltweit so viele Einbrüche in Museen geben. Auch Polizeipräsident Jörg Kubiessa sagte, natürlich werde das Sicherheitskonzept nochmal geprüft. Aber dazu müsse man erstmal wissen, was passiert sei.

Laut Ackermann hatte das Sicherheitspersonal die Verdächtigen auf der Videoüberwachung gesehen und die Polizei alarmiert. Das Personal sei nicht bewaffnet.

Grünes Gewölbe: Einbruch in Dresdens Schatzkammer Quelle: dpa
Das Grüne Gewölbe

In die historische Schatzkammer wurde eingebrochen.

(Foto: dpa)

Die Polizei geht von zwei Tatverdächtigen aus. Auf der Kamera im Juwelenzimmer seien zwei Einbrecher zu sehen gewesen, sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange. Es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Tatverdächtige beteiligt gewesen sein.

Die Täter seien durch ein Fenster eingedrungen, hätten ein Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Sie seien zielsicher auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese zertrümmert.

Der Einbruch sei am frühen Montagmorgen gemeldet worden. Um 04.59 Uhr hätten sie vom Sicherheitsdienst die Information bekommen, dass es zu einer Einbruchshandlung komme, sagte Polizeipräsident Kubiessa. Kurz darauf sei der erste Streifenwagen beauftragt worden.

Einen Fahndungserfolg gebe es noch nicht. Im Laufe des Nachmittags wollte die Polizei Fotos der Verdächtigen und der gestohlenen Gegenstände veröffentlichen. Geprüft werde auch der Brand eines Stromverteilers im Bereich der Augustusbrücke am frühen Montagmorgen. Dieser hatte für einen Stromausfall gesorgt. Unter anderem seien die Straßenlampen im Bereich des Residenzschlosses ausgefallen. „Es herrschte völlige Dunkelheit“, so Lange.

Kurz nach der Tat gab es zudem einen Fahrzeugbrand in Dresden. Das Fahrzeug sei abgemeldet gewesen, sagte Kripo-Leiter Lange. Die Ermittler prüfen, ob es sich dabei um den Fluchtwagen handeln könnte. Die Autobahn Richtung Polen und Richtung Berlin liegt nur wenige Minuten entfernt. Die Bundespolizei wurde eingeschaltet.

Eines der wertvollsten Stücke im Grünen Gewölbe. Quelle: dpa
Der Grüne Diamant

Eines der wertvollsten Stücke im Grünen Gewölbe.

(Foto: dpa)

Die Dresdner Polizei hat nach eigenen Angaben auch Kontakt zu Ermittlern in Berlin aufgenommen. Sie stünden in Kontakt mit Berlin, um zu sehen, „was gibt es für Zusammenhänge, was gibt es für ähnliche Tatmuster“, sagte Lange. In Berlin hatten Unbekannte im Frühjahr 2017 im Bodemuseum eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen.

Sachsens Regierungschef zeigte sich entsetzt: „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!“, sagte Michael Kretschmer (CDU). „Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden“, betonte Kretschmer. „Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nannte den Einbruch in das Grüne Gewölbe erschütternd und schockierend. „Angesichts generalstabsmäßig organisierter, hochkrimineller Täter ist der noch stärkere Schutz unserer Museen und Kultureinrichtungen eine Aufgabe von höchster Priorität“, sagte Grütters.

Nach dem Einbruch kann das Residenzschloss eventuell am Mittwoch wieder geöffnet werden. Dies habe die Polizei in Aussicht gestellt. „Es ist noch unklar, ob wir das wirklich machen können“, sagte Generaldirektorin Ackermann. Nach dem Einbruch blieb das Residenzschloss am Montag für Besucher geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus „organisatorischen Gründen“ geschlossen bleibe.

Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) ließ die Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute wird sie in zwei Abteilungen präsentiert. Der historische Teil befindet sich im Erdgeschoss des Residenzschlosses in den authentisch wiederhergestellten Räume der Sammlung. Eine Etage weiter oben zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt – der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“.

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