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Teil der Rockefeller-Sammlung

Auch die „Odalisque couchee aux magnolias“ von Henri Matisse sind bei der Auktion im Katalog.

(Foto: dpa)

Nachlassauktion Versteigerung der Rockefeller-Sammlung könnte eine Milliarde Dollar für den guten Zweck bringen

David Rockefellers Kunstsammlung und die Einrichtungsgegenstände seiner Residenzen werden bei Christie’s versteigert – in einer Wohltätigkeitsauktion von nie dagewesener Größe.
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DüsseldorfRockefeller. Nur wenige andere Namen sind in den USA so klangvoll, wie der dieser Familie, die aus Deutschland eingewandert mit dem Erdöl-Imperium Standard Oil legendären Reichtum anhäufen konnte. „Reich wie ein Rockefeller“, heißt es im Volksmund.

An diesem sagenhaften Reichtum der Unternehmerfamilie kann nun jeder Amerika- oder Kunstfreund teilhaben – und ein Erinnerungsstück ersteigern, das seinem persönlichen Geldbeutel entspricht. Einzige Voraussetzung: Er oder sie muss sich beim Auktionshaus Christie’s vorher für die New Yorker Versteigerung registrieren lassen. Und ab einer Kaufsumme von 30.000 Pfund Bonität und Identität nachweisen.

Was? Totalauflösung einer prominenten Privatsammlung

Christie’s startet am Dienstagabend mit einer glamourösen Abendauktion einen Auktionsmarathon im New Yorker Rockefeller Center. Zum Aufruf kommt der gesamte Nachlass des 2017 im Alter von 101 Jahren verstorbenen David Rockefeller: seine ausgedehnte Kunstsammlung, aber auch sämtliche Einrichtungsgegenstände aus drei Residenzen der Familie. An fünf Tagen sollen 1.600 Kunstwerke und Objektgruppen an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Darunter ist auch ein frühes Picasso-Gemälde, das mit aller Wahrscheinlichkeit einen Preis über der 100-Millionen-Dollar-Schwelle erzielen und für weltweite Schlagzeilen sorgen wird. Oder ein reich verziertes Porzellan-Service, das einst Napoleon im Exil auf Sankt Helena mit eleganter Form und feinster Malerei trösten sollte.

Nicht nur Gutbetuchte können zum Zuge kommen. Schlichte Silberobjekte, Gebrauchsmöbel, Lampen oder persönliche Erinnerungsstücke ruft Christie’s in Online-Versteigerungen schon für Preise zwischen 100 und 200 Dollar auf. Tausende Souvenirjäger, Patrioten und Kunstfreunde haben sich bereits zum Online-Bieten registrieren lassen.

Wer allerdinge je die Nachlass-Versteigerung einer Filmdiva beobachtet hat, weiß: Es bleibt natürlich nicht beim bewusst tief gehaltenen Einstandspreis. Der große Name Rockefeller, der noch am kleinsten Aschenbecher zu haften scheint, wird so viele Interessenten auf den Plan rufen, dass fast alle der siegreichen Bieter am Ende ein Vielfaches des Schätzpreises hinblättern müssen.

Wer? David Rockefeller, eine gut vernetzte Persönlichkeit

David Rockefeller war der jüngste Sohn von John Davison Rockefeller Junior und der Enkel des Firmengründers von Standard Oil, John D. Rockefeller. Die ökonomische Weitsicht und Sparsamkeit des Patriarchen sorgte für mehr als 100 Jahre für den sprichwörtlichen Reichtum der Rockefellers.

Alle Träger dieses Namens hatten die religiösen und moralischen Prinzipien der Vorväter zu erfüllen. Doch statt als reichgeborener Dandy ererbtes Geld zu verprassen und selbst nichts zu leisten, entschied sich David für den Dienst am Vaterland und an der Gesellschaft.

David Rockefeller, der fließend deutsch und französisch sprach, hatte Wirtschaftswissenschaften in Harvard studiert. Seine Karriere bei der Chase National Bank startete 1946 als Assistenzmanager in der Auslandsabteilung. Sie endete 1980 nach elf Jahren als CEO der Chase Manhattan Bank.

Nicht nur als weltgewandter Banker öffnete der gebildete und zurückhaltend auftretende Mann Türen nach China und in die Sowjetunion. Botschafterposten und auch das Finanzministerium wurden ihm mehrfach angeboten. Peter Johnson, Rockefellers Archivar, erzählte dem Handelsblatt bei der Auktionsvorbesichtigung in London dazu: „Es war eine harte Zeit für die Chase, die profitabel werden sollte. Nach der Ölkrise stagnierte die Weltwirtschaft.

Es gab starke Inflation und ein sich ausweitendes Außenhandelsdefizit. David Rockefeller lehnte das Finanzministerium ab. Seine Begründung an Präsident Richard Nixon lautete in etwa: Er wolle nicht zum Sündenbock für eine unpopuläre Politik werden. Und die Leute könnten sonst immer sagen, es war ein Rockefeller, der uns so viel Leid auferlegt hat“.

Warum? Wohltätigkeit – Aus Liebe zu den Menschen

Das Einmalige an der Rockefeller-Auktion ist, dass gesamte Erlös nicht an Davids Kinder oder Enkel fällt. Er wird in einer philanthropischen Geste sondergleichen dem Gemeinwohl gespendet. Da die direkten Nachkommen Davids Anteile an den Trusts erbten, durften sie sich aus den Residenzen „nur“ Erinnerungsstücke bis zu einem Wert von einer Million Dollar aussuchen.

Geerbtes Vermögen im Jetset und Dolce Vita zu verpulvern war David Rockefellers Sache nicht. Zu sehr hatte er die im Ursprung protestantische Arbeitsmoral seines Großvaters verinnerlicht: Bescheiden zu bleiben, dem Land zu dienen, großzügig und systematisch vom unermesslichen Reichtum des Clans abzugeben.

Zusammen mit seiner 1996 verstorbenen Ehefrau Peggy förderte der Bankier deshalb Zeit seines Lebens ein Dutzend Forschungs- und Bildungseinrichtungen, die dem Gemeinwohl dienen. Sie werden die Erben des Netto-Erlöses der Versteigerungswoche sein. Denn obwohl es eine Wohltätigkeitsversteigerung ist, kann und mag Christie’s nicht auf seine Kommission verzichten.

Zu viel an Arbeitsaufwand und Geld hat das Haus in den letzten Jahren und Jahrzehnten in die Inventarisierung des Rockefeller-Besitzes und den Aufbau entsprechender Datenbanken gesteckt. Da muss neben dem Werbewert der medialen Berichterstattung auch Cash verdient werden.

Die Favoriten unter den Erben

Das Museum of Modern Art hatte Davids Mutter Abigail in den Jahren vor seiner Eröffnung 1929 zusammen mit zwei Freundinnen gegründet. Explizit als erstes Museum für zeitgenössische Kunst. So etwas hatte es bis dato noch nicht gegeben. David und Peggy waren somit dem MoMA bereits eng verbunden. Doch erst ein peinlicher Zwischenfall machte aus dem Paar Sammler.

1948 kritisierte die temperamentvolle Frau des MoMA-Gründungsdirektors Alfred Barr den bescheidenen Kunstgeschmack der Jungverheirateten bei einem Cocktail harsch. Statt der belanglosen englischen Porträts aus dem 18. Jahrhundert sollten sie doch relevante, moderne Kunst sammeln. Das ließen sich die – nur leicht beleidigten - Milliardäre nicht zweimal sagen. Sie baten Barr fortan um Rat und unternahmen mit ihm und Magda Barr Bildungsreisen.

Auf diese Art erschlossen sie sich die gänzlich neue Welt der modernen französischen Kunst und entwickelten einen Blick für Kunst in Museumsqualität. Bei ungezählten Ankäufen unterstützten die Rockefellers das MoMA großzügig. Das MoMA ist dementsprechend einer der Favoriten unter den Erben.

Die beiden anderen Institutionen, die David besonders am Herzen lagen, sind die Harvard University, an der er 1937 Wirtschaftswissenschaften studiert hatte und die Rockefeller University. Die von seinen Vorvätern gegründete Rockefeller University hat seit 1901 bereits 25 Nobelpreisträger hervorgebracht.

Damit verkörpert diese Elite-Universität den Wunsch der Gründer am besten, durch Bildung und Grundlagenforschung zur Verbesserung der Welt beizutragen. Denn das war stetes Ziel der im Religiösen an den Nothern Baptists ausgerichteten Rockefellers.

Gemeinwohl im Sinn

Schon die Kinder von John D. Rockefeller mussten von ihrem Taschengeld einen Teil den Bedürftigen schenken. Dass wir davon wissen, liegt daran, dass kein Rockefeller je einen Zettel, Brief oder Vertrag weggeschmissen hätte. Alles wird feinsäuberlich im Familienarchiv aufbewahrt. Das sind allein im Kernbestand 15.000 Squarefuss Material, das mehr als 15 hauptberufliche Archivare der Nachwelt bewahren.

Am liebsten halfen Gründervater John D. Rockefeller und seine Nachfahren nicht nur dem Einzelnen, sondern der Menschheit allgemein etwa durch Medizin- oder Physikforschung. Die Liebe zu den Menschen und zur Natur leitet die Mäzene Peggy und David Rockefeller ihr Leben lang.

Davids drei „Lieblingseinrichtungen“, das MomA und die beiden Spitzenuniversitäten, werden aus dem Auktions-Erlös etwa je dreimal so viel erhalten wie andere Begünstigte, etwa der politische Thinktank Council on Foreign Relations oder der American Farmland Trust.

Die Nachlassverwalter müssen dabei einem von David Rockefeller genau festgelegten Schlüssel folgen. Je höher das Auktionsvolumen steigt, desto mehr erhalten die gemeinnützigen Einrichtungen ausbezahlt.

Eine Familienangelegenheit: Die Liebe zu Kunst und Porzellan

Womit hat sich ein Paar umgeben, das sich alles Erdenkliche hätte leisten können? Zum einen ist da eine Reihe von raren Meisterwerken auf Leinwand. Etwa ein Seerosenbild von Claude Monet, eine sich lustvoll räkelnde „Odaliske“, also ein Halbakt von Henri Matisse, oder das eingangs erwähnte Blumenmädchen aus Pablo Picassos rarer rosa Periode.

Erworben wurden diese Bilder den 1940er- und 1950er-Jahren für überschaubare Summen. Heute dürften ein paar von ihnen locker acht- und neunstellige Summen wert sein. Wieviel sie heute genau wert sind, wissen wir in Deutschland Mittwochmorgen. Denn sie in einer Galaauktion am Dienstagabend in New York als erstes aufgerufen.

Wie charakteristisch für die Rockefeller-Familie ihre Generationen übergreifende Liebe zum Porzellan ist, zeigt die Tatsache, dass Christie’s 67 kostbare Porzellanservice versteigern kann. Von ihnen speisten einst chinesische oder europäische Kaiser, Könige oder deren bevorzugte Höflinge.

Bei den Rockefellers verschwanden sie allerdings nicht in Vitrinen, sondern schmückten die Tafeln, zu denen sie ihre prominenten Gäste aus Politik und Wirtschaft luden. Nur ein kleiner handgeschriebener Zettel informierte zuverlässig, wie viele Personen davon speisen könnten.

Unter den bedeutsamen Geschirren aus dem alten Japan und China, aus Meissen, Höchst und Sèvres sticht eines aus dem Reich der Mitte heraus. Ein lebhaft mit großflächigen Tabakblättern bemaltes Geschirr hatten die Rockefellers derart gern, dass sie, entgegen ihrer Gewohnheit, das kostbare Original schonten und es im heutigen China in einer Alltagsversion kopieren ließen.

Christie’s ruft nun sowohl das historische Original aus der Zeit um 1775 als auch die durch die Provenienz geadelte Kopie auf. Das opulente Lieblingsservice aus der Qianlong Periode ist auf 200.000 bis 300.000 Dollar geschätzt. Die zeitgenössische Version auf maximal 8.000 Dollar.

So kontrastreich ist die gesamte Auktionsfolge aufgebaut. Der Nachlass von Peggy und David Rockefeller spricht nicht nur Kunstfreunde im High-End-Bereich an, sondern in vielen verschiedenen finanziellen Verhältnissen.

Sprudelnder Spendenfluss

Christie’s Rockefeller-Auktionswoche wird in die Geschichte eingehen. So viel steht bereits vor der – Online eingerechnet – zwölftägigen Nachlassversteigerung in New York fest. Bis in die 1980er-Jahre und zum Aufstieg der Internetmilliardäre galten die Rockefellers als eine der reichsten Familien Amerikas.

Von ihrer großen Bedeutung für die Wirtschafts- und auch die Politikgeschichte Amerikas (viele Familienmitglieder wurden Minister oder mindestens aber Berater im Hintergrund wie David), von ihrem so bedachten wie verantwortungsbewussten Lebensstil geht so viel Glanz aus. Gut möglich, dass Christie’s für Davids Nachlass nicht die konservativ geschätzten 500 Millionen Dollar einnimmt, sondern sehr viel mehr.

Sitzt den mehr oder weniger gut betuchten Souvenirjägern das Geld so locker in der Tasche wie im November 2017, als Leonardos „Salvator Mundi“ unter den Hammer kam, dann liegen eine Milliarde Dollar drin oder noch mehr. Zu dieser gewaltigen Summe dürfen dann noch die Erlöse aus den Immobilen-Verkäufen addiert werden, die nicht Christie’s, sondern ein anderer Vermarkter bekam.

Und zu Davids sprudelnden Spendenmilliarden ist – in Gedanken – eine weitere hinzuzurechnen. Denn mindestens eine Milliarde Dollar hatte David Rockefeller wohl im Laufe seines Lebens für philanthropische Zwecke verschenkt. Das hat Peter Johnson, sein Archiv-Chef einmal hochgerechnet und dem Handelsblatt erzählt.

Jetzt kommt, wenn alles glatt läuft, eine weitere hinzu. Nicht für seine Familie. Die hätte unvorstellbar hohe Steuern bezahlen müssen. Sondern für jene zwölf bewusst ausgewählten Organisationen, die für Bildung und Forschung, Kunst und Kultur und für Naturschutz stehen. Institutionen, die die Welt im Sinne der frommen Rockefellers eben ein klein bisschen besser machen sollen.

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1 Kommentar zu "Nachlassauktion: Versteigerung der Rockefeller-Sammlung könnte eine Milliarde Dollar für den guten Zweck bringen"

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  • Die Rockefellers entdecken die Liebe zu den Menschen....rührende Geschichte.
    Der ursprüngliche Name der durch rüde Methoden reich gewordenen Familie, insbesondere von David Rockefeller ist " Steinhauer " und stammt aus der frankfurter Judengasse....