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Nachruf auf Ulrich Gronert Er machte den Jugendstil salonfähig

Der Berliner Antiquitätenhändler Ulrich Gronert setzte sich über 50 Jahre für Design ein. Anfang Juli ist er gestorben.
16.07.2020 - 12:09 Uhr Kommentieren
Der Kunst- und Antiquitätenhändler würdigte Jugendstil und Art déco bevor Museen und Wissenschaft sie schätzen lernten. Quelle: Ulrich Gronert Kunsthandel
Ulrich Gronert

Der Kunst- und Antiquitätenhändler würdigte Jugendstil und Art déco bevor Museen und Wissenschaft sie schätzen lernten.

(Foto: Ulrich Gronert Kunsthandel)

Düsseldorf Ulrich Gronert war ein klassischer Selfmade Man, ein Kunsthändler mit Gespür für das Außerordentliche im Design. Ohne Studium der Kunstgeschichte eröffnete er 1968 zusammen mit seiner Frau Ursel das erste Geschäft in Berlins Antiquitätenviertel um den Ludwigkirchplatz. Da war er 23 Jahre alt und hatte erste Gehversuche als Journalist und Germanist hinter sich.

Jugendstil landete in den sechziger Jahren noch auf dem Sperrmüll, galt er den Freunden der Pop Art doch als verzopft. Gronert aber erkannt seine Qualitäten zu einer Zeit, als Porzellan, Silber und Möbel des europäischen Jugendstils auf Kunstmessen noch nicht mal zugelassen war. Der Berliner wandte sich ferner dem Porzellan der KPM, der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, zu und handelte anfangs nur mit deren so kühnen wie eleganten Formteilen des 20. Jahrhunderts.

Später erweiterte Ulrich Gronert sein Angebot um Werke aus Berlin und Preußen, auch wenn sie im 18. oder 19. Jahrhundert gefertigt wurden. Der Kunsthändler war Juror und Aussteller auf der zwischen 1981 und 1992 veranstalteten, bildschönen „Orangerie Berlin“, die auf Kojen verzichtete und Exponate verschiedener Händler in einen Kontext stellte.

Gronert nahm aus Lokalpatriotismus an der „Antiqua“ und der „Ars Nobilis“ bei VW Unter den Linden teil. Nach und nach erkannten deutsche und internationale Kunstgewerbemuseen ihre Lücken im 20. Jahrhundert und kauften bei Gronert ein.

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    Aber auch prominente Sammler vertrauten Gronerts Kennerschaft, die sich in vielen Katalogen und Ausstellungen niederschlug. Karl-Heinz Bröhan, dem Großsammler und Museumsgründer, hat er mehr als 200 Erzeugnisse der KPM und skandinavischer Manufakturen verkauft. Und in die üppig mit Gold verzierte KPM-Sammlung des Amerikaners Richard Baron Cohen vermittelte Gronert wohl ein Drittel der Porzellane. 2,5 Millionen Euro erzielte Lempertz 2018, als das Auktionshaus Cohens große Sammlung in Berlin versteigern konnte.

    Begeisterung für KPM-Berlin

    Auch beim Silber entdeckte der durchsetzungsstarke Patriarch gegen Moden und Trends Wertvolles. „Ulrich Gronert hatte einen Riecher“, sagt Melitta Jonas, Kuratorin und Kunstmanagerin der 1998 organisierten Ausstellung zu Johann George Hossauer, dem bedeutendsten Hofgoldschmied des 19. Jahrhunderts. Da war der Händler Hauptleihgeber.

    So direkt der Berliner sein konnte, hinter der rauen Schale verbarg sich ein warmherziger, hilfsbereiter Mensch. 2013 übergab er den Ulrich Gronert Kunsthandel seinem Sohn Tim Dorian. Auch der Sohn hat sich für die KPM begeistert und 2019 ein dreibändiges Standardwerk vorgelegt zum „Porzellan der KPM-Berlin 1918 — 1988“. Ulrich Gronert ist am 5. Juli in Berlin gestorben.

    Mehr: Sammelgebiet Preussen: Die wilhelminische Epoche feiert Triumphe

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