Nachruf: Auktionator Eberhard Kornfeld – Mit Intuition und Weitsicht gesegnet
Telefongebote waren dem kürzlich gestorbenen Auktionator suspekt. Er musste die Bieter sehen, sie persönlich animieren.
Foto: Galerie KornfeldBerlin. Eberhard Kornfeld ist am 13. April im Alter von 99 Jahren gestorben, wie das Auktionshaus Kornfeld in Bern bestätigte. Der Künstlerfreund war eine überragende Figur europäischer Handelsgeschichte, ein Auktionator, der mit Intuition, Wissen, Fleiß und Diskretion ein betont breites Kunstprogramm vertrat.
Seit 1951 lenkte der Schweizer die Geschicke der 1864 in Stuttgart gegründeten und ab 1919 in Bern residierenden Firma „Klipstein“. Sie wurde 1951 in „Klipstein und Kornfeld“ umbenannt. Als Hoch-Zeit der von Kornfeld intensiv gepflegten Meistergrafik haben sich die 1970er-Jahre eingeprägt.
Schon 1969 begann der Höhenflug der Picasso-Grafik, der sich 1973 mit der Sammlung Georges Bloch auf 465.000 Schweizer Franken für einen Frühdruck des „Repas frugal“ steigerte. Grafik von Ernst Ludwig Kirchner, einem weiteren Schwerpunkt bei Kornfeld, wurde 1988 mit Rekordpreisen von dreimal 860.000 Franken bedacht.
1990 konnte der Auktionator Max Beckmanns Schlüsselwerk „Der Wels“ für 5,3 Millionen Franken zuschlagen, ein Betrag, der erst im Juni 2010 mit den für Paul Gaugiuns „Scène tahitienne“ gebotenen 5,5 Millionen Franken überboten wurde.
Als Auktionator regierte Kornfeld mit Weitsicht, Geduld und Gespür. Telefongebote waren ihm suspekt, er musste die Bieter sehen, sie persönlich animieren. Händler schätzten ihn, weil er ihnen großzügige Zahlungsziele einräumte.
Für Sammler hatte er stets ein offenes Ohr, nicht zuletzt, weil er selbst passionierter Sammler war, der sich auch in den Auktionen manches selbst zuschlug. Schon 1975 zeigte eine Ausstellung im Kunstmuseum Basel seine Spannbreite als Grafiksammler mit über 300 Werken von Goya bis Sam Francis. Mit dem amerikanischen Künstler verband ihn eine lebenslange Freundschaft. 2008 schenkte er dem Basler Kupferstichkabinett seine Rembrandt-Blätter.
Zum Jubiläum der Galerie Kornfeld versteigert Eberhard Kornfeld ein Blatt von Egon Schiele. Das Protokoll führt sein für die Nachfolge bestimmter Geschäftspartner Bischoff.
Foto: Pressefoto Galerie KornfeldAls 2008/09 die Wiener Albertina Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen seiner Sammlung ausstellte, konnte man über Spitzenwerke von Degas, Picasso, Chagall, Kollwitz und Kirchner staunen. Von Alberto Giacometti, einem weiteren engen Künstlerfreund, waren allein 30 Exponate vertreten.
Freunde Kornfelds wissen, dass er neben der kompletten Giacometti-Grafik auch einen Rothko und mehrere hochkarätige Schiele-Aquarelle besaß. Als Verleger von Werkverzeichnissen zu Chagall, Klee, Kollwitz, Picasso, Kirchner setzte er editorische Maßstäbe.
In Erinnerung bleiben neben dem Kirchner-Haus in Davos, das er in den 1960er-Jahren erwarb und zu einem Museum machte, das Familiäre, das Kornfelds Versteigerungen bis zuletzt ausstrahlten, seine über das Kommerzielle hinausgehende Menschlichkeit.
Für den Fortbestand der Firma hat der Doyen rechtzeitig gesorgt. 2013 fand er in dem Berner Galeristen Bernhard Bischoff einen erprobten Geschäftspartner, der sich auch als Auktionator bewährt.