Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nachruf Bernardo Bertolucci Neun Oscars und ein Skandal

Italien trauert um Bernardo Bertolucci, der mit „1900“, „Der letzte Kaiser“ und „Der letzte Tango von Paris“ preisgekrönte Filme gedreht hat.
Kommentieren
Der international anerkannte Regisseur ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Quelle: dpa
Bernardo Bertolucci

Der international anerkannte Regisseur ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

(Foto: dpa)

Rom„Es ist ein trauriger Tag für die italienische Kultur“, erklärte Kultusminister Alberto Bonisoli, als sich am Montag in Rom die Nachricht verbreitete, dass der Regisseur Bernardo Bertolucci im Alter von 77 Jahren gestorben ist. Ein Land trauert um einen ganz großen Künstler.

Alle bekundeten ihr Beileid, Politiker über alle Parteigrenzen hinweg, Schauspieler, Weggefährten, Fans. Am Dienstag soll der Regisseur aus Parma auf dem Kapitol, im römischen Rathaus, aufgebahrt werden, damit die Menschen von ihm Abschied nehmen können.

Bertolucci starb am frühen Morgen in seiner Wohnung in Trastevere. Er war seit langem krank und saß wegen einer misslungenen Bandscheibenoperation im Rollstuhl. Doch er hatte immer noch Pläne für neue Filme, wie Freunde berichteten. So wollte er eine Fortsetzung seines Monumentalfilms „1900“ (Originaltitel: Novecento) drehen.

In dem zweiteiligen, 310 Minuten langen Film erzählt Bertolucci die Geschichte Italiens vom Tod Giuseppe Verdis im Jahr 1901 bis zur Befreiung des Landes vom Faschismus 1943. Bertolucci holte alle Hollywood-Größen der Zeit für den Dreh in seine Heimatregion Emilia Romagna: Robert de Niro, Gérard Dépardieu, Donald Sutherland und Burt Lancester.

Bertolucci (l.) im Gespräch mit Marlon Brando und Maria Schneider bei den Dreharbeiten zu „Der letzte Tango in Paris“. Quelle: dpa
1972

Bertolucci (l.) im Gespräch mit Marlon Brando und Maria Schneider bei den Dreharbeiten zu „Der letzte Tango in Paris“.

(Foto: dpa)

„Er war der letzte große Meister des 20. Jahrhunderts“, schreibt ein Filmkritiker über Bertolucci, der seine Karriere als Regierassistent von Pier Paolo Pasolini begann. Der Sohn des bekannten Dichters Attilio Bertolucci hat Filmgeschichte geschrieben, wurde weltberühmt und hat einen der größten Skandale hervorgerufen: 1972 erschien „Der letzte Tango in Paris“ mit Marlon Brando und Maria Schneider. Wegen einer besonders freizügigen Sexszene kam das Werk auf den Index.

Vor allem im prüden Italien war die Empörung groß, während es anderswo von Cinéasten gefeiert wurde. 1976 wurde nach einem Prozess in Italien das Negativ des Films zerstört und Bertolucci, der in London lebte, verlor für fünf Jahre die Bürgerrechte. Erst 1987 wurde der Film in Italien als „nicht obszön“ eingestuft. Die Zeiten hatten sich gewandelt. Vor kurzem kam eine neue Fassung in die Kinos.

Neun Osars für einen Film

1987 war auch das Jahr, in dem Bertolucci Weltruhm und die Prämierung mit neun Oscars für „Der letzte Kaiser“ erreichte. „Ein epochaler Film, ein Triumph der Kreativität, in italienischem Stil und mit der Kunst des Erzählens“, urteilte ein Kritiker. Insgesamt hat Bertolucci 16 Filme gedreht, darunter „Tee in der Wüste“ und „Little Buddha“.

Bertolucci (r.) bei den Dreharbeiten zum Film „Der letzte Kaiser“. Quelle: dpa
1987

Bertolucci (r.) bei den Dreharbeiten zum Film „Der letzte Kaiser“.

(Foto: dpa)

2003 beschrieb er in „The Dreamers“ die Pariser ‘68er-Bewegung aus der Perspektive von drei Jugendlichen, die die Erotik entdecken. Doch an die Bildermacht und Poesie der früheren Filme reichte Bertolucci nicht mehr heran.

Für sein Werk wurde Bertolucci mit Preisen überhäuft: Neben den Oscars bekam er 2007 den Goldenen Löwe des Internationalen Filmfestivals Venedig für seine Karriere und 2011 die Goldene Palme in Cannes für sein Lebenswerk. Er sei verliebt in das Schöne gewesen, schreibt ein Kritiker über ihn.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Nachruf Bernardo Bertolucci - Neun Oscars und ein Skandal

0 Kommentare zu "Nachruf Bernardo Bertolucci: Neun Oscars und ein Skandal"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.