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Maler Leon Löwentraut

„Ich habe meine Berufung gefunden.“ (Foto: P. Steckelbach / Orange by Handelsblatt)

Nachwuchskünstler Sein Name ist Löwentraut. Leon Löwentraut. Der 20-jährige Star der Kunst.

Er hat mit sieben Jahren angefangen zu malen, heute verkauft Leon seine Bilder für mehr als 40.000 Euro. Ausstellungen führen ihn von Düsseldorf nach New York. Was macht seine Kunst so besonders?
  • Pia Steckelbach
02.01.2018 - 11:39 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 02. Januar 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Der Boden des großen Raumes mit den weißen Wänden ist besprenkelt mit Farbspritzern; überall stehen Töpfe mit Pinseln herum. Leinwände lehnen an der Wand, ein noch unfertiges Bild steht in einer Staffelei. Wir sind im Keller eines Wohnhauses in Meerbusch bei Düsseldorf, mitten in Leons Reich. Hier entstehen jene Werke, die ihn zu einem international gefeierten Künstler machen.

Bilder von Leon Löwentraut kaufen? Die Preise für Originale liegen zwischen 12.000 und 40.000 Euro

Leon Löwentraut ist erst 20 Jahre alt und muss sich um seine finanzielle Zukunft wohl eher keine Sorgen mehr machen. Seine Bilder verkauft er ab einem Wert von 12.000 Euro. Der Preis sei abhängig von der Größe und der Zeit, die er darauf verwende, sagt er. Mit besonders aufwändigen Bildern hat er auch schon 40.000 Euro eingenommen.

Die Malerei ist Leons Traumjob: „Mach dein Hobby zum Beruf, und du wirst nie arbeiten, das ist doch ein bekanntes Zitat. Genauso mache ich es auch. Ich habe meine Berufung gefunden“. Gerade kommt er aus New York, dort hat er sich eine Auszeit genommen und neue Inspiration gefunden. „Manchmal muss ich auch einfach mal raus“. Klar.

Dabei ist er doch irgendwie ständig unterwegs: Singapur, Basel, Berlin, Mitte September erst wurde seine neue Ausstellung mit dem Titel „Singles & Couples“ in einer Düsseldorfer Galerie eröffnet. 800 Gäste, 24 Bilder – und in 60 Minuten waren alle ausverkauft.

Die Kunstszene bekommt nicht genug von ihm und seinem ausgefallenen Stil. Er führt eine Warteliste mit über 1.000 Interessenten für seine Bilder. Sie alle müssen ein bis drei Jahre warten auf ihren “echten Löwentraut“, das Original.

Kritik an Löwentraut: „Seine Kunst ist eher dekorativ“

Seine Kunden sind Unternehmer, Ärzte, Banker oder Galeristen. Manchmal fällt es Leon schwer, sich von seinen Bildern zu trennen. „Mir ist es wichtig, dass die Leute meine Kunst schätzen und meine Bilder nicht nur als Investment nutzen“, sagt er. Doch wer früh zugegriffen hat, darf sich in ein paar Jahren freuen: Der Wert der Bilder wächst stetig.

Trotz seines internationalen Ruhms ist nicht jeder Kunstkenner überzeugt von Leons Werken: Kay Heymer leitet die Abteilung Moderne Kunst im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Er hält Leons Bilder für nicht besonders relevant. „Ich finde, eine gesunde Skepsis ist angebracht.“ Er orientiere sich sehr an Künstlern der fünfziger Jahre, Pablo Picasso etwa – füge aber nichts Neues hinzu. Seine Kunst sei „eher dekorativ“.

Harte Worte, oder? Leon findet das in Ordnung: „Ich muss nichts erfinden, es hat doch alles schon einmal gegeben.“ Picasso oder der Streetart –Künstler Basquiat seien eben seine Vorbilder. Die Kunstgeschichte werde Leon damit jedenfalls nicht weiterbringen, davon ist Heymer überzeugt.

Ausstellungen von Leon Löwentraut in Düsseldorf und New York

Bevor ich urteile, besuche ich lieber erstmal in seinem Keller-Atelier. Dort malt er seine Werke, am liebsten nachts, zu Musik von Klassik bis Rap, am liebsten laut. Dann vergisst er alles um sich herum. Niemand darf ihn dabei stören.

Trotz der vielen Interessenten macht sich Leon keinen Druck bei der Arbeit. Es gebe Tage oder Wochen, an denen er gar nicht malt und dann wieder Nächte lang. Für ihn steht die Leidenschaft im Vordergrund, nicht der finanzielle Profit, sagt er. „Wenn man Bilder malt, weil die Leute das wollen, ist man gezwungen. Und nichts Erzwungenes kann gut werden!“

Leon behauptet, er könne in den Pinselstrichen auf einer Leinwand erkennen, ob ein Kunstwerk frei oder unter Druck entstanden sei. Er will sich vor zu viel Stress schützen und flüchtet daher immer wieder in andere Städte. Neben New York war er erst vor kurzem in Mailand und Lissabon.

Auf seinen Reisen und Terminen ist er nie allein. Sein Vater ist gleichzeitig sein Manager und begleitet ihn überallhin. Das Verhältnis zwischen den beiden ist gut, sie haben eine besonders enge Beziehung. Leons Karriere ist ein Familienbetrieb, Mama macht die Buchhaltung.

Hat Leon Löwentraut eine Freundin? „Ich bin kein Beziehungsmensch“

Seine Eltern nehmen einen wichtigen Platz in Leons Leben ein. Sie sind wichtiger denn je, weil er sich auf seinem Weg vom Schüler zum Künstler von vielen Freunden getrennt hat. Einige Freundschaften seien am Neid auf seine Karriere zerbrochen, erzählt er. „Ich bin mit Leuten essen gegangen und alle haben von vorne herein erwartet, dass ich die Rechnung zahle. Dann haben sie später noch nicht einmal Danke gesagt.“

Heute vertraut Leon nur noch wenigen Menschen, will nicht mehr enttäuscht werden. Er zieht sich lieber in sein Atelier zurück. „Ich bin menschenscheu geworden“, sagt er. Lacht. Und macht doch einen offenen und aufgeschlossenen Eindruck, wie er da so sitzt, auf einem abgewetzten Ledersofa, voll mit  Farbflecken. Seine teure Uhr und die schicke Jacke passen nicht zu den Resten von Acrylfarbe, die er nicht ganz von seinen Händen gewaschen hat.

Mittlerweile komme es immer häufiger vor, dass er auf der Straße erkannt wird. Die Reaktionen seien meist positiv, sagt er, das freut ihn. Auch in den sozialen Netzwerken bekomme er viel Zuspruch. Auf Facebook und Instagram ist Leon regelmäßig unterwegs und hält so den Kontakt zu seinen Fans. Alle Nachrichten, die ihn erreichen, kann er nicht beantworten. „Aber gerade jüngere Follower, die mich als Vorbild sehen, motivieren mich.“

Über 50.000 Menschen folgen ihm auf Instagram. Klar, dass auch Firmen auf ihn und seine Reichweite aufmerksam werden. Irgendwann mal für Geld Produkte zu promoten und „Influencer“ zu werden kann er sich aber nicht vorstellen. Social Media ist und bleibt nur ein Hobby für ihn.

Mittlerweile hat er eine eigene App, die seine Internetseite mit seiner Facebookseite verknüpft. Einmal hat er sogar eine seiner Ex-Freundinnen auf Sozialen Medien kennengelernt. Auch sie war zunächst ein Fan. Lange gehalten hat die Beziehung allerdings nicht: „Ich bin kein Beziehungsmensch, ich verliere schnell das Interesse an Personen.“

„Global Goals“: Leon Löwentraut malt 17 Ziele für eine bessere Welt im Auftrag der Unesco

Leon plant nicht über längere Zeiträume hinweg. Aktuell arbeitet er aber an einem größeren Projekt, zusammen mit der Kinderhilfsorganisation Unesco. Bis März 2018 soll er Bilder von den 17 „global goals“ malen. Das sind Ziele der „Vereinten Nationen“, um die Welt zu verbessern. Dazu gehören „keine Hungersnot“, „Frieden und Gerechtigkeit“ und „Gleichberechtigung der Geschlechter“.

Er wurde von einer internationalen Kommission dafür ausgewählt, die Symbole der internationalen Gemeinschaft in seinem Stil zu interpretieren. Bis 2030 erscheint dann jedes Jahr jeweils eine Edition der Bilder in einer Auflage von 49 Exemplaren.

Dadurch sollen über 600.000 Euro zusammenkommen, die Leon für den Bau einer Schule in Senegal spendet. „Ich habe Geld, ein gutes Leben, kann mir das kaufen, was ich haben möchte, und mein Hobby zum Beruf machen. Wenn man diese Privilegien hat, kann man auch etwas abgeben“, sagt er.

Als Mensch habe mich nicht verändert, ich bin immer noch derselbe geblieben, nur dass das was ich mache mehr Anerkennung bekommt.“ In der Schule ist Leon dagegen nicht gut zurecht gekommen. Er wollte sein Fachabitur machen, scheiterte aber in der elften Klasse. Weil er lieber malte, anstatt im Unterricht aufzupassen.

In Kunst war er auf dem Zeugnis nur mittelmäßig, Note drei. „Ich hatte keinen Spaß an dem, was meine Lehrer wollen“, sagt er heute. Dabei war ihm schon mit zehn Jahren klar, dass er mal Künstler werden will.

Er lacht als er sich an seine Schulzeit erinnert, immerhin hat es seiner Karriere nicht geschadet, dass er kein Fachabi hat. Und Leon denkt groß: „Mein Traum ist es, im Guggenheim und im MOMA zu hängen. Ich weiß, dass ich das schaffen werde, es ist nur eine Frage der Zeit. Das Selbstbewusstsein dazu hat er schonmal.

Mehr: Wie man kompetent Kunst kauft

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