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Neuerscheinung Kein Rezept zum Reichwerden mit Kunst

Kurzweilig und anekdotenreich erzählt Franziska Ida Neumann über Gepflogenheiten und Renditechancen auf dem Kunstmarkt. Zugleich bedient die Autorin viele Klischees.
07.01.2021 - 19:54 Uhr Kommentieren
Das Dollarzeichen wird kunstwürdig. Hier in einem Beispiel von 1981, das bei Sotheby's 2015 für 6,9 Millionen Pfund versteigert wurde. Quelle: Sotheby’s
Andy Warhol "Dollar Signs"

Das Dollarzeichen wird kunstwürdig. Hier in einem Beispiel von 1981, das bei Sotheby's 2015 für 6,9 Millionen Pfund versteigert wurde.

(Foto: Sotheby’s)

Wiesbaden Das Patentrezept zum Geldverdienen mit Kunst zwischen zwei Buchdeckeln – das klingt verlockend, ist jedoch ähnlich erfolgversprechend wie das Jahreslos einer Lotterie. Bei der Lektüre von „Wie Sie mit Picasso & Co. ein Vermögen aufbauen ... und warum am Ende mit Kunst (nicht) jeder reich werden kann“ von Franziska Ida Neumann muss man also Abstriche machen.

Mit etwas gedämpfteren Ansprüchen bietet der im FinanzBuch Verlag erschienene Band jedoch einen guten Überblick über Gepflogenheiten des Kunstmarkts, Renditechancen und eine ganze Reihe Tipps für absolute Einsteiger und fortgeschrittene Anfänger. Angefangen bei den Kosten im Zusammenhang mit Kauf und Verkauf im Auktionshaus, über Lagerung und Versicherung bis zum Investment in Kunstfonds, werden viele Aspekte rund um die Ware Kunst angesprochen.

Was das Buch lesenswert macht, sind die überblicksartigen Kapitel zu verschiedenen Aspekten des Kunstmarkts und des Kunstsammelns. Auch wenn Spezialthemen wie Art Lending – die Kreditvergabe gegen Kunstwerke als Sicherheiten – eindeutig zur Hohen Schule des Metiers gehören und bei Einsteigern wohl keine Dringlichkeit haben dürften.

Spannend sind Neumanns Schilderungen ihrer Flohmarktfunde – Grafiken von Josef Albers – und ihrer Recherchen. Sie verdeutlichen, dass sich Schnäppchen zwar immer wieder finden lassen. Die Renditen können denn auch beachtlich sein. Doch Reichtümer lassen sich bei Preissteigerungen von 100 auf 600 Euro wahrlich nicht anhäufen.

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    Um diesen Kunstmarkt geht es jedoch nur am Rande. Für ihre Leser baut Neumann die große Bühne auf. In diesem Zusammenhang ist es ärgerlich, dass die Autorin den Kunstmarkt zunächst als das Abziehbild der Realität schildert, wie man ihn aus der Boulevardpresse kennt: als Spielplatz der Reichen, Schönen und Zwielichtigen, wo Milliarden verschoben und Deals in Hinterzimmern ausgehandelt werden.

    Dabei versucht die Autorin, den Kunstmarkt künstlich aufzublähen. 64,1 Milliarden US-Dollar würden „offiziell“ auf dem internationalen Kunstmarkt umgesetzt, „80 Prozent des Verkaufs wird über sogenannte Private Sales und somit unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgewickelt“, raunt Neumann.

    Ida Franziska Neumann: Wie Sie mit Picasso & Co. ein Vermögen aufbauen ... und warum am Ende mit Kunst (nicht) jeder reich werden kann.
    FinanzBuch Verlag
    208 Seiten
    16,99 Euro

    In den Zahlen des Art Basel UBS-Reports, auf den sie sich beruft, sind diese Umsätze als Schätzung jedoch schon enthalten und nicht noch hinzuzuaddieren. Genau wegen dieser Intransparenz wird das Zahlenwerk übrigens oft kritisiert. Und „offiziell“ im Sinne von „amtlich“ ist es schon gar nicht.

    Dieser legere Umgang mit den Fakten und die ständige Kolportage gängiger Klischees über den Kunstmarkt, auf dem mit undurchsichtigen Geschäften im Handumdrehen Millionen verdient werden, lassen das Buch stellenweise fast wie eine Parodie erscheinen.

    Die wichtigste Frage auf Kunstmessen

    Welchem Neuling in der Kunstwelt soll der Messebesuch schmackhaft gemacht werden mit Behauptungen wie: „Die wichtigste Frage auf Kunstmessen lautet: Wie viel Geld vertrittst Du?“ Das ist natürlich Blödsinn. Die wichtigste Frage auf Kunstmessen lautet, wie fast überall: Wo ist die Toilette?

    Selbstverständlich spielt Geld eine Hauptrolle auf Kunstmessen; schließlich handelt es sich um Verkaufsveranstaltungen. Je größer die Galerie, je renommierter der Künstler, umso höher sind in der Regel auch die Preise, die dort aufgerufen werden. Doch zum Glück geht es nicht um eine beliebige Ware oder Luxusgüter, sondern eben um Kunst, bei der auch im Handel noch andere Dinge eine Rolle spielen.

    Diese Übertreibungen dienen offensichtlich dem Ziel, die Expertise der Autorin umso glaubwürdiger und notwendiger erscheinen zu lassen. Am meisten stört bei der Lektüre der Hang Neumanns, ihre eigene Person häufig und wenig subtil in den Vordergrund zu spielen, etwa wenn es um die notwendigen Schritte beim Karriereziel Art Consultant geht – die sich zufällig mit ihrem eigenen Bildungsweg decken.

    Als bisweilen kurzweilige, anekdotenreiche und in Teilen nutzwertige Lektüre empfiehlt sich das Buch durchaus. Ein Rezept zum Reichwerden mit Kunst enthält es freilich nicht.

    Mehr: Sotheby's und Christie's: Diskrete Privatverkäufe und Onlineauktionen retten die Jahresbilanz

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