Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

New Yorker Auktionen Ansturm auf Kunst mit Cartoon-Appeal

Phillips und Sotheby's punkten mit jungen farbigen und weiblichen Künstlern. Von den Klassikern schneiden nur Francis Bacon und Mark Rothko überdurchschnittlich ab.
Kommentieren
hat vor allem Fans in Fernost, gefällt jedoch inzwischen auch amerikanischen Sammlern. So viel Interesse treibt die Preise. Zugeschlagen wurde das Bild
KAWS

hat vor allem Fans in Fernost, gefällt jedoch inzwischen auch amerikanischen Sammlern. So viel Interesse treibt die Preise. Zugeschlagen wurde das Bild "The Walk Home" zu 5,96 Millionen Dollar.

(Foto: Katalog Phillips)

New YorkKAWS, eigentlich Brian Donnelly (45), aus Brooklyn, zementierte in dieser Woche seinen west-östlichen Star-Status. Noch rümpft das Establishment gerne die Nase über seine zwischen Street Art und Hochkunst balancierenden Gemälde und Skulpturen. Aber das könnte sich nach der großen Ausstellung ändern, die das Brooklyn Museum soeben fürs Jahr 2021 ankündigte. KAWS kann auf einen sehr engagierten, überwiegend fernöstlichen Fanclub setzen. „Aber inzwischen hat er universellen Appeal, gefällt auch traditionellen amerikanischen Sammlern“, weiß Sotheby’s Spezialist David Galperin.

Nachdem Sotheby’s Anfang April in Hongkong mit einem Ausreisserpreis von umgerechnet 14,7 Millionen Dollar erstaunt hatte, schaffte es Phillips am 16. Mai in New York mit „The Walk Home“ (2012), den westlichen Rekord zu setzen. Die besorgt dreinschauende gelbe Cartoonfigur „SpongeBob Schwammkopf“ war mit der sehr zurückhaltenden Erwartung von 600.000 bis 800.000 Dollar angetreten, die wurde aber sofort durch Zwischenrufe „2 Millionen!“, dann „3 Millionen!“ vom Tisch gewischt. Der Zuschlag erfolgte erst bei 5,96 Millionen Dollar. „Wir sahen vor der Auktion sehr großes Interesse und wussten, dass es gut laufen würde. Aber kaum jemand hat mit diesem Ansturm gerechnet“, so Edward Dolman, Phillips CEO.

Dass am selben Abend „Horse and Rider“ (1976) von dem kunstgeschichtlich abgesegneten Roy Lichtenstein auch zu 5,96 Millionen Dollar zugeschlagen wurde, löste bei einigen Stirnrunzeln aus. Anzeichen für einen Geschmackswandel? „Horse and Rider“ war Star unter elf Werken, überwiegend der Pop Art, in der seit den frühen 1960ern angelegten Sammlung des Unternehmers Miles Fiterman und seiner Frau Shirley aus Minneapolis. Die hatte Phillips stolz der Konkurrenz abgejagt. Insgesamt übergab Shirley Fiterman dem Haus - gegen eine Garantie - 95 Werke, die über die nächsten Monate 60 Millionen Dollar einbringen sollen.

Trotz aller Rekordmeldungen dieser Woche könnte ein Gegenwind im Markt spürbar werden, darauf weisen einige Taxen in Phillips' Katalog hin, die innerhalb der letzten Wochen nach unten korrigiert wurden. In einem durchweg soliden Abend, der nur einen Rückgang verzeichnete, nahm Willem de Koonings abstraktes Landschaft „Untitled XVI“ (1976) in Beige-Tönen bei 10,27 Millionen Dollar den ersten Platz ein (Taxe: 8 bis 12 Millionen Dollar). Sie wurde von der New Yorker Galerie di Donna übernommen.

Uptown, wenige Stunden später, setzte sich auch in Sotheby’s Auktion für zeitgenössische Kunst die Jagd auf KAWS, junge farbige und weibliche Künstler fort. Ihnen galten die die meisten der sieben erzielten Rekorde. Barkley L. Hendricks“ aufgebretzeltes Duo „Yocks“ (1975), das beim letzten Marktauftritt in einer Tagesauktion vor zwei Jahren, laut Datenbank artprice.com, noch für 942.500 Dollar zu haben war, kostete Wendy Lin, Managing Director Taiwan, gegen starke Konkurrenz nun ganze 3,7 Millionen Dollar (Taxe 900.000 bis 1,2 Millionen Dollar).

kleines, düsteres Bildnis “Study for a Head” (1952) avanciert mit 50,4 Millionen Dollar zum Top-Los der Abendauktion bei Sotheby's. Quelle: Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Francis Bacon's

kleines, düsteres Bildnis “Study for a Head” (1952) avanciert mit 50,4 Millionen Dollar zum Top-Los der Abendauktion bei Sotheby's.

(Foto: Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Auch Gebote auf das Riesenformat der jungen New Yorker Malerin Dana Schutz (43), spätestens seit ihrem Skandalauftritt in der Whitney Biennale von 2017 ein Star, überschlugen sich. Die eingehämmerten 2,42 Millionen Dollar für ihr „Civil Planning“ (2004) mehr als verdoppelten den stehenden Rekord von 980.000 Dollar, der kurz zuvor bei Phillips gesetzt wurde. Aber auch für Lee Krasner gab es einen neuen Bestpreis, der nach Meinung von Abteilungsleiter Grégoire Billaut den Markt für weibliche Künstler neu justiert.

Schutz' Großformat „The Eye is the First Circle“ (1960) aus der „Umber“ Serie wurde aus der privaten Sammlung der Galeristin Sarah („Betsy“) Wittenborn Miller eingeliefert, die bis 2016 die renommierte Robert Miller Gallery betrieb und lange den Krasner-Nachlass betreute. Die schon eingebaute Rekorderwartung wurde bei 11,65 Millionen Dollar durch Mnuchin Gallery bestätigt. Sotheby’s schloss den Abend mit soliden Einnahmen am oberen Ende der Erwartung bei 341,8 Millionen Dollar ab.

„Der Markt ist unglaublich stark, angefeuert wird er von wichtigen Provenienzen und marktfrischen Sammlungen“, so Billaut. Zwar wurden von 63 Losen nur sieben nicht zugeschlagen, aber viele sahen nur sehr zurückhaltendes Bieten.

Ganz anders dagegen das Top-Los, Francis Bacons relativ kleinformatiges düsteres Bild „Study for a Head“ (1952) aus dem Nachlass der prominenten Großsammler Richard und Jane Lange aus Seattle. Gegen heftige Konkurrenz wurde es erst bei 50,4 Millionen Dollar an Christopher Eykyn, Mitgründer der Galerie Eykyn McLean (New York/ London) gewiesen (Schätzpreis: 20 bis 30 Millionen Dollar).

Auch Mark Rothkos dunkle Farbstudie von 1960, die das San Francisco Museum of Modern Art zugunsten ihres Ankaufsetats für jüngere Künstler abgab, kletterte dank asiatischer Beteiligung bei 43,75 Millionen Dollar klar über die Taxe hinaus (Schätzung: 35 bis 50 Millionen Dollar).

Umsätze und Quoten:
Phillips: 20th Century & Contemporary, 16. Mai 2019
99,9 Millionen Dollar für 42 verkaufte Lose (von 43 angebotenen)
Zuschlag nach Wert: 98 Prozent, nach Losen: 98 Prozent

Sotheby’s: Contemporary Art, 16. Mai 2019
Umsatz: 341,8 Millionen Dollar für 56 verkaufte Lose (von 63)
Zuschlag nach Wert: nicht angegeben, nach Losen: 88,9 Prozent

Startseite

Mehr zu: New Yorker Auktionen - Ansturm auf Kunst mit Cartoon-Appeal

0 Kommentare zu "New Yorker Auktionen: Ansturm auf Kunst mit Cartoon-Appeal"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote