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NS-Kunst Die Gesinnung malt mit

Kunst im Nationalsozialismus entsteht nicht losgelöst von politischen Überzeugungen. Der Fall Nolde lehrt, genau hinzuschauen.
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Das 2 Meter breite Gemälde
Ivo Saliger

Das 2 Meter breite Gemälde "Urteil des Paris" (1939) bewahrt das Deutsche Historische Museum, Berlin.

DüsseldorfDie Frage klingt einfach und scheint doch nur schwer zu beantworten zu sein: Was ist nationalsozialistische Kunst und woran erkennt man sie? Felix Krämer, Kurator der Nolde-Schau 2014 im Frankfurter Städel, bekannte kürzlich in einem Radiogespräch, dass ihm dies noch niemand habe erklären können. Aber auch Olaf Peters, der an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Kunstgeschichte lehrt, muss passen. „Im Fall von Noldes Malerei haben wir ja den vielleicht widersprüchlichen Fall einer nationalsozialistisch entarteten Kunst vor uns“, erläuterte er kürzlich auf einer Berliner Tagung über „Ästhetische Moderne und Nationalsozialismus“. Kunst kann also gleichzeitig nationalsozialistisch und entartet, also von den Nazis verfemt, sein.

Am einfachsten lässt sich noch die Frage beantworten, wie die vom Dritten Reich angestrebte Kunst auszusehen hatte. Bereits in der Nazi-Zeit hatten sich Politik und gleichgeschaltete Presse ein ideologisches Wunschbild nationalsozialistischer Kunst zurechtgezimmert: übersteigert monumental, mit einem Hang zum Pathos und Martialischen. Die Wirklichkeit sah anders aus. Was auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK)“, der Bühne für den offiziellen Kunstgeschmack, gezeigt wurde, erfüllte weniger den vom NS-Regime propagierten Stil als (klein)bürgerliche Erwartungen: eine leicht verständliche, akademisch ausgeführte gegenständliche Malerei mit Schwerpunkten auf Landschaften, Akten und Genrebildern.

„Die Masse der NS-Kunst zeigt weder ein Hakenkreuz noch besonderen ideologischen Gehalt, sondern bloß eine veraltete Ästhetik“, fasst Peters zusammen. Es entstand nichts Neues. „Im Grunde haben wir eine Rückkehr zur Gattungsmalerei des 19. Jahrhunderts.“

Wer die Kunstgeschichte nicht mit in den Blick nimmt, übersieht, dass die Künstler politisch missliebige Themen mieden. Im Grunde aber mussten sich die meisten, was Motive und Darstellungskonventionen anging, kaum umstellen. Sie arbeiteten schon in der Weimarer Republik und auch nach dem Zweiten Weltkrieg abseits der modernen, auf Innovation zielenden Strömungen. Die nationalsozialistische Gesinnung ist ihnen nicht auf Anhieb anzusehen.

Hinzu kommt, dass sich Künstler, Kritiker und Kunsthistoriker in den Anfangsjahren der Diktatur keineswegs darüber einig waren, wie eine „deutsche“ Kunst auszusehen hatte. Selbst die NS-Führungselite vertrat laut Peters widersprüchliche Haltungen. So begeisterte sich der spätere Propagandaminister und Kulturkammervorsitzende Joseph Goebbels schon in den 1920er-Jahren für die wunderbaren Farben, die Nolde auf die Leinwand brachte. Später veranlasste ihn Adolf Hitler, Aquarelle des Malers von den Wänden zu nehmen, die er für repräsentative Räumlichkeiten entliehen hatte.

Und Heinrich Himmler war noch 1937 der Auffassung, Künstlern, die modern waren, solle die Möglichkeit gegeben werden, sich zu bessern und sich in das Dritte Reich einzugliedern. „Hitler selbst wollte ihnen keine Chance mehr geben“, führt Peters aus. Er lehnte die Moderne pauschal ab und ließ allenfalls die Kunst der Spätromantik, des Realismus, Naturalismus und der Gründerzeitkunst gelten.

Unstimmigkeiten und widersprüchliche Haltungen eröffneten Künstlern aber auch Freiräume. „Das erklärt, warum sie im Dritten Reich unterschiedlich reagierten bzw. unterschiedliche Rollen spielten“, erläutert Peters. Neben den Nazikonform schaffenden Künstlern, die im Wesentlichen auf gemäßigte bürgerliche Vorstellungen des 19. Jahrhunderts zurückgriffen, waren bis in die 1940er-Jahre moderne Künstler präsent, „wenn auch nur in sehr verhaltenem Maße“, schränkt Peters ein.

Der „modern“ malende Nolde fordert dazu auf, genauer hinzuschauen. Seinen Bildern sieht man die Gesinnung nicht gleich an, aus der heraus sie geschaffen wurden. Nur wer die über einen längeren Zeitraum behandelten Motive in den Blick nimmt, registriert, dass nach 1933 die zuvor wichtigen religiösen Themen in den Hintergrund traten. Und mit diesem Wissen im Hinterkopf kann man nun nicht mehr so tun, als wären das einfach nur harmlose Bilder. Diese Vorstellung sei naiv, zu glauben, das was er malt, hätte nichts mit seinen Überzeugungen zu tun, sagte Felix Kramer im Deutschlandfunk. „Der wusste ja, was er macht.“

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