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Online only-Auktionen Altmeister finden im Internet reißenden Absatz

Mit überraschendem Erfolg hat Sotheby's seine Alten Meister online versteigert. Nur eine Folge der Pandemie oder ein neuer Absatzkanal?
14.05.2020 - 13:34 Uhr Kommentieren
Das Stillleben mit Vögeln verzehnfachte seinen Preis. Quelle: Sotheby´s
Orsola Maddalena Caccia

Das Stillleben mit Vögeln verzehnfachte seinen Preis.

(Foto: Sotheby´s)

London Die Kritik, der Kunstmarkt eigne sich nicht für das Digitalgeschäft, ist seit Beginn der Corona-Krise endgültig überholt. In den derzeit beliebten virtuellen „Viewing Rooms“ geht es um den Verkauf zeitgenössischer Kunst. Alte Meister tauchen da kaum auf. Sie brauchen Begegnungen in Echtzeit, könnte man denken, wo das Auge des Kenners Vorder- und Rückseiten von Bildern inspiziert und Experten Lupen herausholen. Deshalb gab es bisher kaum Altmeisterauktionen im Netz und wenn dann nur im Bereich bis um 20.000 Dollar. So beschreibt das Auktionshaus Sotheby’s die bisherige Lage. Doch das Blatt hat sich gewendet.

Mit zwei Online only-Auktionen in Folge trat Sotheby‘s den Beweis an, dass dieses Sammelgebiet reif ist für die Digitalisierung. Im April versteigerte das Haus 100 Arbeiten des geschätzten Händlers Rafael Vals online – mit einem ausgezeichneten Ergebnis. Die Auktion verdreifachte die Vorab-Schätzung und spielte 1,6 Millionen Pfund ein. 98 Prozent der Arbeiten verkauften sich, ein fast unglaubliches Resultat, das Saalauktionen nicht erreichen. Der Erfolg ist hier sicher der Provenienz geschuldet, wie auch der Aufbereitung der Bilder, die für den Verkauf bereits herausgeputzt waren.

Sotheby‘s ging noch weiter und entschied, die bereits katalogisierte Frühjahrsauktion Alter Meister komplett online zu stellen. Ein mutiger Schritt, beinhaltete diese Auktion doch etliche Arbeiten, die man nicht im eher niedrigpreisigen Onlinesegment erwarten würde. Etwa die Porträts englischer Berühmtheiten aus der Clarendon-Sammlung, die lange als Leihgaben im Palast von Westminster hingen; außerdem über 70 Porträtminiaturen aus der Sammlung der 2016 verstorbenen Biologin und Chemikerin Erika Pohl-Ströher, einer Enkelin des Wella-Gründers.

Bei den Porträts handelte es sich um die letzte Tranche der umfangreichen Sammlung an Miniaturmalerei. Auch diese Auktion verdoppelte die Vorabschätzung und spielte mit 3,4 Millionen Pfund das höchste Ergebnis einer Online only-Auktion bei Sotheby‘s in diesem Bereich ein. Die Verkaufsrate von 86 Prozent der Lose stellt einen Rekord für dieses Marktsegment dar, unabhängig davon, ob sie live oder ausschließlich online versteigert wurden.

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    Um den Erfolg dieser Auktion zu verstehen, gilt es mehrere Faktoren bedenken. Jorge Coll, Leiter des alteingesessenen Altmeisterhändlers Colnaghi, begründet im Gespräch mit dem Handelsblatt den Erfolg der Auktion mit dem Vertrauen in die Expertise des Hauses. Kunden, vor allen die 27 Prozent Neukunden, die in der Auktion mitboten, vertrauen auf die Meinung der Experten und auf den Namen Sotheby’s. Dieses Vertrauen zu den Experten entsteht im Digitalzeitalter auf neuen Wegen.

    Fischer bringen auf diesem typisch niederländischen Landschaftsgemälde Reusen aus. Quelle: Sotheby´s
    Jan Josefsz. van Goyen

    Fischer bringen auf diesem typisch niederländischen Landschaftsgemälde Reusen aus.

    (Foto: Sotheby´s)

    Andrew Fletcher, Leiter der Altmeisterabteilung bei Sotheby’s, betont die Attraktivität eines breiten Angebotes einerseits und die virtuellen Marketingkanäle andererseits, die ganz unterschiedliche Interessenten auf der ganzen Welt ansprechen könnten.

    Als Trend hebt er hier vor allem das überschwängliche Interesse an der Kunst von Frauen hervor, von dem das Handelsblatt bereits am 30. April berichtete. Ein Stillleben mit Vögeln der italienischen Nonne und Malerin Orsola Maddalena Caccia erzielte nach 49 Geboten das Zwanzigfache der Schätzung und verkaufte sich zu einem Bruttopreis von 212.500 Pfund. Für Sotheby‘s kam das Interesse überraschend. Die Expertin Georgina Eliot beschreibt es als „den perfekten Sturm“. Sujet, Preis und Künstlerin trafen passgenau aufeinander. Eine Auktion, bei der 18 Prozent der Käufer Frauen sind und 20 Prozent unter 40 Jahre alt sind, macht Hoffnung, dass solche Werke auch für junge Sammlerinnen und Sammler anregend bleiben.

    Digital sind alle Bieter gleichberechtigt

    Online only-Auktionen sind besonders attraktiv, weil das Bieten anders abläuft als im Saal. Lose sind eine Woche lang aktiviert. Da kann man die Werke in Hochauflösung, von allen Seiten und virtuell in einen Raum platziert ansehen, aber auch schon Gebote abgeben. Mit wenigen Klicks lässt sich testen, was eventuell günstig zu haben ist, weil es im Vorfeld wenig Interessenten gibt. Dieses Wissen haben vor einer Live-Auktion sonst nur die Angestellten. Auf der Webseite hingegen ist klar zu sehen, wie viele Gebote abgegeben wurden und wann der Mindestpreis überschritten ist.

    Auktionsfieber entwickelt sich dennoch, denn die Versteigerung schließt zu einer fixierten Uhrzeit, außer es finden noch aktiv Gebote statt. Dann verlängert sich die Zeit, um allen Unterbietern die Chance zu geben, nochmals mitzubieten.

    Andrew Fletcher bestätigt, dass den Kunden die virtuelle Auktion gefällt. Dann betont er, dass bei einer Online only-Auktion jeder Kunde die gleiche Chance hat zu bieten, da alle das gleiche System benutzen. Für ihn ist das die „Demokratisierung des Zugangs zu Alten Meistern“.

    Mater Dolorosa und Christus als Schmerzensmann. Das zweiteilige Andachtsbild verdreifachte seinen Schätzpreis auf 100.000 Pfund. Quelle: Sotheby´s
    Nachfolger von Simon Marmion

    Mater Dolorosa und Christus als Schmerzensmann. Das zweiteilige Andachtsbild verdreifachte seinen Schätzpreis auf 100.000 Pfund.

    (Foto: Sotheby´s)

    Der Algorithmus behandelt in der Tat jeden Bieter gleich. Im Saal aber hat der Versteigerer trotz aller Öffentlichkeit der Live-Auktion durchaus Spiel, einem Kunden mehr oder weniger Entscheidungszeit für den nächsten Bietschritt zuzugestehen. Der oft gesehene Beleg: Wenn ein Auktionator wartend auf einen seiner Experten-Kollegen reagiert, der einen „wichtigen“ Sammler am anderen Ende der Leitung hat.

    Für das mittlere Preissegment der Alten Meister wird zukunftsweisend sein, wie attraktiv Onlineauktionen sein können. Das bestätigt auch Jorge Coll: „Was wir als den schwächsten Teil des Marktes ansahen, ist der Teil, der sich erfolgreich online bewegt hat.“ Den neuen Zuspruch begründet Coll mit dem allgemeinen Mangel an erstklassigem Nachschub. Wolle man Alte Meister als Sammelgebiet erhalten, müsse man neue Kunden aus einem größeren Umfeld anwerben, die sich für erschwingliche Arbeiten interessieren und die Zirkulation im Markt aufrechterhalten.

    Vertrauter Kaufprozess am Bildschirm

    Die Qualität von Text- und Bild-Information in einem Kaufprozess am Bildschirm sei viele Menschen vertrauter, als einen Auktionssaal zu betreten, meint Coll. Das könnte helfen, neue Sammlerschichten an einen Nischenmarkt heranzuführen. Der ist weniger gehypt und finanziell erreichbarer als so manche Position der zeitgenössischen Kunst.

    Altvertraute Bildmotive wie Stillleben, Interieurs oder Porträts beweisen jetzt ihre Attraktivität in Zeiten der Unsicherheit. Wer da einsteigen will, kann sich die Online only-Auktion Alter Meister bei Christie‘s Anfang Juni vornehmen.

    Mehr: Auf dem Feld der reinen Internetauktion leisten deutsche Versteigerer Pionierarbeit

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