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Oskar Schlemmer Keine Zweifel an der Zukunft

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Zu modern, um Bilder zu malen
Das neue Menschenbild: Oskar Schlemmers
Oskar Schlemmer

Das neue Menschenbild: Oskar Schlemmers "Szene am Geländer" (1931) aus der Staatsgalerie Stuttgart.

Der Körper als Ausdruck menschlicher Identität bleibt Schlemmers Thema bis zum Schluss. Schon 1916 zerlegte der 28-Jährige die menschliche Gestalt in mathematisch-formelhafte Felder. Gelenke formten sich zu Kugeln, Arme und Beine zu keulenähnlichen Stümpfen. „Homo“ nannte er die Erfindung. Später begegnet man dem „Homo“ als geometrische Drahtplastik, als Gipsrelief und als metallene, lineare Wandgestaltung im Flur des Hauses Rabe in Zwenckau bei Leipzig. Die Symbiose geometrischer Elemente dekliniert er 1922 spielerisch bei den märchenhaft-futuristischen Entwürfen für das „Triadische Ballett“ durch. „Ich bin zu modern, um Bilder zu malen“, rief er 1925 aus und kehrte doch immer wieder zur Malerei zurück.

Erbauseinandersetzungen mit langem Schatten

Schlemmer hatte sich ganz der Avantgarde verschrieben. Die Berufung zum Bauhaus wurde fast eine logische Konsequenz. Hier leitete er seit 1921 die Klasse für Wandmalerei, unterrichtete aber auch Tanz. Aber wie Feininger und Klee missfiel auch ihm die wachsende pragmatische Anbindung der Kunst an die Technik. Die Kunst stand in seinen Augen viel höher. 1929 verließ er das Bauhaus. 1937 sorgten die Nazis für seinen öffentlichen und mentalen Absturz und stempelten seine Kunst als entartet ab.

Vergessen war Oskar Schlemmer nie. Aber im jüngeren Reigen der großen Avantgardisten-Werkschauen war Schlemmer die große Lücke. Das lag nicht an der Staatsgemäldesammlung Stuttgart, die große Teile des Schlemmer-Nachlasses und Archivs beherbergen. Schlemmers Enkel Raman und dessen Mutter hatten mit Streitereien um Lizenzen, Werktreue und mit verweigerten Abdruckgenehmigungen eine „Verhinderungsmaschinerie“ in Gang gesetzt. Erst seit dem Erlöschen des Urheberrechts im letzten Jahr gehen Museen wieder bedenkenlos ans Werk.

Oskar Schlemmer:
Geländerszene

Oskar Schlemmer: "Geländerszene", 1932, Öl auf grober Leinwand, 105 x 70,5 cm, Staatsgalerie Stuttgart

Mediation soll Ausverkauf verhindern

Weiterhin im Streit liegen die Künstler-Enkel Janine und Raman Schlemmer. Seit den 1990er-Jahren hatten Raman und seine Mutter heimlich Leihgaben aus Museen abgezogen und angeblich in die Schweiz gebracht. Der Streit um das verschwundene Konvolut mündete 2008 in einer gerichtlich angeordneten Zwangsversteigerung von fast 200 Werken durch das Auktionshaus Lempertz in Köln zum Zwecke der Auflösung der Erbengemeinschaft. Bluten mussten öffentliche Museen. Das Hauptlos im bereits gedruckten Katalog ist Schlemmers „Komposition auf Rosa“. Es stammt aus dem Museum des 20. Jahrhunderts in Wien. Die Arbeit war 2008 auf 1,8 bis 2 Millionen Euro geschätzt. Wie das Handelsblatt erfuhr, hoffen beide Seiten auf dem Weg der Mediation den Verkauf doch noch zu verhindern.

So ein Schlüsselwerk wie die „Komposition auf Rosa“, die 1931 in der Schlemmer-Ausstellung der Galerie Flechtheim zu sehen war, hat der Markt schon lange nicht mehr gesehen. Der Weltrekord liegt seit vielen Jahren bei umgerechnet 2,5 Millionen Euro (alle Erlöse inkl. Aufgeld). So viel fuhr Christie´s für das Gemälde „Große Sitzendengruppe 1“ (1931) ein. In den letzen zwei Jahren bewegten sich die Spitzen-Preise im sechsstelligen Bereich. Ketterer versteigerte 2013 die Leinwand „Figur auf grauem Grund“ von 1928 für 500.000 Euro. Umgerechnet 624.000 Euro erforderte die dreiköpfige „Familie“ von 1928 aus dem ehemaligen Besitz des Schlemmer-Freundes Otto Meyer-Amden beim Schweizer Moderne-Spezialisten Kornfeld. Und mehr als das Doppelte der unteren Taxe erzielte mit ca. 725.000 Euro vor einem halben Jahr das Gemälde „Im Holzhaus“ von 1936 bei Christie´s.

„Oskar Schlemmer. Visionen einer neuen Welt“, bis 6. April 2015, Staatsgalerie Stuttgart. Der reich bebilderte Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen mit Beiträgen der Kuratorin Ina Conzen, Karin von Maur, Birgit Sonna und anderen. (299 Seiten, ISBN der dt. Ausgabe: 978-3-7774-2303-6; ISBN der engl. Ausgabe: 978-3-7774-2304-3, Museums-Preis: 29.90 Euro

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