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Paris Experiment gescheitert – Auktion anstelle Kunstmesse floppt

Wegen der Pandemie wurde die Kunstmesse „La Biennale Paris“ durch eine reine Onlineauktion ersetzt. Doch die Versteigerung mit dem Partner Christie's verfehlt den erwünschten Erfolg.
15.10.2020 - 18:14 Uhr Kommentieren
Der Momonari Kabuto stammt aus der 1. Hälfte der japanischen Edo Periode (1603-1868). Quelle: Galerie Jean-Christophe Charbonnier
Eingeliefert von der Galerie Jean-Christophe Charbonnier

Der Momonari Kabuto stammt aus der 1. Hälfte der japanischen Edo Periode (1603-1868).

(Foto: Galerie Jean-Christophe Charbonnier)

Paris Bereits vor der Sommerpause wurde bekannt, dass die Pariser Messe „La Biennale Paris“ wegen der Covid-19-Pandemie in diesem Jahr nicht stattfinden würde. Als Ersatz hatte ihr Präsident, Georges de Jonckheere mit Christie’s CEO, Guillaume Cerutti, eine Hybrid-Messe als reine Online-Auktion ausgehandelt. Doch das Format brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Nur 32 französische und zehn ausländische Händler riskierten es, 90 Lose zur Versteigerung zu geben. 60.000 „Besucher“ konsultierten vom 24. September bis 8. Oktober die von Christie's speziell erstellte Internet-Plattform und den elektronischen Katalog. Marktbeobachter mussten sich mehrfach einschalten, um die lahme Entwicklung der Gebote zu verfolgen.

Innerhalb von 15 Tagen fanden nur 20 der 90 Lose für knapp 1,5 Millionen Euro Käufer. Laut Christie's wurde ein weiteres Los zugeschlagen, allerdings unter der unteren Taxe. Das ist entsprechend der Verkaufsbedingungen von Christie's unzulässig. Die Verkaufsrate liegt bei mageren 22 Prozent. Angeblich soll die Gesamtschätzung 7 bis 10 Millionen Euro betragen haben.

Während sich das Aufgeld für die Käufer wie üblich auf 30 Prozent bezifferte, war der finanzielle Schaden für die leer ausgehenden Händler gering, da sie keine Gebühren zu bezahlen hatten. Der Image-Schaden jedoch ist beträchtlich.

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    Das extrem dürftige Ergebnis resultiert aus dem eklektischen, qualitativ unterschiedlichen Angebot. Visuell bot sich das Bild einer zweitklassigen Provinzmesse, wobei das Prinzip dieser Auktion von vornherein fragwürdig war. Man ist sich nämlich nicht sicher, ob es die Käufer schätzen, Händlerware zu ersteigern.

    Diese auf Holz gemalte „Jungfrau mit dem Kind und Papagei“ des Antwerpener Meisters der Papageien wurde durch das Musée Granet ersteigert (Ausschnitt). Quelle: Georges de Jonckheere
    Le Maître au Perroquet

    Diese auf Holz gemalte „Jungfrau mit dem Kind und Papagei“ des Antwerpener Meisters der Papageien wurde durch das Musée Granet ersteigert (Ausschnitt).

    (Foto: Georges de Jonckheere)

    Preislich günstige Stücke waren rar, da die Schätzpreise nur von den Christie's Spezialisten festgelegt wurden. Deswegen hatten etliche Händler auf die Teilnahme verzichtet.

    Letztendlich übersprangen nur vier Lose die 100.000 Euro-Hürde. Für ein Rundbild von Pieter Brueghel dem Jüngeren, einen Vogeldieb darstellend, verbuchte die einliefernde Galerie Florence de Voldère aus Paris 250.000 Euro mit Aufgeld. Ein Porträt der Mutter von Edouard Vuillard, „Frau im Inneren“, brachte der Pariser Galerie Berès 187.500 Euro ein.

    Das Musée Granet in Aix-en-Provence erwarb ein Tafelbild des Antwerpener Meisters der Papageien, „Jungfrau mit dem Kind und Papagei“, für 150.000 Euro. Das Gemälde stammte aus dem Lager von Georges de Jonckheere, dem Organisator des Debakels. Den mit 137.500 Euro bewerteten vergoldeten Bronze-Leuchter der trendigen Designerin Claude Lalanne lieferte Galerist Jean-Gabriel Mitterrand ein. Die Bremer Galerie Neuse konnte keines ihrer drei Objekte absetzen.

    Sowohl vor als auch unmittelbar nach der Auktion am 8. Oktober hörte man Kritik an diesem „kollektiven Selbstmordversuch“. Händler wie Philippe Bismuth von der Galerie des Modernes in Paris verließen umgehend den Antiquitätenhändler-Verband, der die schwächelnde Messe „La Biennale Paris“ organisiert. „Wir Galeristen setzen einen fixen Preis fest, keine variable Schätzung. Versteigern ist da kontraproduktiv“, konstatierte Bismuth. Sein Partner Vincent Amiaux sekundierte: „Warum sollen unsere Kunden 30 Prozent mehr bezahlen als bei uns in der Galerie“?

    Bertrand Gautier von der Galerie Talabardon & Gautier in Paris unterstrich, dass der Begriff der „Partnerschaft“, den Christie's online hervorhob, unzutreffend sei. „Händler und Auktionatoren ergänzen einander zwar. Sie sind aber keineswegs austauschbar“. Ein Mann mit schwarzem Humor, der anonym bleiben möchte, verkündete: „Die Messe, die „Biennale“ heißt, obwohl sie jedes Jahr stattfinden soll, wird wegen der Covid-Pandemie wieder zur Biennale“.

    Rendez-Vous mit Champagner

    Während Christie’s mit der uneinheitlichen Biennale-Auktion zu wenig absetzten konnte, lachen sich vier Galeristen im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-Près ins Fäustchen. Sie hatten zunächst erreicht, dass die Vorständin von Christie’s France, Cécile Verdier, das Datum der Internetauktion ein drittes Mal verschob. So deklarierte das Galeristenquartett den Abend des 8. Oktober zum „Champagner-Rendez-Vous“. 69 Galerien ließen die Korken knallen und beteiligten sich mit Sonderausstellungen und einer Blaskapelle für die Flaneure. Das animierte so manchen Sammler zum Kauf.

    Der Ko-Organisator des „Rendez-Vous“, Christian Deydier, verkaufte vier antike China-Stücke, Benoit Sapiro (Galerie Le Minotaure) die Hälfte der Arbeiten von Youla Chapoval und Xavier Eeckhout gab zwei Tierskulpturen ab. Lust auf Kunst besteht ganz offensichtlich.

    Mehr: Kunstmarkt: Paris überbietet sich mit Kunstmarktereignissen

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