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Porträt einer Galerie Brasilianische Galeristen machen glänzende Geschäfte trotz Lockdown

Die Galeria Nara Roesler ist auf Expansionskurs. Sammler und Museumsleute erwerben bei ihr Klassiker und Zeitgenossen aus ganz Lateinamerika.
18.02.2021 - 11:49 Uhr Kommentieren
Die Kork-Büsten einstiger Größen werden zu Pinnwänden und damit zum Symbol freier öffentlicher Rede. Quelle: Charles Roussel
Paul Ramirez Jonas‘ Skulpturen und Berna Reales Foto vom Maulkorb

Die Kork-Büsten einstiger Größen werden zu Pinnwänden und damit zum Symbol freier öffentlicher Rede.

(Foto: Charles Roussel)

New York Dass Galerien in den USA, Europa und Asien in der ersten Jahreshälfte 2020 teilweise existenzbedrohende Umsatzeinbrüche verzeichneten, haben einige Studien herausgefunden, darunter im vergangenen September der „UBS Global Art Market Report“. Doch nicht jeder Händler stimmt in den Chor der Covid-Geschädigten ein. „2020 war unser bisher erfolgreichstes Jahr“, konstatiert Daniel Roesler erfreut. Er ist Partner in der brasilianischen Galeria Nara Roesler und Chef der New Yorker Niederlassung, die er vor fünf Jahren eröffnete.

Wie überall mussten die Galerien über einen Großteil des Jahres geschlossen bleiben. „Wir installierten trotzdem Shows, die wir Sammlern durch Fotos und Filme verfügbar machten. Es war überraschend, wie sehr unsere Kunden den Kontakt suchten“, sagt Roesler im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Viele nutzten den mehrmonatigen Lockdown, um ihre Sammlungsstrategie zu überdenken und auch Neues zu erwerben. Dabei profitieren wir in Brasilien von dem über unsere lange Geschichte erworbenen Vertrauen.“ Könnte sich das wiederholen? „Ich denke, das war eine einmalige Gelegenheit.“

Nara Roesler gründete ihre Galerie im Jahr 1989. Noch heute wacht sie „als sehr jugendliche Anfang-70-Jährige“, so Sohn Daniel, über die Geschäfte. Mit rund 50 Angestellten und Niederlassungen in São Paulo und Rio de Janeiro, wo die Mehrzahl der von ihr vertretenen Künstler lebt, gehört sie zu den Großen des Landes. Mittlerweile ist der 49-jährige Roesler mit einem überwiegend südamerikanischen Programm, von Moderne bis Gegenwart, auf internationalem Expansionskurs.

Zum unerwarteten Erfolg trug 2020 auch die erste Welle der Online Viewing Rooms , kurz OVR, abgesagter internationaler Messen bei – bevor sich offenbar bei Sammlern gegen Jahresende ein allgemeiner OVR-Überdruss breitmachte.

Besonders gut lief im Frühjahr die virtuelle „Frieze New York“, auf der die Galerie Nara Roesler sämtliche angebotenen Objekte ihres kubanischen Neuzugangs Marco A. Castillo, Gründungsmitglied der bekannten Gruppe „Los Carpinteros“, verkaufen konnte. Und noch im August wurden über die virtuelle „Untitled Art Fair“ Gemälde des etablierten Brasilianers Vik Muniz restlos weitergegeben. Ohne die sonst anfallenden Reise-, Transport- und Bewirtungskosten – ein satter Gewinn für die Galerie.

Der 49-Jährige möchte Sammlern die Augen öffnen für Brasiliens ungehobene Kunstschätze. Quelle: Vicent de Paulo
Daniel Roesler

Der 49-Jährige möchte Sammlern die Augen öffnen für Brasiliens ungehobene Kunstschätze.

(Foto: Vicent de Paulo)

Mitte Januar dieses Jahres bezog die Galerie Nara Roesler, nach bescheideneren Anfängen in New York, große Erdgeschossräume auf der 21. Straße in Chelsea – direkt an der viel frequentierten Parkanlage High Line und unweit kapitaler Kollegen wie Gagosian, David Zwirner oder Hauser & Wirth, die alle mittlerweile mindestens einen südamerikanischen Künstler vertreten. 

Für Roeslers maßgeschneiderte „white box“ zeichnete „MPG Arquitetura“ verantwortlich. Das Büro machte sich in Brasilien vor allem mit luxuriösen Privatresidenzen einen Namen. Sparsam platzierte dunkle Tropenhölzer und Gruppen von berühmten Möbeln Sergio Rodrigues“ verwandeln die Galerie in eine Botschafterin brasilianischer Kultur, gleichzeitig komfortabel, kultiviert und sinnlich.

(Farbenfrohe Werke aus Brasilien bildeten den Schlussakzent bei der großen Eröffnungsschau in Chelsea (Ausschnitt). Quelle: Charles Roussel
Cristina Canale „Casa Triangulo“

(Farbenfrohe Werke aus Brasilien bildeten den Schlussakzent bei der großen Eröffnungsschau in Chelsea (Ausschnitt).

(Foto: Charles Roussel)

Die vielfältigen internationalen Aktivitäten von Nara Roesler werden neuerdings vom Senior Curatorial Director Luis Pérez-Orama verantwortet, der New Yorkern als Kurator am MoMA bestens bekannt ist. Über 14 Jahre organisierte er dort große Retrospektiven vor allem über die Moderne südamerikanischer Prägung, zuletzt 2018 zur einflussreichen brasilianischen Malerin Tarsila do Amaral. 

In „Cross-Cuts“, der ersten Ausstellungsreihe in Chelsea, galoppierte Pérez-Orama einen Monat lang in einer Tour de Force durch das weitgefächerte Programm der Galerie: Die Hängung wechselte jede Woche. Gerahmt von den wichtigen Nachlässen von Antonio Dias und der Japanisch-Brasilianerin Tomie Ohtake, konfrontierte er Werkgruppen von neun ausgewählten Künstlern in Dialogen. Abgeschlossen wurde der Einblick unter den Zeitgenossen mit den farbigen Großformaten der jungen brasilianischen Malerinnen Cristina Canale, Karin Lambrecht und Maria Klabin.

„Im Vergleich zu unseren bisherigen kleineren Räumen auf der Upper East Side sehen wir hier in Chelsea eine ganz andere Energie. Selbst in der Coronakrise suchen uns Vertreter amerikanischer Museen und wichtige Sammler auf. Wir konnten schon sehr gut verkaufen“, resümiert Daniel Roesler. „Während einige Museen noch auf Ankaufetats zurückgreifen können, unterliegen andere derzeit extremen Einschränkungen und versuchen auf kreative Weise, etwa durch Unterstützung von Sammlern oder Künstlern, ihre Ziele zu erreichen.“

Für Ende Februar bis April plant die Galerie Nara Roesler die erste US-Soloausstellung Amelia Toledos (1928 – 2017), die von Pérez-Orama in eine Reihe mit ihren bereits sehr gut erforschten Zeitgenossinnen Mira Schendel, Lygia Clark und Lygia Pape gestellt wird. Toledo experimentierte über Jahrzehnte mit ungewöhnlichen Materialien und sei „noch super erschwinglich“, meint Daniel Roesler.

Bisher sei aus dem großen Reservoir historischer und zeitgenössischer brasilianischer Künstler nur ein Bruchteil allgemein bekannt. „Wir hoffen, bei Kuratoren und Sammlern die Augen öffnen zu können.“

Mehr: Kunstmarkt: Galerist Johann König baut seine Hausmesse zur Marke aus

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