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Privatsammler Bei Ingrid und Thomas Jochheim werden Künstler zu Freunden

Die Jochheims haben in den vergangenen 40 Jahren mehr als 600 Kunstwerke gekauft – und behalten. Zu vielen Künstlern hat das Paar ein persönliches Verhältnis.
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Die Sammler neben einem Gemälde von Robert Rauschenberg, einer Skulptur von Arne Qinze, dem
Überall Kunst

Die Sammler neben einem Gemälde von Robert Rauschenberg, einer Skulptur von Arne Qinze, dem "Verpackten Reichstag" von Christo und Jeanne-Claude und einer Skulptur von Jeff Koons (v..l.n.r.)

(Foto: Macel Maffei für Handelsblatt)

RecklinghausenSie hört gar nicht mehr auf zu lächeln. Stolz geht Ingrid Jochheim mit ihrem Mann Thomas durch das Haus in Recklinghausen, zeigt ein Kunstwerk nach dem anderen. Sie sind überall. Im Garten, im Flur, im Arbeitszimmer, in der Küche, im Treppenhaus – und natürlich im Wohnzimmer.

Nicht alles ist Kunst, im Vorgarten steht ein Stück der Berliner Mauer, am Esstisch ein buntes asiatisches Holzschiff, das an eine Restaurantdekoration erinnert – und es auch ist. Aber hier ist so viel Kunst, dass es nicht verwundern würde, wenn sich das Schiff doch als Werk eines vielversprechenden Nachwuchskünstlers entpuppte.

Unter den Künstlern, deren Werke hier an der Wand hängen, auf dem Boden oder in der Vitrine stehen, sind Andy Warhol, Arne Quinze, Bernar Venet, Jan Fabre, Jonathan Meese oder Tomas Saraceno. Bevorzugte Stilrichtung: Pop-Art oder die Nouveaux Réalistes.

Diese neuen Realisten, etwa Niki de Saint Phalle, Yves Klein oder Wolf Vostell, integrierten zufällig gefundene Alltagsgegenstände in ihre Werke. Und dann sind da natürlich noch die vielen Werke von Christo und seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude.

Ingrid und Thomas Jochheim gehören zur Szene der aktiven privaten Kunstsammler in Deutschland. In diesen Kreisen tummeln sich so bekannte Kunstfreunde wie Julia Stoschek, Sabine und Hasso Plattner oder Reinhold Würth.

Ben Vautier schreibt seine Bildbotschaften. Quelle: Macel Maffei für Handelsblatt
Mit einem Augenzwinkern

Ben Vautier schreibt seine Bildbotschaften.

(Foto: Macel Maffei für Handelsblatt)

Wie viele Sammler es in Deutschland gibt und wie hoch der Wert ihrer Sammlungen ist, lässt sich kaum sagen. Nur wenige gehen an die Öffentlichkeit. Weltweit lagen die Umsätze im Kunstmarkt 2018 bei 67,4 Milliarden Dollar, berechneten die Marktforscher von Statista. Das ist der zweithöchste Wert seit 2006. 

Die Jochheims haben in den vergangenen 40 Jahren mehr als 600 Arbeiten gekauft – und behalten. Denn obwohl Thomas Jochheim kontinuierlich Auktionen verfolgt, in Katalogen stöbert und ziemlich genau weiß, welchen Wert die einzelnen Kunstwerke haben: Verkaufen wollen sie sie nicht. Das Ziel lautet besitzen, nicht investieren.

„Private Kunstsammlungen sind ein ganz wichtiger Baustein des Kunstbetriebs“, sagt Bettina Ruhrberg, Direktorin des Mönchehaus Museums in Goslar, das im vergangenen Jahr die erste Ausstellung der Sammlung Jochheim gezeigt hat. „Private Sammlungen haben auch für öffentliche Museen eine große Bedeutung, weil sie wegen der steigenden Preise am Kunstmarkt nicht mehr so viel sammeln können.“

Eine Zeit lang seien die Gastauftritte der Privaten in Museen kritisch beäugt worden, weil einige Häuser befürchteten, von den Sammlern abhängig zu werden, erklärt die Direktorin, aber davon distanziere man sich langsam wieder. Und schließlich sind auch viele öffentliche Museen aus privaten Sammlungen entstanden.

Von Museen umgarnt

Es gibt andere private Sammler, die 4.000 und mehr Kunstwerke besitzen. Die neben ihren eigenen noch andere Museen bespielen und trotzdem noch das Lager voll mit Kunst haben. Die umgarnt werden von Museumsdirektoren aus aller Welt. Aber den Jochheims geht es nicht um die Zahl der Werke. „Wir haben zu den meisten Künstlern ein persönliches Verhältnis“, erklärt Ingrid Jochheim. Das ist ihr wichtig. „Wir kaufen nur, was uns gefällt“, sagt ihr Mann und betont: „Wir haben Nouveau Réalisme und Pop-Art gekauft, als die Kunstwerke noch keine Bluechips waren.“

Der Künstler Christo (rechts) mit den Sammlern Thomas und Ingrid Jochheim im Mönchehaus Museum in Goslar. Quelle: Mönchehaus Museum Goslar
In langjähriger Freundschaft verbunden

Der Künstler Christo (rechts) mit den Sammlern Thomas und Ingrid Jochheim im Mönchehaus Museum in Goslar.

(Foto: Mönchehaus Museum Goslar)

Zu diesen Künstlerfreunden zählt der Verpackungskünstler Christo. 1995 trafen sie sich zum ersten Mal zu viert: Christo, seine Frau Jeanne-Claude, Ingrid und Thomas Jochheim. Sie hätten sich direkt gemocht, erzählt die Kunstsammlerin, auch weil sie eine ähnliche Liebesgeschichte hätten. Das Ehepaar besitzt 29 Originale von Christo und Jeanne-Claude, darunter etliche Spe‧cial Editions. Die Teilsammlung ist so umfangreich, dass sie ab März 2020 im Berliner Palais Populaire der Deutschen Bank für fünf Monate zu sehen ist.

Mit Christo und Jeanne-Claude wagten die Jochheims auch den Schritt in die Öffentlichkeit mit ihrer ersten Museumsausstellung im Mönchehaus in Goslar. Rund 5.000 Besucher kamen, um sich die Ausstellung anzusehen, das ist ordentlich für das Städtchen mit 42.000 Einwohnen.

Eine besondere Beziehung zu Christo

Goslar habe eine besondere Beziehung zu Christo, erzählt Museumsdirektorin Ruhrberg: Schon 1986 wurde der Amerikaner aus Bulgarien hier mit dem Kaiserring geehrt, einem Preis für renommierte internationale Künstler. Zudem stellte Christo gerade parallel in London seine „Mastaba“ im Hyde Park aus, eine Skulptur aus 7.500 gestapelten Ölfässern – das gab der Ausstellung in Goslar zusätzliche Aufmerksamkeit.

Aber das allein war nicht ausschlaggebend: „Das Besondere an der Sammlung ist, dass sie alle Werkperioden umfasst, angefangen in den 1960er-Jahren“, sagt Ruhrberg. „Die Jochheims sind wahnsinnig passionierte und engagierte Sammler. Sie haben eine große Verbundenheit zu den Künstlern.“

Bei dem Sammlerpaar Jochheim steht die Kunst im Wohnzimmer, im Flur, in der Küche, im Treppenhaus. Quelle: Macel Maffei für Handelsblatt
Viele Objekte, viele Reize

Bei dem Sammlerpaar Jochheim steht die Kunst im Wohnzimmer, im Flur, in der Küche, im Treppenhaus.

(Foto: Macel Maffei für Handelsblatt)

Thomas Jochheim, 69, hat lange den Heim‧tierfutterhersteller Pitty geführt, den seine Schwiegereltern gegründet hatten. 2005 gab er die ‧Geschäftsführung ab. Langweilig ist ihm seitdem jedoch keineswegs, mit Eifer reist er mit seiner Frau, 66, um die Welt – von Ausstellung zu Messen, von Indien nach Italien. Viel zu Hause sind sie nicht. Doch wenn sie da sind, leben sie mit ihrer Kunst.

So gerne die Jochheims ihre Kunstwerke dem Museum geliehen hatten, so sehr freuten sie sich dann, als sie wieder nach Hause kamen. „Das ist ein bisschen, als wenn man ein Kind ziehen lässt“, sagt Thomas Jochheim. „Wir haben uns wahnsinnig gefreut, als sie wiederkamen.“

Nicht nur ihr Haus in Recklinghausen ist bis unters Dach mit Kunst bestückt, sondern auch ihre Wohnung in Berlin. Und in diese laden sie gerne Menschen ein, um ihnen die Kunst zu zeigen und mit ihnen darüber zu diskutieren.

Mehr: Die Galerie Zink zog von Berlin in die Oberpfalz. Nun nutzt sie Instagram, um Kontakt zu ihren Kunden zu halten.

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