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Prozess in Monaco Der Sieg ist klein, der Schaden groß

Yves Bouvier hat vor dem Gericht in Monaco recht bekommen. Doch die vielen anderen Klagen und Verfahren haben sein Geschäftsmodell in Mitleidenschaft gezogen.
09.07.2020 - 16:28 Uhr Kommentieren
Hierhin zog der Multimilliardär Dmitry Rybolowlew. Hier ließ der Oligarch seinen Kunsthändler vorübergehend inhaftieren. Quelle: ddp images
Monaco

Hierhin zog der Multimilliardär Dmitry Rybolowlew. Hier ließ der Oligarch seinen Kunsthändler vorübergehend inhaftieren.

(Foto: ddp images)

Paris Es ist ein Sieg, doch keiner, der nur Freude aufkommen lässt. Das monegassische Kassationsgericht befand am Mittwoch, den 8. Juli 2020 die Klage gegen Yves Bouvier für null und nichtig. Der frühere Kunstspediteur und -händler Bouvier war von seinem Ex-Kunden wegen Betrugs und Geldwäsche verklagt worden.

Bouvier vermittelte dem russischen Oligarchen Dmitry Rybolowlew von 2003 bis 2015 38 Meisterwerke der Malerei, Skulptur sowie Mobiliar aus ehemals königlichem Besitz höchst diskret für insgesamt knapp zwei Milliarden Schweizer Franken. Rybolowlews Vorwurf: Bouvier habe ihn um rund eine Milliarde Dollar betrogen, weil er exorbitante Margen kassierte.

Das aktuelle Urteil bestätigt den Entscheid des Berufungsgerichts Monaco von Dezember 2019. Es geht aber auf den Betrugsvorwurf nicht ein. Durch seine Versuche, die Justiz zu bestechen, habe sich Rybolowlew kompromittiert. Doch der Sieg vor Gericht ist für Yves Bouvier kein echter, sind doch seine Geschäfte schwer angeschlagen.

Rückblende: Die meisten Transaktionen hatten in Genf stattgefunden, wo der Russe Rybolowlew mit seiner Familie wohnte. Im Zuge seiner Scheidung zog er nach Monaco. Dort wurde er Haupteigentümer des Fußballklubs AS Monaco, dessen Restanteile Fürst Albert II. gehören. Der smarte Oligarch hatte unter anderem das Gemälde „Salvator Mundi“, vielleicht von Leonardo da Vinci gemalt, für 127,5 Millionen Dollar bei Bouvier erworben. Christie’s konnte das Tafelbild dann, wie bekannt, im November 2017 zum Weltrekordpreis von 450,3 Millionen Dollar zuschlagen. Satter Gewinn für Rybolowlew.

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    Rybolowlew ist mit einem geschätzten Vermögen von 6,6 Milliarden Dollar Nummer 224 der weltweit reichsten Menschen. Normalerweise hätte er Milliardenbeträge an seine Exfrau abgeben müssen; er traf aber schließlich ein Abkommen mit ihr. Laut Yves Bouviers Anwalt David Bitton wollte der Oligarch mit der Klage gegen zu hohe Margen jedoch bloß den „Wert seiner Sammlung im Rahmen seiner Scheidung künstlich mindern“. Rybolowlews Anwalt Hervé Temime konterte, dass die Klagen „gegen Herrn Bouvier auf klaren, zwingenden Evidenzen wegen seines Multimillionenbetrugs beruhen“.

    Monacos Richter bewerten Rybolowlews Bestechungsversuche, die die Klagewelle initiierten, hoch: Die Polizisten, die Bouvier 2015 in Monte Carlo festgenommen hatten, hielten mit der Anwältin des Russen laufend per SMS Kontakt. Der Untersuchungsrichter, der dieses „Monacogate“ platzen ließ, klagte zwei Polizisten, Rybolowlews Anwältin, den monegassischen Justizminister wie auch den Oligarchen selbst an.

    Beiden gehört der Fußballclub von Monaco. Quelle: Getty Images Sport/Getty Images
    Dmitry Rybolowlew (l.) und Fürst Albert II.

    Beiden gehört der Fußballclub von Monaco.

    (Foto: Getty Images Sport/Getty Images)

    Frecherweise, so meint man im Fürstentum, befragte der junge Richter Fürst Albert II. höchstpersönlich und schriftlich über sein Verhältnis zum Hauptaktionär des Fußballklubs. Die Nachforschungen des Richters wurden im Juni dieses Jahres in einer Fernsehsendung rekonstruiert, die gerichtliche Folgen haben könnte.

    Unter anderem, weil der Anwalt eines der angeklagten Polizisten, Eric Dupond-Moretti, seinem Mandanten dazu riet, die französische Justizministerin um eine Untersuchung gegen den Richter zu bitten. Pikanterweise wurde der Anwalt Dupond-Moretti am letzten Montag französischer Justizminister. Auf die vor Wochen geäußerte Bitte um ein Statement bekam das Handelsblatt keine Antwort.

    Unternehmen müssen verkauft werden

    Nun ist der Schweizer Geschäftsmann Yves Bouvier zwar nicht mehr in Monaco angeklagt. Aber weitere Klagen laufen gegen ihn in Genf wegen angenommener Steuerhinterziehung von angeblich 160 Millionen Schweizer Franken. Bouvier ist seit 2008 in Singapur gemeldet, die Schweizer Finanzbehörden finden jedoch, er sei im Lande steuerpflichtig. Ferner klagt Rybolowlew weiterhin beim Genfer Strafgericht wegen Betrugs. Darüber hinaus prozessiert der Russe in New York gegen Sotheby’s und Bouvier wegen vermutlich illegaler Preisabsprachen mit einem Angestellten.

    Die Klagen und der daraus resultierende Geschäftsrückgang des Schweizer Händlers führten dazu, dass dieser ein Unternehmen nach dem anderen verkaufen muss.

    Der Beklagte hat Freihäfen, die nicht laufen. Quelle: Jerome CHATIN/EXPANSION-REA/laif
    Yves Bouvier

    Der Beklagte hat Freihäfen, die nicht laufen.

    (Foto: Jerome CHATIN/EXPANSION-REA/laif)

    Seine ererbte Genfer Transportfirma Natural Le Coultre trat Bouvier 2017 einem Konkurrenten ab. Das Unternehmen ist immer noch Hauptmieter des Genfer Zollfreihafens, der zu 85 Prozent dem Staat gehört. Bouviers Holding ist mit fünf Prozent beteiligt, übt aber keine aktive Funktion im Freihafen aus, wie Yves Bouvier dem Handelsblatt auf Anfrage erklärt. Mit seinen 150 000 Quadratmetern Lagerfläche, wo die wertvollsten Kunstwerke, Weine und andere Luxusgüter eingelagert sind, diente der Freeport dem ambitionierten Geschäftsmann als weltweites Businessmodell.

    Bouvier überzeugte die Regierung in Singapur, um einen technisch und ästhetisch hochmodernen, abgesicherten Zollfreihafen neben dem Flughafen erbauen zu können, den er zum Großteil über seine Holdings finanzierte. Den minimal kleinen Regierungsanteil hätte er später aufgekauft, schrieb er dem Handelsblatt per Mail. Überdies beteiligte er sich an Galerien in Singapur. Auch förderte er die Kunstmesse „Art Stage Singapore“, um im ostasiatischen Raum ein neues Kunstmarktzentrum zu kreieren.

    Nicht ausgelastetes Kunstlager

    Unerbittlich klagte sein Gegner Rybolowlew auch in Singapur, wo sich das Gericht schließlich 2017 als nicht zuständig erklärte und die Kontrahenten nach Genf verwies. Bouviers Kunstmarktvision ließ sich nicht realisieren. Im Gegenteil: Der als „Fort Knox“ bezeichnete Freeport in Singapur steht seit zwei Jahren zum Verkauf. Ein Singapurer Konsortium unterzeichnete den Vorvertrag, bezahlte jedoch nicht. Bouvier klagt seit Monaten in Singapur um den Kaufpreis von kolportierten 60 Millionen US-Dollar.

    Und auch Yves Bouviers zweiter Privat-Zollfreihafen, „The Freeport Luxembourg“ läuft nicht so wie prognostiziert. Das Kunstlager, das auch Galerieräume für diskrete Verkäufe bereit hält, war seit seiner Eröffnung 2014 nie ausgelastet. Es hat laut Luxemburger Presseberichten Schulden im zweistelligen Millionenbereich.

    Die Luxemburger Regierung würde den Konkurs des Freeports unter einer Bedingung nicht als Rufschädigung für das Fürstentum sehen, verkündete der Luxemburger Finanzminister Pierre Gramegna kürzlich. Dazu müsste sich Hauptaktionär Yves Bouvier als zahlungsunfähig erweisen.

    Mehr: Oligarchen-Krimi im Steuerparadies: Kunsthändler Yves Bouvier mit Etappensieg vor Gericht

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