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Sammlerporträt Bei Joëlle und Eric Romba ist die Kunst fröhliche Mitbewohnerin

Die Privatsammler Joëlle und Eric Romba pflegen einen nonchalanten Umgang mit der Kunst. Das Paar sammelt keine Trophäen, sondern Lebensbegleiter.
  • Daghild Bartels
03.12.2020 - 15:23 Uhr Kommentieren
Joëlle und Eric Romba in der Küche vor Arbeiten von José Dávila und Ida Eckblad sowie zwei Streifenbildern von Philipp Decrauzat (v.l.). Quelle: Kerstin Müller für Handelsblatt
Das Sammlerehepaar

Joëlle und Eric Romba in der Küche vor Arbeiten von José Dávila und Ida Eckblad sowie zwei Streifenbildern von Philipp Decrauzat (v.l.).

(Foto: Kerstin Müller für Handelsblatt)

Berlin Ein festes Budget haben wir nicht. Wir kaufen immer, ob wir Geld haben oder nicht. Denn die Leute kennen uns, wissen, dass wir vertrauenswürdig sind und dann in Raten zahlen, pünktlich“, sagt Joëlle Romba. So sprechen Leute, die ohne Kunst nicht leben können. Man könnte Joëlle und Eric Romba als süchtige Sammler bezeichnen, als jene Spezies, die Walter Benjamin als die leidenschaftlichsten Menschen der Welt bezeichnet.

Ein Besuch in ihrem Haus in Berlin liefert den klaren Beweis. Von oben bis unten, im Entree, im Treppenhaus, in Küche, Bad, Kinderzimmer, im Wohnzimmer sowieso – überall trifft man auf Kunst. Ausbeute einer fast fanatischen Sammeltätigkeit, ergänzt durch ausgesuchte Designerstücke – spektakulär beispielsweise die marokkanischen Teppiche der 1950er- und 1960er-Jahre in den Kinderzimmern der beiden kleinen Töchter. Der Rundgang hier wird zum Erlebnis.

„Als Offenbarung“ empfand Nathalie Hoyos den Besuch im Hause Romba. Die Kuratorin von „Office for Art“, einem Berliner Büro, das Sammler berät, Ausstellungen macht und die Art Collection der Telekom betreut, schwärmte: „Hier passiert Sammeln als Obsession, gepaart mit souveräner Lässigkeit. Man merkt sofort, hier ist Kunst unverzichtbarer Teil des Alltags. Und das ist eine große Qualität, der man in der Form nicht so oft begegnet.“

Der Besuch einer Privatsammlung im privaten Ambiente hat immer einen besonderen Appeal. Man sieht, wie anders Kunst jenseits der weißen Räume eines Museums oder einer Galerie wirkt. Bei den Rombas mutiert die Kunst zum Mitbewohner. Hier hat der Umgang mit Kunst etwas Selbstverständliches, Nonchalantes. Denn die vielen Positionen kommen nicht als heroische Trophäen daher, als eitle Statussymbole, eher als fortlaufendes, stimmiges Narrativ, das sich mitteilen will. Und auch etwas über die Sammler erzählt.

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    Im Kaminzimmer steht ein Sessel von Charles und Ray Eames, auf dem Kamin eine zweiteilige Arbeit von Felix Kiessling. Quelle: Kerstin Müller für Handelsblatt
    Zuhause mit Kunst und Design

    Im Kaminzimmer steht ein Sessel von Charles und Ray Eames, auf dem Kamin eine zweiteilige Arbeit von Felix Kiessling.

    (Foto: Kerstin Müller für Handelsblatt)

    Joëlle, Jahrgang 1970, und Eric Romba, Jahrgang 1972, erzählen gern und mit sichtlicher Freude, wie, wann und warum sie Kunst kaufen. Wir sitzen in der Küche, wo unter anderem eine kleine Arbeit von Gerold Miller auf uns schaut, auf der Wand gegenüber irritiert ein großes schwarzweißes Op Art-Bild vom Lausanner Künstler Philipp Decrauzat die Sinne.

    Seit sie sich kennen, erzählt das Paar stolz, erwerben sie Kunst, in Galerien, auf Messen oder auf Auktionen. Fällt ihnen ein bislang unbekannter Künstler ins Auge, recherchieren sie, um mehr über ihn zu erfahren. In der Regel entscheiden sie dann gemeinsam.

    Auch Videos und Skulpturen sind vertreten

    Wenn nur einer von beiden etwas unbedingt will, muss er es allein bezahlen. „Kommt aber selten vor, Konflikte gibt es keine“, versichern sie. Und betonen, keine Angst zu haben vor einem Medium: Malerei, Papierarbeiten, Fotos, Videos und Skulpturen – alle künstlerischen Medien haben es in ihre Kollektion geschafft.

    Das Faible für Kunst kommt nicht von ungefähr, Joëlle ist Kunsthistorikerin und hatte in ihrer beruflichen Tätigkeit immer mit Kunst zu tun. Heute ist sie Direktorin der Berliner Sotheby’s-Niederlassung, Eric ist Jurist und ließ sich von ihr begeistern.
    Das Konzept musste sich entwickeln

    Blick ins Schlafzimmer (l.) mit Werken von Imre Bak und Kiko Perez. Quelle: Kerstin Müller für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für Bak und Perez
    Minimalismus, Konzeptkunst, Op Art und Design prägen die Romba-Sammlung

    Blick ins Schlafzimmer (l.) mit Werken von Imre Bak und Kiko Perez.

    (Foto: Kerstin Müller für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für Bak und Perez)

    Als das Ehepaar Romba zu sammeln begann, gab es kein Konzept; sie kauften hier und da, was ihnen gefiel. Nach einiger Zeit stellten sie fest, dass es bei den inzwischen rund 250 Werken durchaus Überschneidungen, Wahlverwandtschaften zwischen den erworbenen Werken gab – Minimalismus, Konzeptkunst, Op Art und Architektur, Gemeinsamkeiten, die sich als „Weiterdenken historischer Vorbilder“ definieren ließen. Diese Linie wollen sie weiterverfolgen, um ihre Künstlermannschaft zu ergänzen.

    Bisher treffen Jung und Alt, Prominenz und Aufstrebende konfliktfrei aufeinander, etwa Albrecht Schnider, Nan Goldin, Noa Gur, Charlotte Posenenske, Yelena Popova, Ida Eckblad, Gitte Schäfer, Meredyth Sparks, Tatjana Doll, Haleh Redjaian, Shanon Finley und, und, und ...

    Nicht mehr als 40 Künstler

    „Aber“, wirft Eric ein, „wir halten es mit dem Chicagoer Sammler Steven Edlis, der in einem Film sagt: ‚Du kannst nicht mehr als 40 Aktien beobachten.‘ So halten wir es auch mit Künstlern: nicht mehr als 40, wir wollen eher in die Tiefe sammeln.“ Dennoch haben beide – je unterschiedliche – Wunschlisten. Joëlle – Achtung, Galeristen, aufgepasst! – möchte gern noch eine Arbeit von Matti Braun, ferner stehen auch Thilo Heinzmann, Tauba Auerbach oder ein Faltbild von Wolfgang Tillmans auf ihrer Liste.

    Eric hat seine Liste permanent griffbereit auf dem Handy; an oberster Stelle rangiert dort eine Arbeit der 2015 verstorbenen Carol Rama. Sehnsuchtsobjekt von beiden ist ein Gemälde der Autodidaktin Carmen Herrera. Einst sahen sie einige. Doch die Galeristin erklärte ihnen, die Gemälde dürfe sie auf Wunsch der Künstlerin nur an Institutionen verkaufen. So erwarben sie eine zwar wunderschöne Papierarbeit, doch das Gemälde steht weiterhin auf der Wunschliste.

    Bei solch umtriebigen Kunstfreunden bleiben persönliche Kontakte zu Künstlern nicht aus, aber, das betonen beide, „wir suchen sie nicht. Das kann prekär sein und das Werk entmythisieren.“ Sie erinnern sich, dass sie einmal ein Bild kaufen wollten. Als sie den Künstler kennenlernten, war er ihnen höchst unsympathisch, sie nahmen vom Kauf Abstand. „Ohne persönlichen Kontakt ist man freier“, bilanzieren beide. Andererseits sind sie mit Künstlern befreundet, die nicht in ihrer Sammlung vertreten sind.

    Die Sammlung ist immer Joëlles und Erics gemeinsames Projekt, dem sie sich mit viel Engagement und Enthusiasmus widmen. Ein weiteres gemeinsames Projekt ist die Rocca Stiftung. Wie viele ernsthafte Sammler fragten sie sich: Wie gehen wir langfristig mit der Sammlung um? Denn, so ihre Überzeugung, „Kunst gehört dir nicht allein, soll publik werden, öffentlich gezeigt werden“. Daher gründeten sie 2011 die Stiftung „Romba Collection of Contemporary Art“.

    Unterstützung junger Künstler

    Der Name korrespondiert zufällig auch mit dem Namen einer heiß geliebten Villa in der Nähe von Vicenza. Sinn der Stiftung ist es, junge Künstler zu unterstützen, etwa bei Katalogen oder bei Projekten. Falls sie einmal eine Arbeit verkaufen, geht der Erlös in die Stiftung.

    Im lebhaften Gespräch wird schnell klar: Hier engagieren sich zwei mit vollem Elan für die Kunst. Ihre Sammlung zu erklären, zu zeigen, macht ihnen spürbar Freude. Deshalb öffnen sie ihr Haus auch für andere Kunstfreunde. Nach Anmeldung unter [email protected]

    Mehr: Sammlerporträt: Dem Surrealismus auf der Spur

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