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Schweizer Künstler Ferdinand Hodler Der malende Stratege

Wenn die Signatur extra kostet: Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt, wie der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler mit unternehmerischem Denken seine Karriere vorantrieb. Sogar der Eklat wurde für ihn Mittel zum Zweck.
05.11.2017 - 11:20 Uhr Kommentieren
Deutlich wird auf diesem Landschaftsgemälde der Wille zur Abstraktion und zum Ornament. Quelle: Kunstmuseum Bern, Schweiz
Ferdinand Hodler „Thunersee von Leissigen aus“ (1904)

Deutlich wird auf diesem Landschaftsgemälde der Wille zur Abstraktion und zum Ornament.

(Foto: Kunstmuseum Bern, Schweiz )

Bonn Fünfhundert Schweizer Franken verlangte Ferdinand Hodler (1853–1918) für eine Signatur. Ob der Sammler Willy Russ-Young bei dieser Forderung mit den Wimpern zuckte, ist nicht überliefert. Der Inhaber der Neuenburger Schokoladenfabrik Suchard hatte den Schweizer Maler bereits in jungen Jahren entdeckt. Nun wurden ihm von dem Künstler mehrere Landschaftsbilder in Aussicht gestellt, von denen wohl nicht alle – wie bei Hodler üblich – signiert waren. Der Maler stand damals mit 63 Jahren schon am Ende einer erstaunlichen Karriere.

Hodler, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, zählte zu den erfolgreichsten Künstlern seiner Zeit. Doch gerade einmal zwei Jahre war es her, dass man ihn in Deutschland einfach abgehängt hatte. „Hodler wurde zur Persona non grata“, so formuliert es Rein Wolfs, Direktor der Bundeskunsthalle in Bonn, Schauplatz einer umfangreichen Werkschau, die erstmals ein Licht auf den strategisch und unternehmerisch denkenden Künstler wirft.

Im September 1914 hatte der Künstler eine Protestnote gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims durch deutsche Artillerie unterzeichnet und wurde prompt aus allen deutschen Künstlervereinigungen ausgeschlossen. Das Wallraf-Richartz-Museum entfernte ein Bildnis aus der Ausstellung, und die Universität von Jena ließ sein monumentales Wandbild vorübergehend hinter einer Bretterwand verschwinden.

Ausgerechnet ein Schweizer Künstler wurde damit beauftragt, die deutsche Selbstbehauptung im Freiheitskrieg gegen Napoleon zu verewigen. Das Wandbild entstand 1908. Quelle: Friedrich Schiller-Universität Jena
Ferdinand Hodler „Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“

Ausgerechnet ein Schweizer Künstler wurde damit beauftragt, die deutsche Selbstbehauptung im Freiheitskrieg gegen Napoleon zu verewigen. Das Wandbild entstand 1908.

(Foto: Friedrich Schiller-Universität Jena)

Nun hängt das fünfeinhalb Meter breite Bild in Bonn und fällt hier schon von Weitem sofort ins Auge, da die zentrale, hohe Halle nicht durch eine kleinteilige Ausstellungsarchitektur parzelliert wurde. Man sieht die hintereinander im Gleichschritt marschierenden Soldatenpaare auf der oberen Bildhälfte und fühlt schlagartig die Aktualität dieser Darstellung. So ähnlich müssen Betrachter an den Vorabenden des Ersten und des Zweiten Weltkriegs empfunden haben, wenn sie vor dem schon 1908 entstandenen „Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“ standen.

Dass ausgerechnet ein Schweizer Künstler damit beauftragt wurde, die deutsche Selbstbehauptung im Freiheitskrieg gegen Napoleon zu verewigen, hatte viel mit dem Charakter des Künstlers zu tun. Hodler war eigensinnig, geschäftstüchtig und ein Stratege. Gezielt bevorzugte er große Bildformate wegen ihrer außerordentlichen Wirkung und großflächige Figuren mit klaren Konturen. Aus der Distanz sollten sie sichtbar sein. Reduktion und Vereinfachung lagen im Trend.

Ziemlich schnell fand der Maler heraus, welche Verkaufsstrategien er anwenden musste, um ein nationales und internationales Publikum zu erreichen und zu Bildkäufen zu bewegen. Fleißig beschickte Hodler nationale, später internationale Wettbewerbe, um sich bekannt zu machen und lernte die karrierefördernde Wirkung von Eklats kennen. Leider konnte sein diesbezüglich berüchtigtes Hauptwerk, „Die Nacht“ (1889/90), aus konservatorischen Gründen die Reise nach Bonn nicht antreten.

Der Künstler stellte sich bewusst mit weit geöffnetem Blick dar. Quelle: Kunstmuseum Winterthur, Schweizer. Inst. f. Kunstwis., J.-P. Kuhn
Ferdinand Hodler „Selbstbildnis“ (1912)

Der Künstler stellte sich bewusst mit weit geöffnetem Blick dar.

(Foto: Kunstmuseum Winterthur, Schweizer. Inst. f. Kunstwis., J.-P. Kuhn)

Dreh- und Angelpunkt war das Netzwerk zu Sammlern und Vermittlern, das er sich im Verlauf seiner Karriere aufbaute. Er malte ihre Porträts, wurde weitergereicht, mit Aufträgen bedacht und gesammelt; etwa von dem Solothurner Papierfabrikanten Oscar Miller, der bei ihm das Bildnis „Bezauberter Knabe“ erwarb, für den Hodlers Sohn Hector Modell gestanden hatte (heute im Städel Frankfurt).

Mit ihrer akkumulierenden Anordnung zentraler Bildthemen lehrt die Bonner Ausstellung, dass Hodler seine Zielgruppe nie aus den Augen verlor. Sujets und Gattungen, die von Sammlern und den Händlern begehrt wurden, malte er immer wieder, ab 1904 auch in Serie. Monet hatte es mit seinen Heuhaufen und Pappeln vorexerziert. So entstand in zahlreichen Fassungen der „Thunersee mit Stockhornkette“ oder der „Genfersee von Chexbres aus“, für dessen 1904 gemalte Variante 2011 bei Sotheby’s in Zürich 7,1 Millionen Schweizer Franken flossen. Diese Landschaften, von denen einige Exponate aus der Sammlung des Schweizer Unternehmers und nationalkonservativen Politikers Christoph Blocher entliehen wurden, gehören noch heute zu den höchstbezahlten Motiven in Hodlers Werk.

Eingang in deutsche Sammlungen fand der Schweizer zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem durch die Ausstellungen der Künstlervereinigung Berliner Secessionisten. Gründungsmitglied Max Liebermann war sein Fürsprecher. Der eigentliche Katalysator für Hodlers außerordentlichen Erfolg auf dem deutschen Kunstmarkt aber waren Galeristen, allen voran Paul Cassirer.

„Ferdinand Hodler. Maler der frühen Moderne“, bis 28.1.2018 in der Bundeskunsthalle Bonn. Kat. 49,90 Euro

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