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Sensationskünstler Affentheater: Wie Banksy das britische Parlament auf die Schippe nimmt

Genau zum richtigen Zeitpunkt wird ein Banksy-Werk versteigert: Es zieht das britische Unterhaus ins Lächerliche. Aber ist das Bild wirklich authentisch?
26.09.2019 - 13:15 Uhr Kommentieren
Satire auf das Unterhaus. Quelle: Sotheby's
„Devolved Parliament“ von Banksy

Satire auf das Unterhaus.

(Foto: Sotheby's)

London Was für eine Klatsche für Premierminister Boris Johnson und seinen Versuch, die ungeschriebene Verfassung zu missbrauchen. Großbritanniens höchstes Gericht hat diese Woche bestimmt, dass die von Johnson verfügte Suspendierung der Parlamentarier nicht gesetzmäßig war. Ein historisches Gerichtsurteil, in dem es um die Grundfesten britischer Gewaltenteilung und Demokratie geht.

Dem britischen Parlament kommt im Brexit-Chaos eine besondere Rolle zu. Als Unterhaus, in dem die von der Bevölkerung gewählten Repräsentanten Gesetze erlassen und die Regierung zur Rechenschaft ziehen, agiert es in vielen Bereichen antiquiert. Das theatralische Spektakel der Debatten vor dem uralten Mobiliar amüsiert bisweilen Außenstehende. Das passende Bild dazu kommt vom ehemaligen Sprayer Banksy.

Schon 2009 hat der Sensationskünstler eine lebhafte Parlamentssitzung gemalt – mit den Mittel der Parodie. „Question Time” hieß die erste Version. In die akribisch gepinselte Architekturdarstellung des Sitzungssaales setzte er debattierende oder gelangweilte Schimpansen. Politik als Affentheater — eine herbe Systemkritik, die schon 2009, als das Bild in Bristol, der Heimatstadt von Banksy, ausgestellt wurde, zu großem Besucherandrang führte.

Diese bittere Satire hat in einem Land, das seit drei Jahren im politischen Chaos taumelt, nicht nur künstlerische, sondern auch politische Relevanz. So tauchte das Bild, das sich angeblich seit 2011 in Privatbesitz befindet, im März 2019 wieder in Bristol auf, um im Museum den Brexit-Termin zu markieren.

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    Im Frühjahr fiel keinem Betrachter auf, dass das Bild ganz anders als 2009 aussieht. Neben subtilen Änderungen im Arrangement und der Haltung der Affen verbreiten die Deckenleuchter nicht mehr goldenen Glanz sondern Düsternis. Ist es übermalt? Oder eine zweite Version? Diese Fragen sind brisant, da das Bild jetzt unter dem neuen Titel „Devolved Parliament“ ab Samstag bei Sotheby’s in London ausgestellt wird.

    In der Abendauktion für zeitgenössische Kunst vom 3. Oktober wird es während der „Frieze“ nach viel Medienrummel versteigert. Dass es trotz der vorsichtigen Schätzung von 1,5 bis zwei Millionen Pfund einen Rekordpreis einspielen soll, ist bei so viel Aktualität erwartbar. Vor genau einem Jahr erzielte das „Girl with Balloon“ eine Millionen Pfund. Obwohl es unter Alarmklingeln geräuschvoll aus dem Rahmen herausschredderte und dabei zur Hälfte zerschnitten wurde.

    Wen hält der Künstler zum Affen?

    Nicht nur das Museum in Bristol, auch Sotheby’s erwähnte im originalen Katalogeintrag die Veränderungen im Bild nicht. Es war die New York Times, die sie öffentlich machten. Die aktualisierte Onlineversion spricht nun von einer Überarbeitung. Aber ist das Bild wirklich authentisch? Kann man der Zertifizierung von Bankys eigener Firma „Pest Control“ vertrauen? Und würde das Käufer überhaupt kümmern?

    In dieser Version des Bildes erstrahlen im Parlament noch die Deckenleuchter. In vielen Details finden sich Unterschiede. Quelle: Sotheby's
    „Question Time” von Banksy (2009)

    In dieser Version des Bildes erstrahlen im Parlament noch die Deckenleuchter. In vielen Details finden sich Unterschiede.

    (Foto: Sotheby's)

    Ist die Terminierung des Bildes politisch bestimmt und will Banksy als Provokateur der britischen Demokratie ihr Spiegelbild vorhalten? Als das Bild im März ausgestellt wurde, kommentierte Banksy über sein Instagram-Konto, dem 6,4 Millionen Menschen folgen: „Das machte ich vor 10 Jahren. Das Museum in Bristol stellt es wieder aus, um den Brexit-Tag zu begehen. Lacht jetzt, aber eines Tages wird wirklich niemand mehr die Macht innehaben“.

    Oder versucht einfach der Sammler ein Werk auf den Markt zu werfen, das wie kein anderes die politische Stimmung einfängt? Spielt Banksy mit dem Markt spielt oder müssen sich auch seine Arbeiten den Marktgesetzen unterwerfen? Das Urteil steht wieder einmal aus. Sind vielleicht eher wir die Affen, die dem sogenannten Guerillakünstler blind hinterherrennen? Oder fällt dem Marketinggenie Banksy bis zur Auktion noch etwas Neues ein?

    Mehr: Graffiti-Sprayer finden in der Öffentlichkeit selten Anerkennung. Als Kunst werden ihre Bilder, Nachrichten und Zeichnungen in den wenigsten Fällen betrachtet. Auf einen trifft das jedoch nicht zu: auf Banksy.

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