Slowenische Band in Nordkorea „Unsere Absichten sind rein“

Die Band Laibach soll in Nordkorea auftreten. Die Wahl lässt viele aufhorchen, denn die Musiker spielen mit faschistischer Symbolik. Doch ob es tatsächlich zu dem Auftritt kommt, ist alles andere als gewiss.
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Pjöngjang feiert ohne Kim Jong Un
huGO-BildID: 39701559 North Korean military personnel march as they visit the statues of late leaders, Kim Il Sung, left, and Kim Jong Il on Mansudae
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Sie sollen die großen Ikonen des nordkoreanischen Volkes sein: die ehemaligen Führer des kommunistischen Regimes, Kim Il Sung (linke Statue) und sein Sohn Kim Jong Il.

North Koreans visit the statues of late North Korean leaders Kim Il Sung and Kim Jong Il at Mansudae in Pyongyan
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Zum 69. Jahrestag der Gründung der herrschenden Arbeiterpartei marschiert nordkoreanisches Militär vor den übergroßen Denkmälern der Ex-Parteiführer auf, doch auch andere geladene Gäste huldigen in feierlichem Aufzug der Führer, die Nordkoreas Weg in die Isolation in den vergangenen Jahrzehnten forciert haben.

huGO-BildID: 39701660 North Koreans visit the statues of late leaders, Kim Il Sung and Kim Jong Il on Mansudae to mark the 69th anniversary of the fo
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Die Ehrerbietung vor den Statuen der Ex-Diktator hat Tradition, das Leben in der Hauptstadt Pjöngjang richtet sich am 10. Oktober nach der Zeremonie aus. Nur eine wichtige Persönlichkeit fehlte am 10.Oktober 2014 – genau genommen: die wichtigste Persönlichkeit des Landes...

huGO-BildID: 39702999 (FILES) This file picture taken by North Korea's official Korean Central News Agency (KCNA) on October 10, 2013 shows Nort
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Der heutige Parteiführer Kim Jong Un überraschte durch seine Abwesenheit – im vergangenen Jahr führte er, wie hier zu sehen ist, die Zeremonie zu Ehren seines Vaters Kim Jong Il und seines Großvaters Kim Il Sung wie selbstverständlich an. Laut Insiderberichten soll sich der übergewichtige Staatschef bei einer Militärübung einen Bänderriss zugezogen haben. Das könnte der Grund dafür sein, dass sich der vermutlich 31-Jährige seit mehr als einem Monat nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt hat.

Hwang Pyong So, Choe Ryong Ha,Chun Hong-won, Kim Kwan-jin
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An den diesjährigen Zeremonien nahm anstelle Kim Jong Uns die faktische Nummer zwei der nordkoreanischen Staatshierarchie, Hwang Pyong So (Mitte, grüne Uniform), teil. Der Chef der nationalen Verteidigungskommission vertrat den Parteiführer auch schon als offizieller Repräsentant bei den Asienspielen im südkoreanischen Incheon Anfang des Monats. Die Gespräche, die am Rande des Sport-Events stattfanden, galten als erstes Annäherungszeichen zwischen den beiden Ländern auf spitzenpolitischer Ebene seit mehr als fünf Jahren.

North Koreans offer flowers as they visit the statues of North Korean late leaders Kim Il Sung and Kim Jong Il at Mansudae in Pyongyang
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Während einige Beobachter die Reise Hwang Pyong Sos als Verwirrungsmanöver sehen, glauben andere, dass Kim Jong Un tatsächlich aus der Isolation und der Abhängigkeit vom alleinigen Verbündeten China heraus will. Möglicherweise fühlt sich der Parteichef, dessen Land zuletzt für neuerliche Aktivitäten im Bereich der zivilen und militärischen Atomkraft kritisiert wurde, nicht mehr in der Lage, sich gegen die ganze Welt zu stellen. Die offiziellen Stellen versuchten am Feiertag jedoch, jeden Eindruck der Schwäche ihres politischen Führers zu vermeiden. Am Mausoleum für Kim Il Sung und Kim Jong Il, dem Kumsusan-Palast, wurde Kim Jong Un mit Blumen geehrt.

huGO-BildID: 39701703 North Koreans offer flowers in front of the statues of late leaders, Kim Il Sung and Kim Jong Il on Mansudae to mark the 69th a
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De facto ändert sich für die Bevölkerung durch die Abwesenheit des Herrschers ohnehin erstmal nichts. Eine Diskussion über dessen Führungsstärke darf es in der Öffentlichkeit nicht geben und so findet sie auch nicht statt. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA hält Informationen über den Zustand des Machthabers weitgehend zurück.

Seoul, Oslo, LjubljanaKaum ein Land weltweit ist so von der Außenwelt abgeschottet wie Nordkorea – auch musikalisch. Selbst die Songs einheimischer Popbands unterliegen staatlicher Kontrolle. Doch nun lässt Diktator Kim Jong Un möglicherweise eine westliche Musikgruppe ins Land: Zum 70. Jahrestag des Endes der japanischen Besatzung im August soll die slowenische Band Laibach zwei Konzerte in Pjöngjang spielen. Nicht nur das Ja zu den Jubiläums-Auftritten, sondern auch die Wahl der Gruppe ist aufsehenerregend. Denn die 1980 gegründete Band ist wegen ihrer nationalistischen Ästhetik umstritten.

Doch die Slowenen wehren sich gegen Kritik, mit ihren Shows das nordkoreanische Regime zu unterstützen. „Wir mischen uns nie in die politischen Verhältnisse der Länder ein, in denen wir auftreten“, sagte Bandmitglied Ivan Novak der Deutschen Presse-Agentur. „Unsere Absichten sind rein und sauber.“ Die Musiker waren in ihren Anfängen für das sterbende kommunistische System in Jugoslawien die pure Provokation – vor allem mit ihren Gigs in Uniformen, die stark auf den Faschismus anspielten.

„Es ist ein einfacher und verständlicher, aber fauler intellektueller Reflex, sie mit Nazismus oder Faschismus gleichzusetzen“, sagt der Künstler Morten Traavik, der die geplanten Auftritte von Laibach organisiert hat. In dieser Hinsicht würden die Band, vom Deutschlandradio einmal als „Rammstein für Erwachsene“ bezeichnet, wie auch das Land missverstanden, meint der Norweger. „Es gibt eine vorherrschende Erzählung über Nordkorea“: Medien seien vor allem daran interessiert, den „Freakshow-Faktor“ zu transportieren – eine robotische Nation, Militärmärsche, ein verrückter Diktator. Das Land habe mehr Facetten.

Ohne Traavik, der sich mit Kunst- und Musikprojekten für den Austausch mit Nordkorea einsetzt, wäre die Planung der Konzerte nicht so weit gediehen. Wegen der Zusammenarbeit mit dem Land ist er in seiner Heimat heftig umstritten, hört deswegen oft Vorwürfe, das Regime zu unterstützen. „Ich bin einfach interessiert, Plattformen für Menschen zu schaffen, sich zu treffen und auszutauschen“, verteidigt er sich.

„Wir hoffen auf viele westliche Touristen“
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