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SØR Rusche Collection Die Auflösung der gefragten Firmensammlung geht weiter

Van Ham setzt mit dem zweiten Teil der SØR Rusche Collection respektable 1,4 Millionen Euro um. 85 Prozent der Lose finden einen neuen Besitzer.
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Den akkurat gekleideten „Trotzer“, dem ein riesiger Schädel als Memento Mori vor den Füßen liegt, malte der Künstler für Thomas Rusche höchstpersönlich. Es erzielte 47.600 Euro. Die Schätzung lag bei 18.000 bis 24.000 Euro. Quelle: Van Ham
Jonas Burgert

Den akkurat gekleideten „Trotzer“, dem ein riesiger Schädel als Memento Mori vor den Füßen liegt, malte der Künstler für Thomas Rusche höchstpersönlich. Es erzielte 47.600 Euro. Die Schätzung lag bei 18.000 bis 24.000 Euro.

(Foto: Van Ham)

Köln Zwei Seelen wohnen in der Brust des westfälischen Textilunternehmers Thomas Rusche: die eines ebenso leidenschaftlichen wie manischen Sammlers und die des Geschäftsmanns, der sein angeschlagenes Mode-Unternehmen mit knapp 60 SØR-Läden wieder in die Gewinnzone bugsieren will. „Wie viele davon sind mittelfristig überlebensfähig“, fragt er sich. „Ich möchte, dass es auch morgen noch den Fachhandel gibt.“ Um seine Firma zu retten, lässt Rusche seine Kunstsammlung bei Van Ham versteigern.

Auch die zweite Tranche der SØR Rusche Collection stieß auf rege Nachfrage. 1,4 Millionen Euro mit Aufgeld hämmerte das Kölner Auktionshaus am 2. Oktober 2019 für die überwiegend aus Firmenbesitz eingelieferten 515 Werke zusammen. Damit hat sich die untere Schätzpreissumme nahezu verdreifacht. Die erste, am 29. Mai versteigerte Tranche erzielte mit 131 ausgewählten Werken 2,5 Millionen Euro.

Opfer niedriger Taxen

Relativiert wird das Resultat dieser Woche allerdings durch ein saftiges Aufgeld von bis zu 50 Prozent für die regelbesteuerten Lose. Wem zum Beispiel ein Werk für 1.000 Euro zugeschlagen wurde, hatte am Ende 1.500 Euro auf der Rechnung stehen, zusammengesetzt aus 25 Prozent Aufgeld, 19 Prozent Mehrwertsteuer auf der daraus errechneten Gesamtsumme und 1,5 Prozent Folgerecht auf alles.

Dem abschreckend hohen Aufgeld setzte Van Ham niedrige, teilweise weit unter den Galeriepreisen liegende Schätzpreise entgegen. Das gebot allerdings auch der Sammlungsschwerpunkt auf figürlicher und dem Gegenstand verhafteter Malerei, wie sie etwa die Neue Leipziger Schule pflegt.

Tatsächlich ist die Nachfrage für so ein thematisch konturiertes Angebot aber da. Zwar saßen nur bis zu 25 Personen im Saal. Doch es waren zwischen zwölf und 18 Telefone im Einsatz. Auch online wurde sehr lebhaft und sehr oft auch erfolgreich mitgeboten, besonders am Vormittag, als 95 Grafiken und Unikate von Neo Rauch und Rosa Loy zum Aufruf kamen. Fünfstellige Preise realisierten jedoch nur die begehrten Editionen von Rauch.

Mit „Unschuld“ ist das Porträt dieser gelassenen Ziege betitelt. Verkauft wurde das 2010 entstandene Ölgemälde für 44.625 Euro mit Aufgeld. Quelle: Van Ham, VG Bild-Kunst
Martin Eder

Mit „Unschuld“ ist das Porträt dieser gelassenen Ziege betitelt. Verkauft wurde das 2010 entstandene Ölgemälde für 44.625 Euro mit Aufgeld.

(Foto: Van Ham, VG Bild-Kunst)

Mit wenigen Ausnahmen wurden Loys Grafiken Opfer der niedrigen Taxen. Nur ihr Gemälde „Aufzug“ verkaufte sich für fast 9.000 Euro mit Aufgeld. Doch es gab auch noch nicht etablierte Künstler, die im Preis anzogen. Ein fotorealistisch gemaltes „Überschwemmtes Dorf“ von Markus Matthias Krüger kam von geschätzten 1.200 bis 1.500 Euro auf 20.825 Euro, „Das kleine Wirtshaus“ von Titus Schade von 600 auf 5.206 Euro. Auktionsrekorde, mit denen man rechnete, entfielen auf Justine Otto und Nicola Samori. Respektabel auch das Ergebnis von 44.635 Euro für Martin Eders „Unschuld“, das Porträt einer scharf äugenden Ziege.

Grundstock für eine neue Sammlung

Über alle Werke, die nicht versteigert werden, freut sich der Kunstfreund Rusche. Die 20 Prozent Rückgänge seiner Altmeistertranche, die letzte Woche seinen Angaben zufolge bei Sotheby‘s in London zurückgereicht wurden, entlockten ihm ein „Gott-sei-Dank“. Sie werden „der Grundstock für eine neue Sammlung“. Bei Van Ham wurde nur 15 Prozent zurückgereicht. Darüber wiederum freut sich Robert van den Valentyn, Mit-Gesellschafter des Kölner Auktionshauses und Leiter der Abteilung Modern, Post War & Contemporary. Wenn ein Kunstversteigerer heutzutage 85 Prozent seines Angebots absetzt, kann er nämlich von Glück reden.

Von den über 4.000 Kunstwerken, stehen nach dieser und der noch bis 10. Oktober laufenden Online Only-Auktion immerhin noch vier Fünftel der Kollektion zum Verkauf.

Mehr: Run auf die SØR Rusche Collection. Lesen Sie hier über einen gelungenen Komplettausverkauf der Offerte vom Mai 2019.

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