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Software-EntwicklungWie Augmented Intelligence die neue digitale Verantwortung übernehmen kann

Technologie entwickelt sich immer weiter, gleichzeitig wächst die Frage um die Verantwortung. Drei Palantir-Verantwortliche suchen Lösungen – und landen bei der Kunst.Susanne Schreiber 15.04.2023 - 16:00 Uhr Artikel anhören

Augmented Intelligence heißt so viel wie erweiterte Intelligenz – die Zusammenarbeit von künstlicher Intelligenz und menschlichem Urteilsvermögen.

Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Düsseldorf. Das Buch von Alex Karp, Jan Hiesserich und Paula Cipierre hat einen sperrigen Titel: „Von Artificial zu Augmented Intelligence. Was wir von der Kunst lernen können, um mit Software die Zukunft zu gestalten“.

Der 254-Seiten-Band hat aber auch eine Mission: Er will neue Denkräume aufzeigen zwischen der Dystopie einer dem Maschinenterror unterworfenen Welt wie in China sowie unkritischen Technologie-Utopisten wie im Silicon Valley.

„Wir wollen zeigen, dass die größte Chance unserer Zeit nicht in der Vereindeutigung der Welt, sondern gerade in der Ambiguität liegt.“ Das Autorentrio arbeitet in leitender Funktion bei Palantir, dem auf Big Data spezialisierten Softwareunternehmen.

Die drei suchen das Gespräch über die Zukunft der Digitalisierung etwa mit dem Medienunternehmer Mathias Döpfner, dem Architekten und Künstler Kai Franz oder dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges.

Kunst könne, so die These, in ihrer schillernden Uneindeutigkeit der Schlüssel sein zum Ausgang aus der „selbst auferlegten Entmündigung“. Denn „Kunst bedeutet Ambiguität. Kunst ist Freiheit.“ Ein Kunstwerk ist per se eher Frage als Affirmation.

Alex Karp, Jan Hiesserich, Paula Cipierre: Von Artificial zu Augmented Intelligence Campus Verlag Frankfurt 2023 356 Seiten 38 Euro Foto: Handelsblatt

Das Buch plädiert „nicht für eine Zukunft der Artificial, sondern der Augmented, also der angereicherten Intelligenz. Denn intelligent ist letztlich nur der Mensch, nicht die Maschine.“ Die Autoren schlagen ein Denkmodell vor, das der Verantwortung, die aus den technologischen Möglichkeiten erwächst, „nicht entsagt, sondern Fortschritt nicht nur utilitaristisch, sondern immer auch sozial, kulturell und politisch bewertet“.

Augmented Intelligence erkennt an, dass „sich Möglichkeitsräume nicht nur über ihre Ausdehnung, sondern auch über ihre Grenzen definieren“. Das klingt gut. Aber auch sehr allgemein, wenn jeder Softwarebesteller und -entwickler Verantwortung zu tragen hat. Doch wer oder welche Institution diese „Kontextkompetenz“ schließlich durch Überprüfung garantieren könnte, bleibt offen.

Miriam Meckel und Léa Steinacker, CEO und CIO des Erwachsenenbildungsprogramms Ada Learning, verfechten gleichfalls die Idee der Augmented Intelligence. Im Interview erläutern sie, dass es den Menschen mit Erfahrung, Intuition und Bewusstsein braucht, weil Maschinen nur Muster in riesigen Datenmengen erkennen.

Meckel sieht in Europa mit seinem wertebasierten Humanismus Chancen für eine Position zwischen den Polen China und USA. „Wir haben in Deutschland und Europa viel zu bieten für einen dritten Weg einer freiheitlichen, technologiebasierten Zukunft, in der Mensch und Maschine erfolgreich zusammenarbeiten. Das sollten wir jetzt mit Schwung voranbringen.“

Softwareentwicklung im sozialen Kontext nennt das Autorenteam etwas vollmundig „neue digitale Aufklärung“. Da der abbildungslose Gesprächsband Kunst nur sehr allgemein anspricht – in ihrer Ausprägung als Literatur, Comic oder Architektur –, bleibt sie eine Art intellektueller Imageträger für Palantir.

Ausstellungen in Stuttgart, Bonn und Baden-Baden

Wer aber die führenden Vertreterinnen und Vertreter der bildenden Kunst sucht, die in ihren Werken über die Möglichkeiten prozessgenerierter Kunst nachdenken, ist in den derzeit noch laufenden Ausstellungen in Stuttgart, Bonn und Baden-Baden besser bedient. Sie liefern die Anschauung, die dem Buch fehlt.

In Stuttgart läuft noch bis 21. Mai „Shift. KI und eine zukünftige Gemeinschaft“. In dieser später ins Museum Marta Herford wandernden, packenden Schau trifft die Besucherin auf die zweiteilige Videoprojektion „SocialSim“ von Hito Steyerl. Hier werden für künstlich erzeugte Bilder die neuesten Möglichkeiten der Technik eingesetzt und gleichzeitig reflektiert. Aber so, dass die Satire nicht zu kurz kommt.

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Was Software in der Kunst alles vermag, zeigen die mit dem Besucher sprechende lebensgroße Puppe von Louisa Clement oder die Arbeiten von Kennedy + Swan, die mit ChatGPT-3 und Computer Generated Imagery, CGI, entstanden. Christian Kosmas Mayer lässt vor mehr als 100 Jahren verstorbene Personen auf bräunlichen Fotografien die Lippen bewegen und blinzeln. Das gelingt ihm durch algorithmisch animierte Fotografie.

Wer Orientierung sucht, was Künstlerinnen und Künstler inzwischen mit KI als einem Instrument schaffen, ohne sich als Urheberinnen und Urheber zu verabschieden, statte den führenden Galerien einen Besuch ab. In Deutschland sind das Office Impart und die Galerie Nagel Draxler in Berlin, in New York und Los Angeles die Galerie bitforms.

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