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Sotheby's und Christie's Auch im Netz muss eine Auktion attraktiv sein

Sotheby‘s nimmt mit Spitzenwerken aus fünf Jahrhunderten 150 Millionen Pfund ein. Christie‘s kommt mit Sparten übergreifender Alter Kunst nur auf 21,2 Millionen Pfund.
30.07.2020 - 15:06 Uhr Kommentieren
Das Schlachtenbild aus der Renaissance stammt ursprünglich aus der Fritz Gutmann-Sammlung. Es kam auf 2,4 Millionen Pfund. Quelle: Sotheby's
Paolo Uccello „Die Belagerung von Veil“

Das Schlachtenbild aus der Renaissance stammt ursprünglich aus der Fritz Gutmann-Sammlung. Es kam auf 2,4 Millionen Pfund.

(Foto: Sotheby's)

London Hier in London, wo soeben die Kunstmesse „Frieze“ im Oktober abgesagt wurde, wo Museen und Galerien nur zögernd wiedereröffnen, ist kaum noch Kunst zu sehen. Insofern galten die „Live“-Auktionen, die Sotheby’s und Christie’s diese Woche durchführten, als späte Saisonhöhepunkte.

Sotheby’s wollte wohl vor allem Alte Meister in der Auktion anbieten, und in der Tat war das seltene, kleinformatige Selbstporträt Rembrandts von 1632 ein Juwel der Auktion. Es gibt nur drei in Privatsammlungen verbliebene Selbstporträts des Malers, der sich in seiner ganzen Karriere immer wieder der Selbstanalyse widmete. Geschätzt auf 12 bis 16 Millionen Pfund, erzielte das Selbstbildnis 14,5 Millionen Pfund.

Alex Branczik, Chef der Abteilung für zeitgenössische Kunst, sagte dem Handelsblatt nach der Auktion: „Es war der Erfolg der New Yorker Auktionen Ende Juni, der Sotheby‘s wichtige Werke der Avantgarde und der Nachkriegs-Moderne zugetragen hat.“ Diese bewirkten, dass die Alten Meister nur noch sporadisch auftauchten und der Großteil des spektakulären Ergebnisses von 150 Millionen Pfund Umsatz mit Markennamen des 20. Jahrhunderts erzielt wurde.

Von 65 angebotenen Losen in der unter dem Titel „Von Rembrandt bis Richter“ beworbenen Auktion verkauften sich 95 Prozent – und das bei nur wenigen Vorabgarantien. Der Erfolg des Abends war vor allem einer anonymen Privatsammlung geschuldet. 18 großteils marktfrische Werke von Fernand Léger, Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky erzielten durchweg gute Ergebnisse.

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    Zu erwähnen sind vor allem teuer gewordene Skulpturen. Alberto Giacomettis „Femme debout“, geschätzt auf 4 bis 6 Millionen Pfund, verdoppelte ihre Schätzung auf 10,7 Millionen Pfund. Ein farbiges Steinrelief von Henri Laurens, „Der Boxer“, brachte bei einer Taxe von 250.000 bis 350.000 Pfund hohe 2,1 Millionen Pfund.

    Das Frühwerk wurde bei Sotheby‘s mit 22,3 Millionen Pfund zum teuersten Kunstwerk der Saison. Quelle: Sotheby's
    Helena Newman versteigert Joan Mirós „Femme au chapeau rouge“

    Das Frühwerk wurde bei Sotheby‘s mit 22,3 Millionen Pfund zum teuersten Kunstwerk der Saison.

    (Foto: Sotheby's)

    Aus der Sammlung von British Airways kam Bridget Rileys „Cool Edge“ zum Aufruf. Das Bild aus Streifen kam über die Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund und spielte 1,9 Millionen Pfund ein. Zum teuersten Los der gesamten Saison wurde Joan Mirós „Femme au chapeau rouge“ von 1927, das im Rahmen der unteren Schätzung 22,3 Millionen Pfund erbrachte. Wie jedes Jahr hatte Sotheby’s es wieder einmal Banksy zu verdanken, dass es nicht nur von der Presse beachtet wurde, sondern dass auch 150.000 Zuschauer die Auktion live in den sozialen Medien verfolgten.

    Banksy hatte ein Triptychon von 2017 eingeliefert, das in dem von ihm gegründeten Hotel „Walled Off“ in Bethlehem in Palästina hing, um den Erlös an eine dortige Stiftung für behinderte Kinder zu spenden. Banksy und Sotheby’s verbindet eine Geheimnis umwitterte Allianz, zu der sich das Haus nicht äußert. Aber die erzielten 2,2 Millionen Pfund — bei einer Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen — sollen dem guten Zweck zukommen.

    Rekordpreis für ein Schlachtenbild

    Aus deutscher Sicht waren verschiedene Lose interessant. Zum einen das „Wolken (Fenster)“-Bild von Gerhard Richter aus der Sammlung des Geschäftsmanns und Investors Ronald Perelman. Das dreiteilige Bild von 1970 spielte 10,4 Millionen Pfund, den mittleren Schätzwert, ein. Zum anderen fielen Arbeiten auf, die im Zusammenhang mit Restitutionen an Erben jüdischer Sammler zum Aufruf kamen.

    Am bedeutendsten ist dabei sicherlich ein Schlachtenbild von Paolo Uccello, dem Florentiner Renaissancekünstler, das einen Auktionsweltrekord einspielte. Geschätzt auf 600.000 bis 800.000 Pfund erzielte es 2,4 Millionen Pfund. Auch eine Ansicht der Dresdner Zwingers von Bernardo Bellotto, ehemals aus der Sammlung der Herzöge von Sachsen-Anhalt, das lange im Büro des Bundespräsidenten hing, wurde erst vor kurzem an die Erben des Sammlers Max Emden zurückerstattet. Es erzielte über der Schätzung 5,4 Millionen Pfund.

    Wie sich der erst 26-jährige aufstrebende Maler sieht, war einem Sammler 14,5 Millionen Pfund wert. Quelle: Sotheby's
    Rembrandt „Selbstbildnis“

    Wie sich der erst 26-jährige aufstrebende Maler sieht, war einem Sammler 14,5 Millionen Pfund wert.

    (Foto: Sotheby's)

    Insgesamt wurde die dreistündige Marathonauktion von der Souveränität des Auktionators Oliver Barker getragen. Sotheby’s Investition in die Produktionsfirma Chrome Productions war es zu verdanken, dass die Auktion auch im Netz attraktiv gestaltet war. Die Folge ist, dass das Auktionshaus immer mehr wie ein Filmstudio aussieht. Aber vielleicht wird das die digitale Zukunft der Top-Auktionen sein. In jedem Fall erzielte die nahtlose Einschaltung von Bietern online, im Saal und an den Telefonen das angestrebte Ergebnis.

    Das aktuelle kulturpolitische Thema Rassismus tauchte an unvermuteter Stelle in der reinen Online-Versteigerung Alter Meister auf. Aus der deutschen Pohl-Ströher Sammlung, über die das Handelsblatt mehrfach berichtet hatte, kam mit einer Schätzung von nur 1000 bis 1500 Pfund eine kleinformatige Zeichnung eines farbigen „Dieners der Lawrence Familie“ zum Aufruf. Erst nach 33 Geboten konnte die Papierarbeit von 1776 des unbekannten John Taylor für stattliche 137.500 Pfund verkauft werden.

    Zukunft des Kunstverkaufs

    Verkörpert der gelungene Auftritt von Sotheby’s die Zukunft des Kunstverkaufs, so scheint Rivale Christie’s immer mehr zum alten Eisen zu gehören. Sein Angebot und vor allem sein Auftritt in den Medien passt nicht mehr in die heutige Zeit. Christie‘s, das in vergangenen Jahren immer wieder bunt gemischte Auktionen im Angebot hatte, verpflichtete sich diesmal zwar ganz der klassischen Kunst und bezog aber Skulpturen, antike Werke wie auch Kunstobjekte in die Auktion Alter Meister mit ein.

    Dass man mit solch spartenübergreifenden Mischungen bei mittlerer Qualität nur selten große Umsätze macht, zeigt das Gesamtergebnis. Für 67 angebotene Lose, von denen nur 74 Prozent versteigert werden konnten, kamen 21,2 Millionen Pfund zusammen. Das sind nur 14 Prozent des Umsatzes von Sotheby‘s.

    Aber auch bei Christie's gab es wundervolle Höhepunkte zu entdecken. Das teuerste Los der Auktion war ein unvollendetes Porträt, das erst seit kurzem Peter Paul Rubens zugeschrieben wird. Es spielte am unteren Ende der Schätzung 4 Millionen Pfund ein.

    Das teuerste Los der Auktion war ein unvollendetes Porträt, das am unteren Ende der Schätzung 4 Millionen Pfund einspielte. Quelle: Christie's
    Peter Paul Rubens

    Das teuerste Los der Auktion war ein unvollendetes Porträt, das am unteren Ende der Schätzung 4 Millionen Pfund einspielte.

    (Foto: Christie's)

    Weitaus attraktiver war ein Männerporträt aus Burgund aus dem 15. Jahrhundert. Reges Bieterinteresse trieb das Tafelbild vom Schätzpreis von maximal 600.000 Pfund auf erstaunlich hohe 1,6 Millionen Pfund. Eine dramatische Entdeckung war ein Marmorrelief mit dem Motiv „Tod der Lukrezia“, das dem venezianischen Bildhauer Antonio Lombardo zugeschrieben wurde. Der europäische Einlieferer hatte keine Ahnung, dass es sich dabei um ein bedeutendes Werk der italienischen Renaissance handelte. Bei einer Schätzung von 500.000 bis 800.000 Pfund war es einem Privatsammler 3,7 Millionen Pfund Wert.

    Auch seltene Bücher kamen zum Aufruf. Ein Gebetbuch mit eigenhändiger Widmung von Maria Stuart, Königin von Schottland, wurde zwar für 311.250 Pfund von privater Hand erworben, findet aber hoffentlich in einem Museum in Schottland ein Zuhause. Von hoher künstlerischer Kreativität spricht ein französisches Stundenbuch aus Bourges von 1490, das mit 1,6 Millionen Pfund die Schätzung verdreifachte.

    Überfällige Modernisierung

    Der Großteil der Auktion bestand aus Werken mittlerer Qualität. Das Zusammenwürfeln verschiedener Sparten funktionierte eben nicht bei allen Losen gleich gut. Ein weiteres Problem ist, dass Christie’s seit Beginn der Pandemie nichts am Format seines Onlinekanals Christie’s Live veränderte. Im direkten Vergleich zu Sotheby’s wirkt er altbacken.

    In medialen Zeiten scheint es geboten, den Pool der Sammler auszuweiten. Christie’s sollte da modernisieren, will es den Anschluss an Sotheby’s nicht ganz verlieren. Der Kunstberater und Veteran aus dem Auktionswesen, Guy Jennings, indes bemüht sich um einen versöhnlicheren Ton: „Beide Häuser haben extrem hart gearbeitet, um in schwierigen Zeiten etwas zu erzielen. Keines dieser Foren ist perfekt.“

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