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Sotheby's und Christie's Bei der Auktionswoche in New York zeigen sich die Sammler spendabel

Nicht jedes Top-Los fand einen Käufer. Insgesamt aber zeigt die Auktionswoche in New York, wie gut der Markt für moderne und zeitgenössische Kunst läuft.
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Nach einer neunminütigen Bietschlacht fiel der Hammer bei 6,2 Millionen Dollar. Das ist mehr als das Doppelte des bisherigen höchsten Auktionspreises für diesen Künstler. Quelle: Sotheby's/VG Bild-Kunst 2018
Jacob Lawrence „The Businessmen“ (1947)

Nach einer neunminütigen Bietschlacht fiel der Hammer bei 6,2 Millionen Dollar. Das ist mehr als das Doppelte des bisherigen höchsten Auktionspreises für diesen Künstler.

(Foto: Sotheby's/VG Bild-Kunst 2018)

Düsseldorf Höchste Erwartungen knüpften sich in diesem jüngsten Markttest in New York an eine Handvoll Werke aus der legendären Sammlung des im April verstorbenen Luxusreisen-Unternehmers Barney A. Ebsworth. Christie’s hatte sie sich gegen eine Garantie gesichert. „Qualität, Qualität, Qualität“, so hatte Ebsworth einmal seine Sammlung amerikanischer Kunst der 1920er- bis in die frühen Sechzigerjahre beschrieben.

Händler liebten ihn, er feilschte nie, deshalb boten sie ihm stets beste Ware an. Star seiner Sammlung war die Restaurantszene „Chop Suey“, das letzte noch in Privathand befindliche Werk Edward Hoppers aus den Zwanzigern. Mutig, in den Augen einiger Händler fast schon verwegen, verlangte Christie’s dafür 70 bis 100 Millionen Dollar. „Privat waren Ebsworth schon 80 Millionen angeboten worden“, sagte William Haydock, Christie’s-Abteilungschef American Art, dem Handelsblatt.

Privatleute boten für Museen

Eigentlich war „Chop Suey“ dem Seattle Museum of Art versprochen worden, nicht nur dort saß Ebsworth im Museumsvorstand. Aber seine Erben entschieden anders. So schraubten am 13. November zwei Interessenten in Fünf-Millionen-Dollar-Schritten langsam den Preis auf 85 Millionen Dollar hoch, das sind inklusive Aufgeld 91,9 Millionen.

Auch Institutionen waren unter den Bewerbern um die 42 Lose, oder, wie Eric Widing, Chairman American Art, es beschrieb, „Privatleute boten für Museen“.

Die Sammlung bediente vor allem amerikanischen Geschmack. Aber auch die Schweizer Händlerin Doris Ammann wurde fündig, sicherte sich Jackson Pollocks „Composition with Red Strokes“ (1950) auf Leinwand zur unteren Taxe von 55,4 Millionen und Alexander Calders charmante Holzskulptur „Hen“ von 1943 für 8,4 Millionen Dollar.

Dreizehn Künstlerrekorde wurden am Abend gesetzt, einer der wichtigsten für Willem de Kooning, dessen sensationell schönes Bild „Woman as Landscape“ (1954/55) einen Telefonbieter 69 Millionen Dollar kostete.

Aber bei anderen Toplosen der Woche hatten sich die Versteigerer gehörig verspekuliert, garantierten Einlieferern zu hohe Taxen, ohne anschließend das Risiko an eine dritte Partei weitergeben zu können. So fiel in Sotheby’s ansonsten sehr erfolgreicher Impressionisten- und Moderne-Auktion am Montag ausgerechnet Marsden Hartleys 1913 in Berlin gemalte wichtige Abstraktion „Pre-War Pageant“ durch.

Weltrekord für neun Millionen Dollar. Die Schätzung lag bei sechs bis acht Millionen Dollar. Quelle: Sotheby's/VG Bild-Kunst 2018
Tamara Lempicka „Die Musikerin“

Weltrekord für neun Millionen Dollar. Die Schätzung lag bei sechs bis acht Millionen Dollar.

(Foto: Sotheby's/VG Bild-Kunst 2018)

Um die 30 Millionen Dollar waren hier erwartet worden, erstaunlich, denn der geltende Auktionsrekord liegt bei nur 6,3 Millionen Dollar brutto. Sollte etwa das nun so modische Cross-over an der Pleite schuld sein?

Auch Christie’s holte sich ein blaues Auge: Vincent van Goghs „Coin de Jardin avec Papillons“ aus dem wichtigen Jahr 1887, in dem er in Paris mit einer farbenfrohen Palette experimentierte, war marktfrisch, aber offensichtlich bei etwa 40 Millionen Dollar zu optimistisch angesetzt. Es regte sich kein Finger.

„Der Markt ändert sich“, beobachtet nicht nur der New Yorker Händler Andrew Fabricant von Gagosian Gallery gegenüber dem Handelsblatt. „Es macht sich Widerstand gegen überzogene Schätzpreise breit.“

Und immer wieder wettern Marktteilnehmer gegen Garantien. „Sie machen es schwer herauszufinden, welche Preise begründet sind“, so der Genfer Händler Marc Blondeau.

Wenn aber Museumsqualität geboten wurde, dann flogen die Gebote trotzdem. Dies demonstrierte Sotheby’s am 12. November mit zwei gerade an die Erben des weitsichtigen jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim restituierten Gemälden. Oskar Kokoschkas wegweisendes Porträt des „Joseph de Montesquiou-Fezensac“ (1910), den er im Lungensanatorium am Montblanc getroffen hatte, kam aus dem Moderna Museet in Stockholm.

Kokoschkas Höchstpreis lag bisher bei vier Millionen Dollar, da schien die Taxe von 15 bis 20 Millionen überzogen. Aber unter Applaus setzte Fabricant von Gagosian Gallery dafür 20,4 Millionen Dollar ein.

Rekordpreis für Ludwig Meidner

Das Solomon R. Guggenheim Museum wiederum musste sich von Ernst Ludwig Kirchners eindringlichem, aus vier Leinwänden zusammengenähtem „Soldatenbad“ (1915) trennen. Keine leichte Kost und auch nichts für jedermanns Wohnzimmer – trotzdem bewarben sich drei Bieter bis zu 21,97 (Taxe: 15 bis 20) Millionen Dollar.

Mutig hatte Sotheby’s auf Ungewöhnliches, gar Provokantes gesetzt und wurde mit starken 315,4 Millionen Dollar und fünf Rekorden belohnt. In einer für den New Yorker Marktplatz selten breiten Auswahl an deutschen Expressionisten nahm der in den USA kaum bekannte Ludwig Meidner eine Starrolle ein.

Seine wichtige „Apokalyptische Landschaft. Junger Mann mit Strohhut“ lieferte 1912 schon eine düstere Vorahnung des Ersten Weltkriegs. Taxgerecht ging sie zu 14 Millionen Dollar, einem Rekord, an die internationale Lévy Gorvy Gallery.

Das Bild ist nun 92 Millionen Dollar wert. Quelle: Christie's/VG Bild-Kunst 2018
Edward Hopper „Chop Suey“

Das Bild ist nun 92 Millionen Dollar wert.

(Foto: Christie's/VG Bild-Kunst 2018)

Aber genauso gut fuhren zwölf Werke mit den leuchtenden Farben des Fauvismus. Sie spielten allein 111 Millionen Dollar ein, drei Bilder Wassily Kandinskys aus verschiedenen Perioden brachten je über 20 Millionen Dollar. Die Gruppe kam aus dem Nachlass des Dirigenten und Unternehmers David Josefowitz, seit 2002 wurde sie in der Courtauld Gallery ausgestellt.

Dagegen setzte Christie’s am 11. November auf Impressionisten und Pablo Picasso. Für sein Bild „La Lampe“ (1931) bewarben sich – bei einer Taxe von 25 bis 35 Millionen Dollar – gleich drei Bieter bis zu 29,6 Millionen Dollar brutto. Schiere Begeisterung löste Claude Monets beinahe monochromes Bild „Effect de Neige à Giverny“ (1893) aus, das offenbar auch Sammler zeitgenössischer Kunst ansprach. Vom Aufruf bei 4,2 Millionen Dollar raste es auf 15,5 Millionen Dollar.

Fernöstliche Bieter ringen um Magritte

Asiatische Bieter, mittlerweile wichtige Stützen des Impressionisten- und Moderne-Marktes, waren auch wieder aktiv, wenn auch in leicht geringerem Umfang. Christie’s Toplos, Claude Monets spätes Seerosenstück (1917/19) in zarten Pastellfarben, das vom Financier Tom Marsico aus Denver eingeliefert wurde, reist auch nach China. Knapp unter der Taxe zugeschlagen, kostete es 31,8 Millionen Dollar brutto.

Aber Sotheby’s Patti Wong, Chairman Asia, beobachtete unter asiatischen Bietern auch eine immer größere Lust auf Neues. Als Beispiel führte sie René Magrittes ungewöhnliches Anti-Porträt des wichtigen Surrealisten-Mäzens Edward James, „Le Principe du Plaisir“ (1937), an.

Das seit Langem beste Werk Magrittes auf dem Markt wurde auch von einem ihrer Landsleute umworben. Gegen kräftige Konkurrenz fiel es aber bei 26,8 (Taxe: 15 bis 20) Millionen Dollar an James Mackie, Sotheby’s Londoner Abteilungschef.

Die Bronze wechselte für 17,2 Millionen Dollar den Besitzer. Quelle: Sotheby's
Alberto Giacomettis Skulptur „Die Katze“

Die Bronze wechselte für 17,2 Millionen Dollar den Besitzer.

(Foto: Sotheby's)

Skulpturen wurden wieder begeistert angenommen: Bei Christie’s brachte Alberto Giacomettis ausgemergelte Katze taxgerechte 17,2 Millionen Dollar. Jean Arps Marmorfigur „Demeter“ ließ sich von zwei auf 5,8 Millionen Dollar heben.

Die erste Zeitgenossenauktion der Woche sah am 14. November bei Sotheby’s dank einer guten Auswahl begeisterte Bieter und starke Resultate. Eingehämmerte 362,6 Millionen Dollar bedeuten ein Plus von 16,9 Prozent gegenüber 2017.

Die anhaltend starke Nachfrage nach den besten Werken Gerhard Richters schob sein Diptychon „Abstraktes Bild“ bei 32 Millionen Dollar an die Spitze der Top Ten. Zum ersten Mal tauchten Gemälde von Georgia O’Keeffe auf, „A Street“ von 1926 brachte 13,1 Millionen Dollar brutto.

Über Erwarten schnitt David Hockney ab, der seit zwei Jahren eine steigende Nachfrage verzeichnet. Und auch Kunst von Afroamerikanern wurde angeboten. „The Businessmen“ (1947) des bedeutenden Malers Jacob Lawrence löste eines der längsten Duelle des Abends aus, erst nach sechs Minuten und bei 6,2 Millionen Dollar gab sich der New Yorker Kunstberater Todd Levin geschlagen.

Umsätze und Quoten:

Christie’s: Impressionist and Modern Art (11.11.): 279,25 Millionen Dollar
85 Prozent nach Losen verkauft (52 von 61 angebotenen Losen), 79 Prozent nach Wert

Christie’s: Barney A. Ebsworth Collection (13.11.): “An American Place”: 317,8 Millionen Dollar
88 Prozent nach Losen verkauft (37 von 42 Losen), 99 Prozent nach Wert

Sotheby’s: Impressionist & Modern Art (12.11.): 315,4 Millionen Dollar
75,4 Prozent nach Losen verkauft (49 von 65 Losen) , nach Wert: nicht angegeben

Sotheby’s: Contemporary Art (14.11.): 362,56 Millionen Dollar
96,9 Prozent nach Losen verkauft (63 von 65 Losen), nach Wert: nicht angegeben

Christie’s und Phillips folgen am 15.11.

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