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Sotheby's und Christie's Sommerauktionen Strategische Planung beschert gute Umsätze

Die Pandemie hat neue Formate hervorgebracht. Um asiatische, amerikanische und europäische Sammler live zu bedienen, starten die glamourösen Abendversteigerungen jetzt schon nachmittags.
01.07.2021 - 15:09 Uhr Kommentieren
Das hoch eingeschätzte Spätwerk verkaufte sich mit Aufgeld für 21,2 Millionen Pfund (Taxe 18 bis 25 Millionen Pfund) (Ausschnitt). Quelle: Sotheby's
Wassily Kandinsky „Tensions Calmées“

Das hoch eingeschätzte Spätwerk verkaufte sich mit Aufgeld für 21,2 Millionen Pfund (Taxe 18 bis 25 Millionen Pfund) (Ausschnitt).

(Foto: Sotheby's)

London Nicht nur Auktionswochen mit ihren abgegrenzten Sammelkategorien gehören der Vergangenheit an. Auch die glamourösen Abendauktionen haben im digitalen Zeitalter ihren Stammplatz verloren. Um Kunden in Asien wie auch Amerika anwerben zu können, legten sowohl Sotheby’s wie auch Christie’s ihre Sommerauktionen für das Beste aus der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in London mitten in den Nachmittag.

Phillips in London ließ die Juniauktion gleich ganz ausfallen, pandemiebedingt, wie das Haus bekannt gab. So geht mittlerweile jedes Haus geht seinen eigenen Weg – völlig vernetzt versteht sich.

Sotheby’s Auktion mit britischer Kunst des 20. Jahrhunderts machte erstaunlicherweise den Wochenauftakt. Die Auktion wurde um einen einzigen Höhepunkt arrangiert, das 2002 geschaffene Porträt, das Lucian Freud von seinem Malerkollegen David Hockney in stundenlangen Porträtsitzungen geschaffen hatte.

Bei einer Schätzung von 8 bis 12 Millionen Pfund stiegen fünf Bieter ein. Am Ende kostet es 14,9 Millionen Pfund. Gebote kamen wie erwartet aus Asien, Amerika und London.

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    Ein farbenfrohes Blumenstillleben von David Hockney selbst, Gladiolen mit zwei Orangen, erbrachte starke 4,2 Millionen Pfund und verdoppelte seine obere Schätzung. In der fast ausschließlich von männlichen Künstlern dominierten Auktion sorgte für einen überraschenden Weltrekord eine Keramikvase der kenianisch-britischen Keramikkünstlerin Magdalene Odundo.

    Das in stundenlangen Sitzungen entstandene Porträt des Malerkollegen David Hockney kam von geschätzten 8 bis 12 Millionen auf 14,9 Millionen Pfund. Quelle: Sotheby's
    Lucian Freud

    Das in stundenlangen Sitzungen entstandene Porträt des Malerkollegen David Hockney kam von geschätzten 8 bis 12 Millionen auf 14,9 Millionen Pfund.

    (Foto: Sotheby's)

    Statt der erwarteten 60.000 bis 90.000 Pfund erzielte das Gefäß starke 378.000 Pfund. Insgesamt brachten die 30 verkauften Lose 48 Millionen Pfund ein; ein Zeichen, dass sich auch die britische Kunst im globalen Markt behaupten kann. Sicher half auch, dass ein Drittel der Lose mit Garantien versehen waren.

    In der sich daran anschließenden epochenübergreifenden Hauptauktion setzte Sotheby‘s auf einen abstrakten Klassiker der Moderne: Es bot Wassily Kandinskys „Tensions Calmées“ an, ein Spätwerk von 1937 aus der Pariser Zeit. Mit beeindruckender Provenienz. Das Querformat war 1938 vom Guggenheim Museum New York erworben worden, wurde aber schon 1964 vom Museum durch Sotheby’s London verkauft und befand sich seitdem in der gleichen amerikanischen Privatsammlung.

    Die hohe Schätzung von 18 bis 25 Millionen Pfund für den Kandinsky war eine Herausforderung. Es gab nur wenig Gebote, die Arbeit verkaufte sich mit Aufgeld für 21,2 Millionen Pfund.

    In diesem Angebot machte sich der asiatische Geschmack bemerkbar. Der konzentriert sich entweder auf ganz junge, im Trend liegende Maler oder auf die Klassiker aus Paris. Ein Doppelporträt von Picasso „Mann und Frau mit Blumenstrauß“ wurde im Rahmen der Schätzung für 9,3 Millionen nach Asien vermittelt, wie auch drei Arbeiten von Edgar Degas und ein Blumenstillleben von Chagall.

    Sotheby‘s hohe Verkaufsrate von 93 Prozent spricht allerdings weniger von spontanem Erfolg als von strategischer Planung. Fast die Hälfte der angebotenen Werke waren im Vorfeld von Drittparteien garantiert. Nicht wenige dieser Interessenten - die für die Garantie eines Mindestgebotes finanziell begünstigt werden - ersteigerten Arbeiten. Denn etliche Lose erhielten nur ein einziges Gebot. Dennoch kann das Haus mit dem Ergebnis von 108 Millionen Pfund mehr als zufrieden sein.

    Das auf 6 bis 9 Millionen Pfund geschätzte, marktfrische Bild spielte 7,1 Millionen Pfund ein (Ausschnitt aus einem Hochformat). Quelle: Christie's Images Ltd. 2021
    Ernst Ludwig Kirchner „Pantomime Reimann: Die Rache der Tänzerin“

    Das auf 6 bis 9 Millionen Pfund geschätzte, marktfrische Bild spielte 7,1 Millionen Pfund ein (Ausschnitt aus einem Hochformat).

    (Foto: Christie's Images Ltd. 2021)

    Deutsche Kunst war in dieser Woche wenig vertreten. Bei Sotheby’s war es ein exquisites Aquarell von Emil Nolde, das die Sammler gefangen nahm. „Meer mit Abendhimmel und Segelboot“, um 1930 entstanden, ist dem Markt nicht unbekannt, dennoch verkaufte es sich entschieden über der Taxe für 764.000 Pfund. Der Preis stellt einen neuen Weltrekord für eine Papierarbeit des Künstlers dar.

    Ähnlich rar waren die Deutschen bei Christie‘s. Hier ragte ein Bild von Ernst Ludwig Kirchner heraus. „Pantomime Reimann: Die Rache der Tänzerin“ stammt aus dem Nachlass des Künstlers und war noch nie auf dem Markt angeboten worden, ist aber durch Ausstellungen gut belegt. Die etwas flachen Farben lenken nicht vom starken Motiv des Bildes ab: der Dominanz der Frau über den Mann. Das auf 6 bis 9 Millionen Pfund geschätzte Bild spielte 7,1 Millionen Pfund ein. Ansonsten waren sich die Auktionen durchaus ähnlich.

    Auch Christie’s brachte einen Kandinsky an den Sammler. „Noir Bigarré“ spielte 8,8 Millionen Pfund ein, allerdings auch hier am unteren Ende der Schätzung von 8 bis 12 Millionen. Die Mischung von klassischer Moderne mit Degas und Chagall sprach auch bei Christie‘s vor allem asiatische Sammler an.

    Das schwungvolle Nagelbild in ungewohntem Rot erzielte 622.500 Pfund. Geschätzt war es auf 400.000 bis 600.000 Pfund (Ausschnitt aus einem quadratischen Format). Quelle: Christie's; VG Bild-Kunst, Bonn 2021
    Günther Uecker „Rote Fahne“

    Das schwungvolle Nagelbild in ungewohntem Rot erzielte 622.500 Pfund. Geschätzt war es auf 400.000 bis 600.000 Pfund (Ausschnitt aus einem quadratischen Format).

    (Foto: Christie's; VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

    Pablo Picasso und Andy Warhol ziehen immer, auch wenn hier solide und nicht starke Ergebnisse erzielt wurden. Picassos „L’Étreinte“ verkaufte sich für 14,7 Millionen Pfund, knapp gefolgt von den 13,7 Millionen Pfund, die Alberto Giacomettis „L’Home Qui Chavire“ einspielte. Seine Taxe hatte bei 12 bis 18 Millionen gelegen.

    Alles in allem war das Angebot doch nicht speziell genug, und beide Häuser taten gut daran, sich die wichtigsten Arbeiten absichern zu lassen. Bei Christie’s waren es auch gut die Hälfte der Arbeiten, die vorab garantiert waren.

    Begann Sotheby’s mit britischer Kunst, so war es bei Christie’s die enge Verbindung zum europäischen Festland, die hier gefeiert wurde. Denn der Londoner Auktion folgte gleich ein Auftritt in Paris. Damit kann das Haus nicht nur elegant Schwierigkeiten bei der Ein- und Ausfuhr umgehen, sondern zelebriert auch das europäische Erbe der Kunst des 20. Jahrhunderts wie auch des eigenen Hauses.

    Die filigrane Skulptur spielte 13,7 Millionen Pfund ein (Taxe: 12 bis 18 Millionen Pfund). Quelle: Christie's Images Ltd. 2021
    Alberto Giacometti „L’Home Qui Chavire“

    Die filigrane Skulptur spielte 13,7 Millionen Pfund ein (Taxe: 12 bis 18 Millionen Pfund).

    (Foto: Christie's Images Ltd. 2021)

    Christie’s Chef Guillaume Cerutti spricht das auf Nachfrage des Handelsblattes direkt an: „London – Paris ist unsere Antwort auf Brexit. Es bedeutet, dass wir zusammenarbeiten, dass wir eine Plattform anbieten, trotz zweier Standorte.“

    Für global agierende Käufer, die die Auktionen meist online und eventuell am Telefon mitverfolgen, macht das keinen großen Unterschied. Für den Kunstmarkt jedoch ist die neue Stärke von Paris im Auktionsmarkt ein Trend, der sich schon seit dem Brexit-Referendum abzeichnet.

    Und auch bei Christie‘s sind die Verbindungen der in Paris lebenden asiatischen Künstler von Bedeutung. Figuren wie der Japaner Kazuo Shiraga und der Chinese Zao Wou-Ki werden hier weiterhin stark gehandelt – und nach Asien verkauft.

    Und nicht zuletzt kann Paris vom globalen Interesse an den Surrealisten profitieren. So spielte Renée Magrittes „La Vengeance“ von 1936 aus der Sammlung von Francis Gross bei sechs Bietern 12,5 Millionen Pfund ein. Damit wurde die Arbeit zum teuersten Magritte, der je in Frankreich versteigert wurde. Insgesamt spielten bei Christie’s 82 angebotene Arbeiten 154 Millionen Pfund ein, 119 Millionen davon in London.

    Mehr: Auktion bei Ketterer: In Bestform: Der deutsche Kunstmarkt profitiert von der Angst vor einer Inflation

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