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Dresden

Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)

(Foto: AP)

Staatliche Kunstsammlungen Dresden Van-Laack-Hemden brachten Erika Hoffmann ein Vermögen – jetzt verschenkt sie 1200 Kunstwerke

Andy Warhol, Joseph Beuys, Günther Uecker: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) erhalten eine Kunstsammlung mit Werken berühmter Künstler.
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Düsseldorf Schon 1985 verkaufte das Ehepaar Hoffmann das Unternehmen van Laack – mit der Hemdenmarke hatten die beiden so ein Vermögen gemacht. Mit dem Geld bauten Erika und Rolf Hoffmann eine Kunstsammlung weiter aus – unter anderem mit Werken von Joseph Beuys und Günther Uecker. Die 1.200 Werke verschenkt Erika Hoffmann-Koenige jetzt an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD).

Beim Aufbau der Sammlung hatte die beiden nicht das Gefällige gereizt, sondern sie ließen sich von Regelverletzungen und Grenzüberschreitungen leiten. Bereits ab den 1960er-Jahren bauten beide zunächst von ihrem Wohnort in Mönchengladbach, später dann aus Köln Kontakte in die rheinische Kunstszene auf. Die Sammlung ist derzeit in Berlin zu sehen und soll in den kommenden fünf Jahren an die Elbe umziehen.

Werke der Malerei, Skulptur, Installation, Zeichnung, Film- und Videokunst gehören Erika Hoffmann-Koenige, ihr Mann war 2001 verstorben. Die Ausstellungsstücke sollen allen 16 Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über Epochen- und Gattungsgrenzen hinweg für neue Konstellationen und auch für Forschungsansätze zur Verfügung stehen.

Die Verbindung der Hoffmanns zur prachtvollen Kunststadt Dresden ist alt. Unmittelbar nach der Wende hatte das Ehepaar die Museen und Bürger Dresdens mit dem Angebot überrascht, auf eigene Kosten eine Kunsthalle zu errichten. Sie sollte internationale zeitgenössische Kunst in Sachsens Hauptstadt bringen – ein Bereich, der in der DDR-Zeit nicht angelegt werden konnte und deshalb in den Museen weitgehend fehlte.

Mit Museumsentwurf für Dresden gescheitert

Die Sammler hatte auch gleich einen Architekturentwurf zur Hand. Der amerikanische Künstler Frank Stella hatte aus Freundschaft zu den Hoffmanns einen Bau entworfen, der sich poppig bunt und tentakelartig räumlich ausgreifend von allem unterschied, was das Klassik verliebte Dresden an Baukultur zu bieten hat.

Die Stiftung wurde indes in Bausch und Bogen abgelehnt. Die Bevölkerung sah in Stellas Entwurf weniger eine Antwort auf das Verspielte im Rokoko, sondern einen Eingriff in die heile Welt zwischen Residenzschloss und Zwinger, die nach den Kriegszerstörungen wiederaufzubauen, so viel Kraft gekostet hatte.

Nach dem Scheitern in Dresden orientierten sich Erika und Rolf Hoffmann nach Berlin und richteten sich mit einer weitläufigen Wohnung und noch großzügigeren Sammlungsräumen in der ehemaligen Nähmaschinenfabrik in den Sophie-Gips-Höfen ein. In wechselnden Ausstellungen ist die Sammlung nach Voranmeldung samstags öffentlich zugänglich.

„Wenn die Sammlung Hoffmann jetzt in die der Staatlichen Kunstsammlungen integriert wird, ist das zwar etwas völlig anderes als das, was wir damals beabsichtigten“, so Erika Hoffmann-Koenige. „Es erfüllt aber den ursprünglichen Wunsch nach einem Dialog mit der Kunst über Grenzen und Generationen hinweg.“

Auch Werke von Andy Warhol dabei

Die Künstlerliste der Schenkung liest sich wie ein „Who is Who“ der tonangebenden Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart: Jean-Michel Basquiat, Pipilotti Rist, Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans, Cy Twombly und Andy Warhol. Heute sind sie die den Kunstmarkt beherrschenden Figuren. Aber als die Hoffmanns erste Arbeiten kauften, waren die Künstler noch weitgehend unbekannt und ihre Werke günstig zu erwerben.

„Die Sammlung Hoffmann ist eine Ausnahmeerscheinung unter den großen privaten Kunstsammlungen der Welt,“ sagt Marion Ackermann, Generaldirektorin der SKD. „Nicht zuletzt zeichnet sich die Sammlung durch den offenen Blick und die philosophische Reflexion der beiden Sammler aus.“

Wichtige Werke seien vertreten von internationalen wie von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, die Lücken in der Kunstgeschichtsschreibung schließen können, freut sich Ackermann über die zweite große Schenkung in ihrer Amtszeit. 2016 hatte der Berliner Sammler Egidio Marzona sein Archiv und einen Teil seiner Kunstsammlung den Staatlichen Museen Dresden und nicht Berlin geschenkt.

Marion Ackermann implementiert die Vernetzungsidee des 21. Jahrhunderts erfolgreich in ihrem Museumsverbund. Diesen in die Zukunft gerichteten Ansatz schätzen offenbar auch Sammler und Sammlerinnen. Damit sind SKD auf dem Weg, sich als Zentrum nicht nur der Alten Kunst, sondern auch der zeitgenössischen Kunst zu etablieren.

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