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Streit um Mondrian-Bilder Indizien sprechen für den Verbleib in Krefeld

Der Erbe Piet Mondrians erhebt Ansprüche auf vier Arbeiten des niederländischen Malers, kann sie aber nicht beweisen. Die Gemälde haben ihren Platz im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld. Ein Gutachten erhellt die Herkunftsgeschichte ein wenig.
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„Tableau No. VII“, „Tableau No. X“, „Tableau No. XI“ (alle 1925) und „Komposition IV“ (1926) gehören zur Sammlung der Kunstmuseen Krefeld. Nachfahren des Mondrian-Erben Harry Holtzman haben die Herausgabe der Kunstwerke gefordert. Quelle: Stadt Krefeld/Presse und Kommunikation/Andreas Bischof
Piet Mondrian

„Tableau No. VII“, „Tableau No. X“, „Tableau No. XI“ (alle 1925) und „Komposition IV“ (1926) gehören zur Sammlung der Kunstmuseen Krefeld. Nachfahren des Mondrian-Erben Harry Holtzman haben die Herausgabe der Kunstwerke gefordert.

(Foto: Stadt Krefeld/Presse und Kommunikation/Andreas Bischof)

KrefeldVier millionenschwere Gemälde des niederländischen Malers Piet Mondrian (1872-1940) bleiben im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld. Das hat Oberbürgermeister Frank Meyer am Dienstagnachmittag bestätigt. „Es besteht kein Herausgabeanspruch an die Nachfahren Harry Holtzmans in den Vereinigten Staaten“.

Harry Holtzman wurde 1940 Mondrians Erbe. Er war als amerikanischer Freund auch ein Unterstützer in der Zeit des Exils des kommunistischen Malers. OB Meyer stützt sich in seiner Ablehnung auf ein von der Stadt beauftragtes Gutachten zur Herkunftsgeschichte der abstrakten Bilder.

Seit 2011 drängt der Anwalt des Holtzman Trusts auf die Herausgabe der „Tableau“ genannten Bilder Nummer VII, X und XI aus dem Jahr 1925 und einer „Komposition IV“ von 1926. Die kleinen Gemälde des Vaters der geometrischen Abstraktion waren 1929 mit vier weiteren Mondrian-Gemälden für eine Ausstellung in Krefeld.

Wer war an der Transaktion in den späten 1920er-Jahren beteiligt? Das Provenienzgutachten von Katja Terlau und Vanessa-Maria Voigt fördert zwar keine Kaufquittungen zutage; doch „eine Fülle von Indizien“, wie sich Rechtsbeistand Peter Raue auf der Pressekonferenz ausdrückte.

Deren wichtigstes ist eine Briefstelle aus dem Jahr 1931. Da bekennt Mondrian: „Ich verfüge über keine Arbeiten mehr in Deutschland." Mondrian habe nie Anspruch auf die acht Bilder in Krefeld erhoben, so der Rechtsanwalt.
Vier Gemälde dieser Werkgruppe tauschte Paul Wember, der Museumsdirektor der Nachkriegszeit, laut Inventarbuch ein, vor allem gegen Graphik von Pablo Picasso, Paul Klee und Joan Miro.

Blick in die Ausstellung

"Von Albers bis Zukunft". Im Zentrum des Interesses: die vier abstrakten Gemälde Piet Mondrians.

(Foto: Stadt Krefeld/Presse und Kommunikation/Andreas Bischof)

Raue basiert den Krefelder Anspruch auch auf den Catalogue Raisonné zu Piet Mondrian. Diesen Werkkatalog veröffentlichte Michel Seuphor 1953 auf französisch noch ohne die Krefelder Bilder. Museumsdirektor Paul Wember informiert den Franzosen über seinen Bestand. In der ins Deutsche übersetzen Neuauflage sind die Arbeiten dann enthalten. Die minimalistisch aufgebauten Bilder aus wenigen Streifen und kleinen Farbflächen waren auch auf der zweiten Documenta 1959 zu sehen. Sie kommen auch im 1963 veröffentlichten Bestandskatalog des Kaiser-Wilhelm-Museums vor.

Damit ist für Peter Raue klar: „Mondrian hat sein Eigentum an einen Dritten abgegeben.“ Doch wer konkret der Käufer war und wie die Bilder rein praktisch ins Kaiser-Wilhelm-Museum kamen, bleibt auch mit dem 90-Seiten-Gutachten im Dunkeln.

Auch die Gegenseite hat schwache Argumente. Rechtsanwalt Gunnar Schnabel vertritt den Holtzman Trust. Er klagt auf Herausgabe, ohne mit einem Dokument beweisen zu können, dass Mondrian am Ende seines Lebens noch der Eigentümer der Bilder war. Dazu kommen die Verjährungsfristen.

Lückenhafte Geschichte

Die Provenienzforscherinnen konnten ein paar Details in der unübersichtlichen Werkgeschichte beisteuern, ohne sie restlos zu erklären. Die vorgestellten Indizien führen zu zwei Förderern der modernen Kunst. Museumsdirektor Max Creutz plante eine Wanderausstellung abstrakter Kunst. Dort wollte er neben anderen Künstlern auch Piet Mondrian zeigen. Doch die Nationalsozialisten gewannen an Boden, die Avantgarde geriet in Misskredit. Mitte 1929 sagte Creutz die Ausstellungstournee ab. „In Deutschland will man jetzt mehr deutsche und populäre Kunst sehen“, schrieb er an seine Mitstreiterin, die Sammlerin Katherine Dreier.

Creutz war selbst Sammler. In den späten zwanziger Jahren hatte er zwei der Mondrian-Abstraktionen bei sich zu Hause hängen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Erich Raemisch als Käufer aufgetreten war. Der Textilunternehmer war auch ein Verehrer der Moderne. Er besaß Werke von Paul Klee, Picasso oder Fernand Leger. „Ob auch Arbeiten von Mondrian darunter waren, ist nicht bekannt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die astronomischen Marktpreise für Mondrians puristische Werke befeuern solche Rechtsanwaltsfehden. Ein einzelnes Rasterbild kann in einer Versteigerung schon mittlere achtstellige Kaufpreise erzielen.

Mehr: Wenn Kunst abgeschrieben wird: Lesen Sie hier, über ein Millionenwerk von Kasimir Malewitsch, das als falsch entlarvt wurde. Und wer ermittelt – Steuerfahnder oder Staatsanwälte?

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