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Streit zwischen Händler und Oligarch Kunstmarktkrimi in Monaco wird zur Staatsaffäre

Die gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Milliardär Dmitri Rybolowlew und dem Kunsthändler Yves Bouvier zieht immer weitere Kreise.
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Die Versteigerung des Christus-Porträts für 450,2 Millionen Dollar hält den zornigen Milliardär nicht vom Prozessieren ab. Quelle: Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“

Die Versteigerung des Christus-Porträts für 450,2 Millionen Dollar hält den zornigen Milliardär nicht vom Prozessieren ab.

(Foto: Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa)

Paris Vom Strohfeuer zum Waldbrand entwickelt sich der Kunstmarktkrimi zwischen dem Kunsthändler Yves Bouvier und seinem Kunden Dmitri Rybolowlew. Schlag auf Schlag ging der russisch-zypriotische Oligarch Anfang 2015 vor: Zuerst erstattete er eine Anzeige gegen seinen Lieferanten Bouvier in Monaco, weil der ihm die Kunst zu überhöhten Margen verkauft haben soll.

Dann folgten die Festnahme und Untersuchungshaft von Bouvier sowie die Anklage wegen Betrugs. Bouvier hatte Rybolowlew 37 außergewöhnliche Gemälde und Möbel für fast zwei Milliarden Franken verkauft.

Im letzten Sommer informierte das französische Onlineportal Mediapart, dass die monegassische Polizei und Justiz scheinbar in den Fall zwischen dem Kunstinvestor Rybolowlew und seinem Händler Bouvier involviert sei. Das führte zum Rücktritt des monegassischen Justizministers Philippe Narmino. Die Klage wegen überzogener Margen weitete sich damit zum „Monacogate“ aus.

Der Milliardär Rybolowlew, Haupteigentümer des Fußballklubs AS Monaco und damit Gesprächspartner von Fürst Albert II. von Monaco, schaltete die junge Rechtsanwältin Tetiana Bersheda ein, nachdem der Zwischenhändler Sandy Heller ihm eingeflüstert hatte, Yves Bouvier habe zwischen 2003 und 2014 astronomische Margen für seine Kunstvermittlung einkassiert.

Der heute 51-jährige Oligarch betrachtete Bouvier nur als Zwischenhändler, der für eine zweiprozentige Vermittlungsgebühr arbeiten sollte. Bouvier stellt sich dagegen als Kunsthändler dar, der frei über seine Preisgestaltung verfügen kann.

Er erstattete Anzeige gegen Yves Bouvier. Quelle: picture alliance/dpa
Dmitri Rybolowlew

Er erstattete Anzeige gegen Yves Bouvier.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ende 2017 stieg in New York der nur teilweise von Leonardo da Vinci gemalte „Salvator Mundi“ mit einem Preis von 450,2 Millionen Dollar zum weltweit teuersten Gemälde auf. Yves Bouvier hatte die Christus-Darstellung für circa 80 Millionen Dollar durch Vermittlung von Sotheby’s erworben und seinem Kunden für 127,5 Millionen weiterverkauft.

Danach erwarteten die großen Kunstmarktakteure eine gütliche Einigung zwischen dem zornigen Milliardär und seinem – nach weltweit geführten Prozessen – finanziell geschwächten Lieferanten.

Doch trotz des satten Reingewinns wünscht der Russe weiterhin Einblick in die Verhandlungsprotokolle zwischen Yves Bouvier und Sotheby’s. Laut Presseberichten kamen 14 von 37 an Rybolowlew verkaufte Gemälde durch Sotheby’s Vermittlung zustande. Ein New Yorker Richter gab am 11. Juni dieses Jahres die Erlaubnis zur Einsicht in Sotheby’s Unterlagen. Das Auktionshaus legte sofort Berufung ein.

Monsieur Bouvier sprach anlässlich unseres Handelsblatt-Interviews 2016 ganz offen über seine privilegierten Geschäftsbeziehungen zu Sotheby’s. Da die Privatvermittlungen der Auktionsgiganten dem Geschäftsgeheimnis unterliegen, wünscht das Versteigerungshaus verständlicherweise Vertraulichkeit. Die respektiert der Oligarch wiederum nur für seine eigenen Agenden.

Die Rolle des Schweizer Kunsthändlers und Freeport-Betreibers hat die monegassische Justiz zu klären. Quelle: Jerome CHATIN/EXPANSION-REA/laif
Yves Bouvier

Die Rolle des Schweizer Kunsthändlers und Freeport-Betreibers hat die monegassische Justiz zu klären.

(Foto: Jerome CHATIN/EXPANSION-REA/laif)

Auf die jüngste Anfrage des Handelsblatts, welche Möbel der Investor 2007 für insgesamt 25 Millionen Euro erwarb, antwortete Rybolowlews Family Office nur das Übliche: „Kein Kommentar möglich.“ Erstaunlicherweise wurden diese Ankäufe bis jetzt nur einmal erwähnt.

Bloomberg zufolge ist ein in den USA laufendes Strafverfahren gegen Yves Bouvier nach dem Megazuschlag von Leonardo da Vincis „Retter der Welt“ eingestellt worden.

In Monaco gehen die Untersuchungen wegen Betrug gegen Bouvier zwar weiter, aber die illegale Veröffentlichung von Untersuchungsprotokollen in der Presse kehrt die Vorzeichen nun um: Denn die Rechtsanwältin Tetiana Bersheda hat scheinbar ab Februar 2015 per SMS mit zwei hochgestellten monegassischen Polizisten „Küsschen“ ausgetauscht, um das Szenario der Festnahme von Bouvier in Monaco zu verabreden.

Mit dem monegassischen Justizminister und dessen Frau korrespondierte Bersheda über ein gemeinsames Wochenende bei Rybolowlew im Schweizer Nobelskiort Gstaad, das erwiesenermaßen unmittelbar vor Bouviers Festnahme stattfand. Ein Schweizer Journalist bezeichnete dies schon 2015 als „suspekte Beziehung“ zwischen dem Oligarchen und dem Justizminister.

Kompromittierende SMS

Interessanterweise erstattete Anwältin Bersheda im April 2015 bei der monegassischen Polizei Anzeige wegen eines vermuteten Hackerangriffs auf ihr Handy. Namentlich nannte sie Bouvier und eine auf Cyberspionage spezialisierte Firma. Also musste sie annehmen, dass Bouvier über ihre (manipulierende) Tätigkeit informiert war. Sie ficht aber trotzdem an, dass sie belastendes Beweismaterial habe.

Der forsche, junge Untersuchungsrichter, der in Monaco den Fall Rybolowlew-Bouvier übernahm, verlangte das Mobiltelefon der Anwältin zur Überprüfung einer von ihr getätigten Tonaufnahme. Sie hatte 2015 ihr Handy benützt, um ein Gespräch mit Tania Rappo – der späteren Mitangeklagten von Bouvier – während eines Essens bei Rybolowlew aufzunehmen.

Bersheda legte die Aufnahme als Beweismaterial für die angebliche Komplizenschaft Bouvier-Rappo der monegassischen Polizei vor, was ihr als Versuch der Einflussnahme vorgeworfen wird.

Bei der Analyse des Handys entdeckte der Untersuchungsrichter die Bersheda scheinbar kompromittierenden SMS-Nachrichten. Trotz einer Klage der Anwältin gestattete ein Richter in Monaco die Einbeziehung der SMS und Telefonate im laufenden Verfahren.

Derzeit vermuten die in Monaco tätigen Richter offenbar, es sei Tetiana Bersheda Anfang 2015 gelungen, mehrere Polizisten und den damaligen Oberstaatsanwalt von Monaco, Jean-Pierre Dréno zum raschen Vorgehen gegen Yves Bouvier zu bewegen. Das führte am 8. Juli zur Anklage gegen den (inzwischen versetzten) Oberstaatsanwalt.

Sein ab Oktober 2015 amtierender Nachfolger Jacques Dorémieux verließ das monegassische Parkett diskret im Juni 2018, nachdem er mehrere Gespräche mit dem Untersuchungsrichter über die Justiz und deren Ethikbegriff im Ministaat geführt hatte, die teilweise in die Presse gelangten. Wann sein Posten neu besetzt wird, konnte sein Vertreter dem Handelsblatt nicht mitteilen.

Rybolowlews Pariser Anwalt Hervé Temime wettert gegen die derzeitige „Milde“ der monegassischen Justiz dem Angeklagten Bouvier gegenüber. Ziemlich machtlos und unentschlossen verwahrt sich Fürst Albert II. gegen die negative Berichterstattung und Korruptionsvorwürfe des „Monacogate“. Es könnte der Attraktivität des relativ reichsten Staates der Welt schaden.

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