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Thomas Struth Ordnungsversuch im Chaos

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Verschiedene Fotografien (2003) des Fotografen Thomas Struth in der Kunstsammlung NRW. Quelle: dpa

Verschiedene Fotografien (2003) des Fotografen Thomas Struth in der Kunstsammlung NRW.

(Foto: dpa)

Die Preise machen in den Achtzigern noch keine großen Sprünge. 3 000 DM veranschlagt der Kölner Galerist Max Hetzler für Struths Münster- und Tokyo-Porträts. Mit diesen noch in Schwarzweiß abgezogenen, kleinformatigen Städtebildern beginnt 1987 ihre Zusammenarbeit.

1990 wird alles anders. Struth ist auf Farbe und das große Format umgestiegen. Museen, Privatsammler und institutionelle Sammler werden auf ihn aufmerksam. Es ist der Beginn einer beachtlichen Preisentwicklung, die auf dem New Yorker Auktionsparkett im Herbst 2007 mit 1 Million Dollar in der Spitze ihren Zenit erreicht.

Dotcom-Millionäre sind es, die auf den internationalen Auktionen 1999/2000 für Rekordpreise für die Museumsbilder sorgen. Die Becher-Schule boomt damals, allen voran die Arbeiten von Struth und Gursky. Struth hat eine Zeit lang die Nase vorn. Die Taxen liegen etwa auf dem Niveau der Galeriepreise. 175.000 Dollar werden laut Artnet im Mai 2000 bei Sotheby’s für „Musée du Louvre 2“ (1989) bewilligt. In London klettert im Juni 2007 „National Museum of Art, Tokyo“ (1999) von geschätzten 440 000 bis 550 000 auf umgerechnet 910.000 Dollar.

Der Erfolg ruft die Dealer auf den Plan. Erfolgreiche Motive werden gehäuft eingeliefert. Dazu zählt der Rekordpreishalter seit November 2007, das Pantheon-Tableau, die Museums- und später die Dschungelbilder („Paradise“). Das Tempo, mit dem die „heiße Ware“ umgeschlagen wird, ist mitunter erstaunlich. Fünf Jahre zwischen Entstehungsjahr und Versteigerung sind gar nichts.

Einmal ist auch der Künstler unter den Käufern. Fast 100.000 Dollar muss Struth aufwenden, um bei Christie’s ein Exemplar aus der „Paradise 15 Yakushima, Japan“-Edition (1999) für sein eigenes Archiv zurückzukaufen (Nov. 2004). Aber es geht noch schneller. Höchstens drei Jahre brauchte das 1999 entstandene „Paradise 16, Yakushima/Japan“ bis es 2002 bei Christie’s eingeliefert wurde. Und das ist kein Einzelfall – bei diesem Aushängeschild der Düsseldorfer Fotoschule.
 

„Thomas Struth – Fotografien 1978 bis 2010“ 26. 2. bis 19.6., K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Weitere Stationen: London, Whitechapel Gallery (6.7.-16.9.); Porto, Museu de Serralves (14.10.-29.1.2012); Katalog: Schirmer/Mosel, 29,80, gebunden 58 Euro
www.kunstsammlung.de


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1 Kommentar zu "Thomas Struth: Ordnungsversuch im Chaos"

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  • Struth hat die Kamera zur richtigen Zeit auf die Objekte gerichtet, die sein, an den Kunstmarkt angepasstes Verhalten, bebildern. Waren es am Anfang Stadtaufnahmen von westdeutschen Städten, hat er, als alle von der Wiedervereinigung begeistert waren, gleich ein paar Fotos in Ostdeutschland gemacht. War dann schnell in Asien, photographierte noch ein Paar Blümchen, denn die kommen doch immer gut an, und machte Schnappschüsse von Leuten, die ihm den Weg nach Oben erleichterten. Seine Museumsphotos haben alle Kunsthistoriker begeistert und gleichzeitig kritiklos gemacht. Struths 'Arbeit' besteht darin, immer zur richtigen Zeit, die richtigen Freunde zu haben und die richtigen Kunsthändler: die Dinge im und für das System 'richtig' zu machen. Zur rechten Zeit zu heiraten, zur rechten Zeit von Düsseldorf nach New York und dann nach Berlin zu ziehen. Sein angepaßtes Verhalten, mit Abitur und Studium, auf das Eltern stolz sein können und auch den internationalen Kunsthandel nicht stört, wird belohnt. Eine eigene Position, wie wieder in den neuen Industrieaufnahmen deutlich sichtbar, hat Struth nie eingenommen. Wie könnte er auch. Er hat nie sein eigenes Leben gelebt, eigene unverwechselbare Erfahrungen gesucht. Oder eine eigenständige Position eingenommen. Er hat sich angepasst. Seine Fotos machen das sichtbar. Die Motive sind beliebig, auswechselbar, vergleichbar mit Fotos die Werbeagenturen benutzen und haben mit Kunst nichts zu tun. Auch wenn seine Fotos in Kunstmuseen gezeigt werden, ist Struth kein Künstler. Da half auch der revolutionäre Rauschebart nicht, den er sich extra für die Eröffnung in Düsseldorf hatte wachsen lassen. Seine Aufnahmen, wenn auch nicht digital bearbeitet, haben kein Rückgrat. Struth hat keine Haltung. So wird man heute erfolgreich. Vor langer Zeit schrieb Goethe: 'Man muss erst jemand sein, bevor man etwas tun kann'.