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Über das possierliche Treiben in der fünften Jahreszeit Gefährlich für nicht fluchtfähige Weibchen

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Da kann jemand einen Pups lassen, es wird garantiert gegackert. Sollte man sich noch fragen, wie wohl der Himmel für suboptimal talentierte Komödianten und Witzereißer aussieht, schaue man sich nur einmal dieses possierliche Treiben an.

Parallel zur Entwicklung der Gackerneigung lässt mit zunehmender Stunde und ebensolchem Promillepegel allerdings die Standkraft nach, was sich dadurch zeigt, dass die Mehrheit der Anwesenden zunehmend hin und her wankt. Dies wird jedoch nicht als Mangel an Gleichgewichtssinn erkannt.

Vielmehr wird das Schwanken ritualisiert und im Sitzen als „fröhliches Schunkeln“ ausgegeben. Vergrößert wird diese ritualisierte Stabilitätsstörung dadurch, dass sich die Karnevalisten gegenseitig schwere Metallgewichte um den meist stiernackigen Hals legen, was nach einiger Zeit einen aufrechten Gang gänzlich unmöglich macht.

Meist fällt in diese vorangeschrittene Tageszeit auch eine Veränderung des Blickverhaltens. Die Augen rollen wild in den Höhlen, es wird noch mehr geschwitzt. Langsam lösen sich auch die goldenen Knöpfe und geben den Blick frei auf dringlich gegen wehrlosen Stoff drückende Körperwülste.

Ab diesem Moment wird es gefährlich für alle nicht fluchtfähigen Weibchen, die nunmehr lediglich noch als Paarungsobjekt eingestuft und entsprechend behandelt werden. Allerdings sind die Männchen in der Regel nur für die Jagd über extreme Kurzstrecken gebaut, weshalb sie meist schnell erfolglos vom Opfer ablassen.

Irgendwann spät in der Nacht torkelt das aufgelöste Wesen dann zurück in seinen Bau, wo das bei den Jungen zurückgebliebene Weibchen mit ausführlichen Erzählungen aller geleisteten Heldentaten versorgt wird.

Das alles wiederholt sich in den kommenden Wochen in immer kürzerer Frequenz so oft, bis das Männchen zur höllenroten Topform aufgelaufen ist, bis ihm die Äderchen aus der Gesichtshaut zu fliehen drohen und der Hals unter der einem Kleinwagen ähnelnden Metalllast gefährlich gebeugt bleibt.

Doch da nach eiserner Karnevalsregel alles außer der Wurst und dem Spulwurm ein Ende hat, findet auch das närrische Treiben irgendwann zum Schluss. Kurz nach dem Höhepunkt im Frühjahr verschwinden fast alle Männchen von der Bildfläche, und wenn man trotzdem mal eines antrifft, dann ist es meist extrem grantig, angriffslustig und hinterhältig.

Das, liebe Naturfreunde, hat natürlich einen Grund. Schließlich ist nur einmal im Jahr Karneval.

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