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Unterbewertete Sammelgebiete – Teil 1 Sammeln für's kleine Budget: Diese Kunst könnte sich lohnen

Wenn Altmeistergemälde und japanische Farbholzschnitte aus der Mode kommen, schlägt die Stunde der Entdecker. Marktbereiche im Überblick.
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Das Triptychon erzielte dieser Tage in einer Christie's-Auktion 25.000 Pfund. Quelle: Christie's
Utagawa Hiroshige: „Mitsukini kämpft gegen das Gespenst“

Das Triptychon erzielte dieser Tage in einer Christie's-Auktion 25.000 Pfund.

(Foto: Christie's)

Berlin Erfolgreiches Sammeln ist nicht nur eine Domäne der Superreichen, die sich mit Investitionslust auf „Blue Chips“ des Marktes wie Andy Warhol, Francis Bacon, Gerhard Richter, Jeff Koons stürzen. Jenseits ausgetretener Pfade gibt es immer noch Möglichkeiten, eine Sammlung aufzubauen, die mit Entdeckungen und Neubewertungen widerlegen kann, dass Kunstsammeln nur eine Geldfrage ist.

Es gibt viele Sammelgebiete, die zurzeit zyklisch außer Mode sind, aber zeitlose kunsthistorische und ästhetische Relevanz besitzen, die Kennerschaft fördert und Sammellust stillt. Es gibt ganze Marktbereiche, die von der Generation Glamour kaum eines Blickes gewürdigt werden.

Zu den bleibenden Werten gehören vor allen anderen Altmeistergemälde. In diesem Marktsektor, der bis Mitte des 20. Jahrhunderts allen anderen überlegen war, hat sich in den letzten 20 Jahren ein starker Geschmackswandel vollzogen.

Vieles, was dem Bildungsbürgertum heilig war, findet keine Gnade mehr. Dazu gehören weite Bereiche niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts: Landschaften, Stillleben, Tiermalerei, biblische Historien, das deftige Bauerngenre.

Nicht nur Kleinmeister der zweiten Riege, sondern selbst erste Namen wie Jan van Goyen, Philips Wouwerman, Balthasar van der Ast, Adriaen van Ostade sind kaum noch gefragt. Mit sicherem Blick und moderatem Einsatz lassen sich hier substanzielle Werke erwerben.

Bescheidenes Preisniveau

Langsam beginnen sich die Preise für Stillleben zu erholen. Im Fokus stehen Ausnahmewerke wie das makellose Blumenstück von Ambrosius Bosschaert d. Ä., ein neu entdecktes Tafelbild, das im Juni 2019 im Pariser Hotel Drouot für 3,3 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Jenseits solcher Spitzenwerke gibt es noch genug Möglichkeiten, charaktervolle Werke etwa von Jacob van Hulsdonck, Johannes Bosschaert, Jan Fris oder Simon Luttichuys für 30.000 bis 120.000 Euro zu erwerben.

Dass Werke der Rembrandt-Schule, selbst wenn es sich um anonyme Maler handelt, hoch im Kurs sind, hat sich herumgesprochen. Gleiches gilt für niederländische Caravaggisten, die jüngst in Ausstellungen in München und Utrecht gefeiert wurden. Symptomatisch sind die 615.000 Pfund, die im Juli bei Sotheby’s für ein museales, kurz zuvor restituiertes Großformat von Matthias Stomer erzielt wurden.

An der Spitze der Auktionspreise für niederländische Caravaggio-Nachfolger liegen noch immer die 7,5 Millionen Dollar, die Sotheby’s im Januar 2015 für die „Musikanten an der Balustrade“ des Utrechters Gerard Honthorst einnahm.

Italienische Caravaggisten wie B. Cavarozzi, Bernardo Strozzi, Domenico Feti, Artemisia Gentileschi sind hoch im Kurs. Dagegen nehmen sich die Preise für markante italienische Barockmalerei anderer Schulen eher bescheiden aus. Unterbewertet sind viele Repräsentanten der Bologneser Malerei. Moderate Preise haben noch Werke von Simone Cantarini, Carlo Cignani, Donato Creti und selbst Il Guercino, einer der führenden Maler der Schule von Bologna, gehört mit meist im Wiener Dorotheum erzielten Auktionspreisen von 150.000 bis 412.000 Euro noch nicht zu den absoluten Marktfavoriten. Ein Richtwert für die anderen Maler sind die 87.500 Euro, die eine „Heilige Familie“ von Simone Cantarini im Juli bei Christie’s erzielte.

Absolut unterbewertet sind zurzeit italienische Stillleben des 17. Jahrhunderts. So erzielten hochattraktive Gemälde von Pietro Bonzi, Giusepe Recco und Bartolomeo Castelli in den Londoner Frühjahrsauktionen lediglich 12.500 bis 51.000 Euro. Schon der im besten Sinne dekorative Charakter dieser Malerei legt künftige Wertsteigerung nahe.

Mit 87.500 Euro ist die „Hl. Familie“ moderat bewertet. Ein Preisbeispiel für italienische Barockmalerei. Quelle: Christie's
Simone Cantarini

Mit 87.500 Euro ist die „Hl. Familie“ moderat bewertet. Ein Preisbeispiel für italienische Barockmalerei.

(Foto: Christie's)

Bei der Malerei des 19. Jahrhunderts erleben wir eine heterogene Marktentwicklung. Im Aufwind ist die romantische Schule der ersten Jahrhunderthälfte. Hier gibt es einen starken Konsum in der Niedrigpreissparte kleinformatiger Landschaftsbilder vor allem der Dresdener Schule. Daneben ist alles das wohlfeil, was einmal als Höhepunkt der Epoche galt: die Genreszenen, Historien und sozialkritischen Bilder der Düsseldorfer Schule. Gute Beispiele sind zu niedrigen fünfstelligen Summen zu haben, auch keineswegs zweitrangige Gemälde der Münchener Schule.

Preise für holländische Romantiker im Tal

Wer sich für Werke der sogenannten niederländischen Romantiker erwärmen kann, kann aus dem Vollen schöpfen. Nach einer kurzfristigen Spekulationswelle, die vor zehn Jahren schlagartig abebbte, sind die Preise im Tal. Ein Paradebeispiel: Die gefälligen Stadtansichten von Willem Koekkoek werden jetzt in den Auktionen für 30.000 bis 50.000 Euro angeboten. Vor knapp 20 Jahren wurden bis zum Zehnfachen dieser Notierungen erwartet. Auch Meister der Schule von Barbizon wie Narcisse Diaz de la Pena, Jules Dupré, Henri-Joseph Harpignies, Théodore Rouseau genießen nicht mehr die verdiente Anerkennung als Vorreiter des Impressionismus. Hier gibt es in französischen Versteigerungen immer wieder Gemälde, die deutlich unter 5.000 Euro notieren.

Die internationale Schar der Handzeichnungen-Sammler gehört zum Kreis der Forschenden und Wissenden. Doch es gibt auch in diesem spannenden Sammelfeld immer noch Unterbewertetes, vor allem wenn man es in Relation zu den Hochpreisen für deutsche Handzeichnungen des frühen 19. Jahrhunderts setzt. Immer wieder ergeben sich hier, gerade wenn man Altmeisterblätter in Relation zu modernen Favoriten stellt, klare Missrelationen. Eine klassische Watteau-Rötelzeichnung, die jüngst bei Sotheby’s 375.000 Pfund erzielte, ist im Vergleich etwa zu den 1,5 Millionen Dollar, die ein Porträtpastell des angesagten japanischen Malers Yoshimito Nara im Mai in New York erzielte, geradezu ein Geschenk.

375.000 Pfund für diese klassische Rötelzeichnung – im Vergleich mit Millionenresultaten für zeitgenössische Kunst ist das ein Schnäppchen. Quelle: Sotheby's
Jean Antoine Watteau

375.000 Pfund für diese klassische Rötelzeichnung – im Vergleich mit Millionenresultaten für zeitgenössische Kunst ist das ein Schnäppchen.

(Foto: Sotheby's)

Besonders bei Handzeichnungen der italienischen Schulen gibt es noch genug Chancen, eine gehaltvolle Sammlung aufzubauen. Nehmen wir nur einige Künstler aus der jüngsten Londoner Handzeichnungen-Auktion von Christie’s: Der Venezianer Palma il Giovane, die Veroneser Paolo Farinati und Marcantonio Basseti, der Neapolitaner Luca Giordano sind absolut unterbewertet. Das gilt auch für exzellente Zeichner der neoklassizistischen Ära: Maro Gandolfi, Luigi Sabatelli, Bartolomeo Pinelli. Viele ihrer Arbeiten sind noch unter 10.000 Euro zu haben.

Die Auktionen gehaltvoller Altmeistergraphik, wie sie jährlich zweimal in London und bei Bassenge in Berlin stattfinden, haben ihre unerschütterlichen Favoriten. Als Christie’s im Juni eine Onlineauktion nur mit Werken des nordischen Dreigestirns Dürer, van Leyden, Rembrandt durchführte, fehlte als vierte Marktsäule eigentlich nur noch Martin Schongauer. Die Blätter wurden lückenlos abgesetzt. Und für einen posthum überarbeiteten Abzug von Rembrandts „Hundertguldenblatt“ wurden erstaunliche 47.500 Pfund geboten. Um wie viel günstiger sind da Blätter italienischer Meister, von denen hier G.B. Castiglione, Salvator Rosa und Pietro Testa hervorzuheben sind, oder auch die skrupulös gearbeiteten Radierungen des großen Franzosen Claude Gelée.

Blätter von Hokusai am teuersten

Ein attraktives Sammelgebiet, in dem es noch reichlich Fundstücke gibt, ist der japanische Farbholzschnitt des frühen 19. Jahrhunderts. Wenn wir eine gut sortierte Christie’s-Auktion aus diesen Julitagen zugrunde legen, sind nach wie vor Blätter von Hokusai am teuersten. Aber es gibt genug Beispiele in der Preisregion unter 10.000 Euro. Etwa die stark farbigen Landschaftsdarstellungen von Utagawa Hioshige, die erotischen Shunga-Blätter von Keishi Eisen und die Theatermotive von Utagawa Kunisada, die 1.000 bis 5.000 Euro kosten.

Auch von Utagawa Kunioyoshi, von dem das charismatische Triptychon eines Gerippemonsters 25.000 Pfund erlöste, sind die meisten Blätter unter 5.000 Pfund zu haben. Die Impressionisten haben die japanischen Holzschneider verehrt. Große Sammler wie der Pariser Goldschmied Henri Vever oder der Münsteraner Holzfabrikant Theodor Scheiwe haben es vorgelebt. Passionierte Nachfolger können noch immer aus dem Vollen schöpfen.

Mehr: So war das Kunstjahr 2018. Lesen Sie hier über Geschmackswandel, Show-Effekte und ein verändertes Kaufverhalten.

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