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Versteigerung im Netz Christie's strapaziöser Auktionsmarathon

Christie’s musste seine Saalauktionen für die höchste Qualitätsstufe wie die Mitbewerber virusbedingt in New York absagen. Die neue digitale Hybridform auf drei Kontinenten überzeugt aber noch nicht ganz.
18.07.2020 - 16:12 Uhr Kommentieren
Die Auktionatorin versteigert in Paris. Quelle: Christie's Ltd. 2020
Cécile Verdier

Die Auktionatorin versteigert in Paris.

(Foto: Christie's Ltd. 2020)

London Wer Auktionen gerne im Rückblick vergleichend analysiert, kommt in dieser Frühjahrs- und Sommer-Saison nicht sehr weit. Zu unterschiedlich snd die Wege, die die verschiedenen internationalen Auktionshäuser nicht nur mit ihren Verkaufsformaten, sondern auch mit ihren Terminen, Angeboten und deren medialen Vermittlung gehen.

Christie’s versuchte am Freitag vergangener Woche mit der sogenannten ‘One’-Auktion radikal neue Wege. Mitbewerber Sotheby’s hatte kurz zuvor „live“ mit einem Auktionator eine einheitliche Auktion professionell und visuell elegant vermittelt – obwohl Zeremonienmeister Oliver Barker in seiner Kommandozentrale mit den Standorten London, New York und Hongkong per Screen verbunden war. Christie’s indes arrangierte vier aneinandergereihte Mini-Auktionen mit Kunst des 20. Jahrhunderts in vier verschiedenen Ländern.

Christie‘s wollte bewusst seine globale Ausrichtung visuell manifestieren und alle wichtigen Kunststandorte aktiv mit einbeziehen. So ging es von Hongkong, über Paris und London nach New York – jeweils mit eigenem Auktionator und in der jeweiligen Landeswährung, was für Bieter und Zuschauer extrem verwirrend war.

Leider war schon der Beginn der Versteigerung extrem holprig, da die Auktion mit fast einer Stunde Verspätung anfing. Bei den ersten Losen war selbst der Auktionatorin Elaine Kwok nicht immer klar, woher die Gebote kamen. Die zehn Lose waren dann aber dennoch schnell versteigert. Die Übertragung ging weiter nach Paris, wo Auktionatorin Cécile Verdier ebenfalls nicht immer souverän wirkte.

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    London konnte sich auf den erfahreneren Jussi Pylkkänen verlassen. Christie‘s Global President war aktiv daran beteiligt, Henri Magrittes Gemälde von 1962, „L’Arc de Triomphe”, für die Londoner Auktion zu sichern. Und es gelang ihm, die auf 8 bis 12 Millionen Dollar geschätzte Arbeit auf 22,4 Millionen US-Dollar zu führen. Sie ging an einen amerikanischen Telefonbieter. Damit versuchte das Haus an die Tradition der in den letzten Jahren sehr erfolgreichen Surrealistenauktionen anzuknüpfen.

    In den letzten Jahren sind die Preise für den vor allem in den USA geschätzten Künstler immer stärker angezogen. „Four Pinball Machines“ von 1962 kam auf 19,1 Millionen US-Dollar. Quelle: VG Bild-Kunst2020/Christie’s Images LTD.2020
    Wayne Thiebaud

    In den letzten Jahren sind die Preise für den vor allem in den USA geschätzten Künstler immer stärker angezogen. „Four Pinball Machines“ von 1962 kam auf 19,1 Millionen US-Dollar.

    (Foto: VG Bild-Kunst2020/Christie’s Images LTD.2020)

    Der fast vierstündige Auktionsmarathon mit nur 79 Arbeiten zeigte aber auch: Nach wie vor liegt die Spitze von Angebot und Nachfrage im Auktionsmarkt in New York, wo die wirklich wertvollen Arbeiten amerikanischer Künstler gehandelt werden. Hier wurde das Toplos der Auktion, Roy Lichtensteins Spätwerk „Nude with Joyous Painting“ von 1994 für 46,2 Millionen US- Dollar an einen Bieter aus Hongkong verkauft. Der Schätzpreis war nur auf Anfrage mitgeteilt worden. Er hatte bei um 30 Millionen US-Dollar gelegen.

    Die weiteren achtstelligen Millionenbeträge spielten amerikanische Schwergewichte wie Ed Ruscha, Brice Marden und Barnett Newman ein. Dessen 1952 entstandene Arbeit „Onement V“ erzielte am unteren Ende der Taxe von 30 bis 40 Millionen Dollar 31 Millionen. Es handelte sich bei der in blau gehaltenen, spannungsvollen, frühen Abstraktion um die letzte Arbeit dieser Serie aus Privatbesitz; alle weiteren befinden sich in Museen.

    Rekordpreis für Wayne Thiebaud

    Brice Mardens „Complements“, entstanden zwischen 2004 und 2007 verkaufte sich zum gleichen Preis ebenso an einen vermutlich amerikanischen Kunden des neuen Chairmans Alex Rotter. Die Schätzung hatte hier etwas niedriger bei 28 bis 35 Millionen US-Dollar gelegen. Die Arbeit spielte einen neuen Weltrekord für den Künstler ein.

    Nicht überraschend kam der zweite Weltrekord in New York für eine 1962 geschaffene Arbeit des vor allem in den USA geschätzten Wayne Thiebaud, dessen Preise in den letzten Jahren immer stärker anzogen. „Four Pinball Machines“ von 1962, geschätzt auf sehr hohe 18 bis 25 Millionen, brachte zwar nur 19,1 Millionen US-Dollar, verdoppelte aber trotzdem den Weltrekord für den Künstler.

    Das Gesamtergebnis von 421 Millionen US- Dollar am oberen Ende der Vorabschätzung von 332 bis 444 Millionen US-Dollar liest sich positiv, 94 Prozent der Lose wurden verkauft. Mögliche Gründe für den Erfolg sieht Christine Bourron der Analysefirma Pi-eX in der Vielzahl der vorab garantierten Preise und in der Nachfrage der „hungrigen Käufer“ bei einer kleineren Auswahl an Arbeiten.

    Das Gemälde wurde für 22 Millionen Dollar versteigert. Quelle: Christie's/VG Bild-Kunst 2020
    Pablo Picasso „Les femmes d‘Alger (version ‚F‘)“

    Das Gemälde wurde für 22 Millionen Dollar versteigert.

    (Foto: Christie's/VG Bild-Kunst 2020)

    Aufschlussreich ist vor allem die Aufspaltung der Käufer nach Regionen. Zu 37 Prozent kamen diese laut Angabe von Christie‘s aus Amerika, zu 38 Prozent aus Europa mit dem Mittleren Osten und Afrika und zu 26 Prozent aus Asien. Das zeigt, dass Europa weiterhin nicht nur Einlieferungsort ist, sondern auch Abnahmekontinent. Man sollte die europäischen Sammler und deren Kaufkraft nicht unterschätzen. Schließlich kamen doch circa 50 Prozent europäische Künstler in der Auktion zum Aufruf; in Paris vor allem die französischen, in London vor allem die Spanier und Italiener.

    Cecile Verdier, Christie‘s Pariser Chefin, betont, dass in der schwierigen ökonomischen Lage die Attraktivität einer globalen Auktion einige Einlieferungen für Paris erst ermöglichte. Deutsche Kunst gab es fast gar nicht. Problematischer ist die Balance im Hinblick auf Asien. Die Einbeziehung Hongkongs als Station der Auktion trug wohl wesentlich dazu bei, dass asiatische Kunden die ganze Auktion hindurch stark mitboten und insgesamt 26 Prozent der Arbeiten ersteigerten.

    Chinesischer Malerstar fiel durch

    In Hongkong blieb allerdings die einzige Arbeit eines chinesischen Künstlers, ein Gemälde von Zao Wou-Ki, unverkauft und ist mittlerweile bereits aus dem Online-Katalog verschwunden. Eine weitere Arbeit von Zao Wou-Ki verkaufte sich allerdings im Rahmen der Schätzung in Paris. Kein weiterer chinesischer Künstler war im Angebot. Eine enttäuschende Statistik.

    In der Pressemitteilung listet Christie‘s auf, dass mehr also 80.000 Zuschauer die Auktion auf verschiedenen Online-Kanälen folgten, davon 60.000 in den soziale Medien in Asien. Diese Kunstfreunde werden in Zukunft sicher mehr asiatische Kunst auf internationalen Plattformen sehen wollen.

    Kunst ist weiterhin eine Anlageoption

    Der Mailänder Kunstberater Mattia Pozzoni steht der Auktion positiv gegenüber. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Gefühl der Hoffnung, das Christie’s dem Markt vermittelte. Leute sind eher geneigt, Arbeiten zu kaufen, wenn sie sehen, dass der globale Markt immer noch hier ist,“ sagt er dem Handelsblatt. Und der Markt an der Spitze ist in jedem Falle da und aktiv – wenn auch zurzeit dramatisch geschrumpft und mit Garantien abgesichert.

    Der Sekundärmarkt zeigt mit den Topauktionen, dass Geld in allen Teilen der Welt angelegt werden will – und dass Kunst weiterhin als interessante Anlageoption fungiert.

    Die neuen hybriden Formate sind teilweise erfolgreich. Digitale Optionen werden langfristig bleiben und hoffentlich in Kürze reibungsloser funktionieren. Christie’s kann sich hier einiges von Sotheby’s abschauen.

    Mehr: Auktionsmarkt: Sotheby's Prestigeversteigerungen vor der Kamera machen Furore

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