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Versteigerungen in New York Asiaten stützen die Top-Auktionen

Phillips, Christie‘s und Sotheby‘s bieten im Hochpreissegment nur eine kleine Auswahl, weil Sammler weniger einliefern. Am erfolgreichsten ist Phillips.
10.12.2020 Update: 10.12.2020 - 16:29 Uhr Kommentieren
Mit Verve sammelte der Brite starke 134,6 Millionen Dollar für nur 35 Lose ein. Und bescherte Phillips das beste Ergebnis der Sparte. Quelle: Thomas De Cruz Media: Haydon Perrior, Phillips
Henry Highley

Mit Verve sammelte der Brite starke 134,6 Millionen Dollar für nur 35 Lose ein. Und bescherte Phillips das beste Ergebnis der Sparte.

(Foto: Thomas De Cruz Media: Haydon Perrior, Phillips)

New York Nach Experimenten in über einem halben Dutzend Live Stream-Abendauktionen von hochpreisiger Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts seit dem Sommer, läuft im durchgerüttelten New Yorker Auktionskalender zumindest der technische Teil wie am Schnürchen. Der Live-Austausch zwischen den über mehrere Kontinente verteilten Experten an den Telefonen klappt inzwischen reibungslos und wie selbstverständlich. Anfängliche Pannen sind überwunden, unsinnige aufgeregte Mätzchen, die den Unterhaltungsfaktor für ein globales Laienpublikum heben sollten, wurden zum Glück aufgegeben. 

Diese letzte New Yorker Versteigerungsrunde der drei führenden Häuser Christie‘s, Sotheby‘s und Phillips warf auch ein Schlaglicht darauf, wie unterschiedlich sie auf den gegenwärtigen Markt reagieren. Aber allen ist gemeinsam: Sie setzen auf den schon wieder erstarkten asiatischen Markt. Laut einer aktuellen Analyse des Londoner Marktforschers ArtTactic hat Hongkong inzwischen London als zweitgrößter Markt für Zeitgenossen überholt. 

Christie’s machte diese Akzentverschiebung am 2. Dezember mit „20th Century: Hong Kong to New York” besonders deutlich. Das Auktionshaus dockte die Versteigerung an die traditionellen Hongkonger Topauktionen an. Erstaunliche 52 Prozent des Angebots blieben in der Region Asien-Pazifik; Amerikaner nahmen dagegen nur 30 Prozent der insgesamt 45 Lose ab.

Auch bei Phillips freute sich CEO Edward Dolman über starke fernöstliche Beteiligung. Sie sei der neuen Kollaboration mit dem chinesischen Auktionsgiganten Poly Auction zu verdanken, meinte er. Am 7. Dezember erreichte das Haus, sonst der ewige Dritte, mit über Erwarten starken 134,6 Millionen Dollar für nur 35 Lose das beste Ergebnis. Damit führt Phillips zum ersten Mal in der Woche an. „Das ist ziemlich außergewöhnlich in Anbetracht dessen, was um uns herum passiert“, resümierte er. Christie’s wiederum fädelte im Herbst eine Kooperation mit China Guardian Auctions ein.

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    Nach hartem Bietkampf kam die kalifornische Landschaft „Nichols Canyon“ bei Phillips auf 41,1 Millionen Dollar. Der Hammerpreis lag mit 35,5 Millionen Dollar knapp über der unveröffentlichten Taxe. Quelle: Reuters; Foto: Simon Dawson
    David Hockney

    Nach hartem Bietkampf kam die kalifornische Landschaft „Nichols Canyon“ bei Phillips auf 41,1 Millionen Dollar. Der Hammerpreis lag mit 35,5 Millionen Dollar knapp über der unveröffentlichten Taxe.

    (Foto: Reuters; Foto: Simon Dawson)

    Vor allem ganz junge Künstler, und da vor allem Schwarze — die mit elf Losen fast ein Drittel des Angebots stellten — zogen bei Phillips asiatische Bieter magisch an. Fünf Rekorde wurden gesetzt. Um ein seltenes Doppelporträt Amy Sheralds, „The Bathers“, fochten fünfzehn Minuten lang über 20 Interessenten. Höchstens 200.000 Dollar waren anvisiert, aber der Hammer fiel erst bei 3,5 Millionen. Mit Aufgeld sind das 4,3 Millionen Dollar.

    Bisher hatte Sherald laut Datenbank Artprice 2019 einen einzigen Auktionsauftritt von 350.000 Dollar. Das offizielle Porträt der ehemaligen First Lady Michelle Obama katapultierte sie vor zwei Jahren ins internationale Rampenlicht. Inzwischen wird Sherald von der Mega-Galerie Hauser & Wirth vertreten. Der New Yorker Art Advisor Joe Sheftel sieht diese Entwicklung nicht nur positiv: „Ich bin besorgt um den spekulativen Druck der kometenhaften Preise auf diese junge Künstler“. 

    Stattliche Umsätze mit Highlights

    Besonders stolz kann Phillips auf die erzielten Preise für seine Highlights sein: 41,07 Millionen Dollar brutto entfielen auf David Hockneys häufig ausgestellte kalifornische Landschaft „Nichols Canyon“, eingeliefert vom Immobilienentwickler Richard Hedreen aus Seattle. Vier Bieter in London und New York waren ab dem Ausruf von 24 Millionen Dollar dabei. Mit 35,5 Millionen netto, die schließlich Phillips“ Global Chairwoman Cheyenne Westphal bewilligte, sprang das farbenfrohe Bild knapp über die unveröffentlichte Erwartung von 35 Millionen.

    Dazu verkaufte sich Clifford Stills rare flammend-rote Abstraktion „PH-407“ von 1964, die sich einst im Besitz des Museum Frieder Burda in Baden-Baden befand und dort zuletzt 2016 gezeigt wurde, zu erwarteten 18,4 Millionen Dollar brutto an den einzigen Interessenten.

    Urteilt man allein nach der Zahl der angebotenen Lose, scheint sich die Einlieferungsbereitschaft abgekühlt zu haben. Bei Christie’s gab es am 2. Dezember nur 49 Lose, aufgeteilt zwischen den beiden Versteigerungsorten Hongkong und New York. Phillips verkaufte am 7. Dezember 35 Werke und Sotheby’s bot am folgenden Abend nur 30 an, von denen fünf kurz vor der Auktion zurückgezogen wurden.

    Vorbei sind die Marathonauktionen, mit denen der Markt im Sommer zunächst getestet wurde. Sie spielten etwa bei Christie’s am 10. Juli 420,9 Millionen für 79 Zuschläge und bei Sotheby’s am 29. Juni 363,2 Millionen Dollar für 74 Zuschläge ein. 

    Ablenkung von der Pandemie

    Experten machen Reisebeschränkungen zu den Vorbesichtigungen und auch fehlende persönliche Interaktion für die Schwierigkeiten verantwortlich, neue Sammlerkreise zu erschließen. Trotz der neuen Akzeptanz von Online-Käufen ist Zurückhaltung im oberen Preissegment zu spüren. „Da bevorzugen Kunden doch private Transaktionen“, beobachtet Alex Rotter, Christie’s Chairman 20th & 21 Century Art.

    Christie’s Auswahl vom Impressionismus bis in die Gegenwart legte am 2. Dezember den Akzent auf gängiges Material zu erschwinglichen Preisen. Eine muntere Ablenkung von der Pandemie. 44 Lose spielten 119,3 Millionen Dollar ein; fünf Werke — alle im New Yorker Segment — endeten auf der Rückgangsliste.

    Christie‘s konnte das Gemälde von 2017 für 6,5 Millionen Dollar versteigern (Ausschnitt). Quelle: Christie’s
    Dana Schutz „Elevator“

    Christie‘s konnte das Gemälde von 2017 für 6,5 Millionen Dollar versteigern (Ausschnitt).

    (Foto: Christie’s)

    Den Anfang machten die in Hongkong versteigerten 18 Lose mit Akzent auf Kunst des 21. Jahrhunderts. Wie Amoako Boafos Porträt „Baba Diop“ belegt, spielt bei begehrten Lieblingen das Kriterium Marktfrische keine große Rolle. Das erst 2019 entstandene Bild wechselte zu umgerechnet 1,15 Millionen US-Dollar nun zum dritten Mal die Hände. Auch das Großformat „Elevator“ der New Yorkerin Dana Schutz von 2017, das einen großen Auftritt in der Whitney Biennial hatte, blieb beim Rekord von 6,5 Millionen Dollar in Asien.

    Das New Yorker Segment setzte vor allem auf bewährte Namen des Abstrakten Expressionismus und der Pop-Art. Trotz der Bemühungen des Auktionators Adrien Meyer, Christie’s Chef für Privatverkäufe, sprang nur selten ein zündender Funke über. Das Cover-Lot der Auktion, Warhols „Small Campbell’s Soup Can (Chili Beef)“, eines der bekanntesten Sujets aus dem Jahr 1962, enttäuschte sicher den Einlieferer. Er hatte das Bild am Ende der Warhol-Hausse zu 7,4 Millionen Dollar im Jahr 2014 ersteigert.

    Damals wechselte allein ein Dutzend kapitaler Werke Warhols zu achtstelligen Preisen die Besitzer. Nun fiel das Bild bei reduzierter Taxe zu 6,06 Millionen Dollar brutto an den einzigen Bieter, wahrscheinlich den Garantiegeber.

    Für 9,1 Millionen Dollar mit Aufgeld wechselte das 1889 entstandene Bildnis den Besitzer. Der Hammerpreis belief sich auf 7,6 Millionen Dollar. Quelle: Christie’s
    Henri de Toulouse-Lautrec „Pierreuse”

    Für 9,1 Millionen Dollar mit Aufgeld wechselte das 1889 entstandene Bildnis den Besitzer. Der Hammerpreis belief sich auf 7,6 Millionen Dollar.

    (Foto: Christie’s)

    Dagegen reizte Henri de Toulouse-Lautrecs rothaariges Strichmädchen „Pierreuse” aus dem Jahr 1889 mindestens fünf internationale Bieter. Sie katapultierten das Bild, das prominente Vorbesitzer hat, preislich an die Spitze der Auktion. Bei 2 Millionen Dollar ausgerufen, fiel der Hammer erst bei 7,6 Millionen Dollar, was sich mit Aufgeld auf 9,08 Millionen Dollar summiert.

    Lautrecs „Pierreuse“ kam aus dem Nachlass von Kathleen DuRoss Ford, der im Mai verstorbenen Ehefrau von Henry Ford II , der insgesamt vier Werke beisteuerte. Ford II, Enkel des Gründers der Ford Motor Company, hatte das Unternehmen 1956 in eine börsennotierte Aktiengesellschaft umgewandelt und sich bis in die späten 1960er-Jahre einen Namen als Sammler gemacht. Die Highlights wurden bereits 1980 und 1990 versteigert.

    Sotheby’s fand sich am 8. Dezember in der ungewohnten Rolle des Schlusslichts wieder. Die überwiegend schwach besetzte Auktion „Impressionist, Modern & Contemporary Art“ landete bei 63,3 Millionen Dollar mit Aufgeld mitten in den heruntergeschraubten Erwartungen. Kurz vor der Auktion waren nämlich fünf Lose zurückgezogen worden, die mindestens 10 Millionen Dollar hätten beitragen sollen.

    Vieles wurde um die unteren Taxen, teilweise sogar weit darunter zugeschlagen. Einer der wenigen Lichtblicke war Alexander Calders imposantes Mobile „Mariposa“, das von Stanley Marcus, dem CEO der Nobelkaufhauskette Neiman Marcus, im Jahr 1951 direkt beim Künstler für die Firmensammlung erworben wurde. Seit seinem Ankauf hing es prominent in wichtigen Niederlassungen der Kette, die im Mai Pandemie bedingt Insolvenz anmelden musste. Erst bei 18,2 Millionen Dollar ging es in asiatischen Besitz. Die Taxe belief sich auf 6 bis 8 Millionen Dollar.

    Sotheby’s zählte Teilnehmer aus 23 Ländern. Aber allein asiatische Käufer zeichneten für 40,6 Prozent der Abendeinnahmen verantwortlich. Sie nahmen unter anderem Werke von Mark Bradford, Matthew Wong, Josef Albers und Claude Lalanne ab.

    Mehr: Auktionen in London und Paris: Banksy toppt Picasso

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