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Vintage-Versteigerung Mode zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten

Das Auktionshaus Neumeister ruft über 350 Kleidungsstücke, Luxuslederwaren und Modeschmuck namhafter Couturiers aus den letzten fünf Jahrzehnten auf.
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Rock, Bluse und Jacke von Yves Saint Laurent aus der Kollektion 1988. Foto: Neumeister
Yves Saint Laurent

Rock, Bluse und Jacke von Yves Saint Laurent aus der Kollektion 1988. Foto: Neumeister

MünchenIn der Blogger- und Instagramwelt sind Vintage-Mode und Luxus-Accessoires der großen Designer eines der beherrschenden Themen. Die traditionellen Auktionshäuser allerdings tasten sich noch zögerlich an das Thema heran. Am kommenden Montag, 15. Juli 2019, wird die internationale Vintage-Gemeinde die Augen auf das Geschehen im Auktionshaus Neumeister richten.

Dort, wo üblicherweise Antiquitäten und Gemälde des 19. Jahrhunderts versteigert werden, kommen unter dem Motto „Vintage Culture“ Kostüme von Chanel, Mäntel des japanischen Avantgarde-Kreateurs Yoji Yamamoto, Jäckchen von Karl Lagerfeld und Thierry Mugler und natürlich Seidenfoulards und Handtaschen von Hermès und sogar ein paar Oldtimer zum Aufruf. Katrin Stoll, Inhaberin des Münchner Kunstauktionshauses, sieht darin keinen Traditionsbruch. „Mode ist ein Teil der Kulturgeschichte. Und die Haute Couture ist Handwerkskunst auf höchstem Niveau“, sagt sie dem Handelsblatt.

Die Schwierigkeit, eine Vintage-Auktion von Format zusammen zu stellen, kennt die modebewusste und stilsichere Auktionatorin zu genüge. Bereits 2009 veranstaltete Neumeister seine erste Auktion mit tragbaren Meisterwerken bedeutender Häuser. Schon damals offenbarte sich der Stellenwert von Mode. Nicht nur Mode-Afficionadas interessierten sich dafür, sondern auch die Kunsthistoriker des Bayerischen Nationalmuseums, das selbst eine umfassende Sammlung historischer Gewänder besitzt. „Es hat leider sehr viele Jahre gedauert, bis ich wieder einen versierten Kurator für so eine Auktion gefunden habe“, erklärte Stoll die lange Pause.

Für ihre aktuelle Offerte konnte sie den international vernetzten Modekenner und Designer Peter Kempe gewinnen. Kempe unterscheidet strikt zwischen Vintage und Second Hand. Vintage stamme immer von bedeutenden Designern, sei typisch für die Zeit und bringe die Handschrift des Entwerfers zum Ausdruck, so der Hamburger.

Ein Sonderbonus unter Sammlern und ein preisbildender Faktor ist nicht zuletzt die Provenienz. Kleider von Madonna oder Catherine Deneuve haben den Status einer königlichen Robe. Gerade versteigerte Sotheby´s www.sothebys.com die Garderobe der glamourösen Claudia Cardinale. Ein Kleidungsstück mit prominentem Bezug ist bei Neumeister das auf 1 300 Euro taxierte azurblaue Seidenkleid mit schwarzen Punkten aus dem Hause Givenchy von 1956. Es gehörte einst Bettina Graziani, erstes Supermodel der Nachkriegszeit, Muse des Designers und Geliebte des Ali Agha Khan.

Chanel-Ensemble aus Tweed Bouclé aus der Saison 1974/75 Foto: Neumeister
Chanel Haute Couture

Chanel-Ensemble aus Tweed Bouclé aus der Saison 1974/75 Foto: Neumeister

Kempe konnte das Kleid neben einer Vielzahl anderer Lose aus der Sammlung des Pariser Modespezialisten Didier Ludot akquirieren. Ludot gilt weltweit als Fashion-Pionier. Der Franzose kaufte bereits in den 1960er-Jahren, etwa bei der Nachlassauflösung der Kosmetik-Unternehmerin Helena Rubinstein, und eröffnete als erster 1971 eine Vintage-Boutique.

Mittlerweile ist die Mode in die Museen gezogen. Die Dior-Ausstellung in London wurde wegen Besucherandrang verlängert. Zahlreiche Institutionen wie etwa das Kunstgewerbemuseum in Berlin haben außergewöhnliche Kreationen der 1950er- bis 1970er-Jahre  in ihre Sammlungen aufgenommen.

 Mantel und Kleid von Michel Goma für Lanvin aus Brokat. Foto: Neumeister
Lanvin Haute Couture

 Mantel und Kleid von Michel Goma für Lanvin aus Brokat. Foto: Neumeister

Für exzeptionelle Stücke von musealem Rang hält Peter Kempe unter anderem auch das zur Taxe von 3.000 Euro angebotenen Seiden-Crêpe-Kleid aus der Haute Couture Linie von Dior, eine Reihe von frühen Entwürfen Yves Saint Laurents und einen rosafarbenen Mantel von Christobal Balenciaga von ca. 1963/65 zur Taxe von 4.000 Euro. Das blaue Pendant dieses klassischen Teils besitzt bereits das Metropolitan Museum New York.

In Deutschland fand Kempe in der Modesammlerin Monika Gottlieb eine große Unterstützerin seines Vorhabens, einen Parcours durch fünf Jahrzehnte Haute Couture und Prêt-à-Porter zu inszenieren. Die Düsseldorferin, die durch das elterliche Leder- und Luxuswarengeschäft auf der Königsallee früh Beziehungen zu Herstellern und Machern der Modewelt aufbaute, begeisterte sich vor allem für die elegante, klassischere Seite der Modewelt.

Sie trennt sich unter anderem von einem Prêt-à-Porter-Kleid von Christian Lacroix von 2005, dessen Stoffmuster von der Malerei der 1960er-Jahre beeinflusst ist. Die Modelle großer Tabubrecher wie Vivienne Westwood oder Dries van Noten wurden während der Vernissage von Kennern vermisst. Aber das ist wieder ein anderes Kapitel.

Katrin Stoll: „Mode ist Kultur.“ Foto: Neumeister
Katrin Stoll

Katrin Stoll: „Mode ist Kultur.“ Foto: Neumeister

Für Neumeister-Chefin Katrin Stoll gehören auch Oldtimer, wie etwa ein Austin-Healey Sprite von 1958, und luxuriöse Herrenarmbanduhren zum Angebot dazu. Kurator Kempe sieht darin eine fabelhafte Ergänzung. Denn auch Oldtimer und Uhren spiegeln den Stil und das Lebensgefühl eines bestimmten Jahrzehnts wider.

Neumeister
Barer Straße 37
80799 München


Auktion am 15. Juli 2019, 16 Uhr
Vorbesichtigung 12. Bis 14. Juli 10 bis 17Uhr
Katalog 15 Euro

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