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Wagner-Festspiele in Bayreuth „Angst, Vorsicht und vorauseilender Gehorsam“

Die Festspiele in Bayreuth sorgen für zwei Skandale. Der streitbare Regisseur Castorf schlägt um sich. Und nun wird auch die Premiere unter Sebastian Baumgarten verpatzt. Worüber auf den Wagner-Festspielen alle tuscheln.
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Kontroverse Debatten: Der Regisseur Frank Castorf (rechts) und die Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner (Mitte) und Eva Wagner-Pasquier. Quelle: dpa

Kontroverse Debatten: Der Regisseur Frank Castorf (rechts) und die Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner (Mitte) und Eva Wagner-Pasquier.

(Foto: dpa)

Bayreuth Bis zum 28. August schaut die Klassikwelt wieder nach Bayreuth. Besonders spannend wird sein, wie das Publikum im zweiten Jahr auf Frank Castorfs Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ reagieren wird. 2013 war die Vorführung bei den Bayreuther Zuschauern komplett durchgefallen. Nach dem vierten Teil, der „Götterdämmerung“, wurde Castorf eine Viertelstunde lang ausgebuht.

Dirigent Kirill Petrenko wurde dagegen frenetisch gefeiert. Kurz vor dem Start der Festspiele holte Castorf im „Spiegel“-Interview zum Rundumschlag gegen die Festspielleitung aus. Weil er das Gefühl hat, die Festspielleitung wolle Einfluss auf seine umstrittene Inszenierung nehmen, hat er sich anwaltlich von Linke-Fraktionschef Gregor Gysi beraten lassen.

„Man redet hier sehr wenig mit mir“, sagte er im Interview. „Als wäre ich ein Idiot.“ Und er zog Parallelen zur DDR: „Es herrschen hier Angst, Vorsicht und vorauseilender Gehorsam“, sagte er und fügte hinzu: „Ich kenne das aus dem Osten. Man legt Wert auf das Prinzip der Hierarchie.“ Ob ihm das bei den eingefleischten Wagnerianern Pluspunkte bringt, ist mindestens fraglich.

Unter den Ehrengästen geben die Schauspielerinnen Hannelore Elsner und Iris Berben ihr Debüt auf dem roten Teppich. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt nach Angaben eines Festspiel-Sprechers später. Die Kanzlerin will Castorfs „Ring“ zu Ende schauen. Das habe sie im vergangenen Jahr nicht geschafft.

Doch dann geht auch zu Beginn alles schief. Erstmals in der Geschichte des Bayreuther Opernspektakels unterbrach eine technische Störung eine Aufführung nach knapp 20 Minuten. Auf der Bühne sollte gerade eine Sängergruppe in einem beweglichen Käfig in die Höhe gezogen werden. „Dann gab es zweimal einen lauten Knall, es fielen Holzstücke auf die Bühne, dann senkte sich der Vorhang“, berichtete eine Festspielbesucherin.

Der streitbare Regisseur bleibt aber auch mit anderen Aktionen im Gespräch. So hat er sich zwar erfolgreich gegen den Versuch der Festspielleitung gewehrt, ein NPD-Plakat von der Bühne zu nehmen. Doch musikalisch hat er den „Ring“ im Vergleich zu Jahr eins verändert. Womit er selbst allerdings nicht sonderlich zufrieden ist.

„Wenn ich jetzt in den Bühnenorchesterproben sitze, dann bemerke ich plötzlich einen schrecklichen Gleichklang im Rhythmus, im Tempo, im Licht und im Spiel der Sänger“, sagte er dem „Spiegel“. „Es ist Stadttheater in aller Schönheit entstanden. Furchtbar. Die Stürme haben sich gelegt, die Langeweile hat gesiegt.“

 

Tradition, Kulisse und Kritik
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