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Zeitgenössische Kunst Asiaten bleiben den Abendauktionen von Christie’s und Sotheby’s fern

Die Londoner Abendauktionen mit Nachkriegsmoderne und Zeitgenossen bei Christie’s und Sotheby’s verliefen glanzlos. Es fehlten ganze Bietergruppen.
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Er schlug viele Gemälde zum unteren Schätzwert zu. Quelle: Getty Images for Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Auktionator Oliver Baker (M.)

Er schlug viele Gemälde zum unteren Schätzwert zu.

(Foto: Getty Images for Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

LondonNach den Impressionisten-Auktionen in London bestätigen auch die Auktionen für die Nachkriegsmoderne und die zeitgenössische Kunst die anhaltende Stärke des Kunstmarktes. Diese Woche schritt Christie’s mit mehr Energie und besseren Einzelergebnissen voran, obwohl Sotheby’s auf dem Papier ein respektableres Gesamtergebnis vorweisen konnte.

Beide Häuser konnten nur mit wenigen wirklichen Höhepunkten aufwarten, sieht man einmal ab von den Heroen der englischen Nachkriegskunst, Lucian Freud und David Hockney, die bei beiden Versteigerern als Spitzenlose fungierten.

Die hohen Versteigerungsraten von über 90 Prozent in den Abendauktionen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht selten Garantien von externen Parteien diese Verkäufe absicherten, Reserven nach unten verschoben wurden und auch der Handel die eine oder andere Arbeit günstig aufschnappte.

Gut abgesetzte Mittelware

Christie’s zog mit dem teuersten Los der Woche ins Rennen, David Hockneys Porträt des amerikanischen Kurators Henry Geldzahler und dessen damaligen Partners Christopher Scott. Für das 1969 geschaffene Bild erhoffte sich das Haus, angeregt von den Höchstpreisen, die im Augenblick für diesen Künstler gezahlt werden, um die 30 Millionen britische Pfund. Diese Rechnung ging auch auf.

Die Arbeit verkaufte sich mit Aufgeld für 37,7 Millionen Pfund. Das waren fast die Hälfte der Gesamteinnahmen der 41 Lose starken Abendauktion, die insgesamt 79,2 Millionen Pfund einfuhr.

Kunst von Afroamerikanern wird teurer. Quelle: Christie´s Ltd. 2017
Henry Taylor „Chris“

Kunst von Afroamerikanern wird teurer.

(Foto: Christie´s Ltd. 2017)

Nur drei Arbeiten blieben unverkauft, was eine Verkaufsrate von 93 Prozent der Lose ergibt. Obwohl die Christie’s-Auktion zum Teil gute Ergebnisse erzielte, handelte es sich allerdings bei den meisten der angebotenen Lose um Arbeiten der Mittelklasse. Kein weiteres Kunstwerk spielte mehr als fünf Millionen Pfund ein, sodass das Ergebnis weit hinter dem ausgezeichneten Resultat des Vorjahres von 137,5 Millionen Pfund bei 65 Losen zurückblieb.

Starke europäische Künstler

Das Interesse an den europäischen Klassikern der 1950er- und 1960er Jahre war weiterhin stark. Künstler wie Nicolas de Staël, Jean Dubuffet oder auch Pierre Soulages überzeugten mit ihren großformatigen Abstraktionen. De Staëls „Bouteilles“ von 1952, geschätzt auf 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund, erzielte bei großem Interesse an den Telefonen wie auch im Saal 4,5 Millionen Pfund.

Von Christie’s Top Ten stammten neun von europäischen Künstlern. Von der jüngeren Generation waren es allerdings vor allem Amerikaner, die beeindruckten. Einen Auktionsweltrekord gab es für ein weiteres Doppelporträt, eine Leinwand der 30-jährigen Amerikanerin Jordan Casteels, „Patrick and Omari“, von 2015. Es brachte anstelle der erwarteten 40.000 bis 60.000 Pfund 300.000 Pfund. Insgesamt konnte das Haus nur bei rund der Hälfte der angebotenen Werke Ergebnisse über der oberen Taxe erzielen.

Das Gemälde wurde für 37,7 Millionen Pfund versteigert. Quelle: Christie´s Ltd. 2017
David Hockney „Henry Geldzahler and Christopher Scott“

Das Gemälde wurde für 37,7 Millionen Pfund versteigert.

(Foto: Christie´s Ltd. 2017)

Gerade damit tat sich auch Konkurrent Sotheby’s am Vorabend schwer. Die Versteigerung plätscherte eher lustlos dahin, oftmals gab es für Arbeiten nur ein Gebot, und Auktionator Oliver Barker fragte öfter als gewohnt in den Saal, ob man denn nicht bieten wolle, und er machte Pausen, um die Anwesenden anzuregen, Lose über den Mindestpreis zu heben. Mangels herausragender Spitzenlose warb das Haus im Vorfeld mit der großen Anzahl von Arbeiten weiblicher Künstler im Angebot. Mit 20 Prozent mag das zwar auf der einen Seite ein medienträchtiger Fortschritt sein, sagt aber wenig über die Qualität der Werke aus.

Illustre Provenienzen ziehen nicht

Arbeiten bekannter Künstlerinnen wie Louise Bourgeois oder Jenny Saville verkauften sich zwar durchschnittlich gut, aber von einem Ansturm auf übersehene Künstlerinnen kann man hier wirklich nicht sprechen. Einzig die britische Bildhauerin Rebecca Warren erzielte für „Fascia 111“ von 2010 einen Auktionsweltrekord mit 550.000 Pfund, wie auch Toyin Ojih Odutola, die allerdings mit ihrem Debüt in einer Abendauktion noch keine hohen Preise verlangen kann (250.000 bei geschätzten 100.000 bis 150.000 Pfund).

Fast ebenso wenig schien die Provenienz von Privatsammlungen diesmal Zugkraft zu haben, obwohl Arbeiten von so illustren Sammlern wie David Teiger, Marc Jacobs und dem singapurischen Architekten Louis C. Tan angeboten wurden. Einzig die vier Arbeiten aus der Tan-Sammlung, alle erst kürzlich auf Auktionen erstanden, verkauften sich durchweg gut. Zwei komplexe Papierarbeiten von Jean-Michel Basquiat zeugen davon, wie auch ein heftig umworbenes Gemälde des Briten Howard Hodgkin.

Insgesamt war es vor allem Standardware, die zum Aufruf kam, wobei es – im Gegensatz zu Christie’s – wenig Marktfrisches gab. Ausnahme war das intime Kinderporträt Lucian Freuds von 1956, „Head of a Boy“, das den Guinness-Erben Garech Browne verewigt. Gerade einmal 18 mal 18 Zentimeter groß, brachte es 5,8 Millionen Pfund.

Trotz des Fehlens von Hauptwerken amerikanischer Künstler gab es durchaus amerikanisches Interesse; Amy Cappellazzo sicherte sich einige Arbeiten für Kunden. Bemerkenswert war das Ausbleiben asiatischer Kunden. Keine Arbeit kam hier über die Zehn-Millionen-Pfund-Grenze: Jean-Michel Basquiats „Apex (1986)“, wurde mit 8,2 Millionen Pfund zur teuersten Arbeit des Abends.

Der Rückgang einer Arbeit des Amerikaners Mark Bradford, der erst 2017 den amerikanischen Pavillon in Venedig bespielte und sich seither großer Popularität auch im Auktionsmarkt erfreute, wird jedoch vermutlich einige Sammler nervös werden lassen. Die 2015 entstandene großformatige, unbetitelte Leinwand fand bei einer Taxe von 2,3 bis 3,5 Millionen Pfund keinen Interessenten.

Mittelmäßiges Interesse für Gerhard Richter

Besser erging es auch hier den europäischen Künstlern der 1950er- und 1960er-Jahre. Jean Dubuffets Gruppe von Bildern aus einer Privatsammlung fand ebenso regen Zuspruch wie eine kleine Gruppe mit Arbeiten der deutschen Zero-Künstler Heinz Mack und Otto Piene. Die 1970er-Jahre waren fast gar nicht in der Auktion vertreten. Eine wunderbare Ausnahme allerdings war das frühe „Filmstill #21“ von 1978 von Cindy Sherman, das 615.000 Pfund erbrachte (Schätzung: 300.000 bis 500.000 Pfund). Insgesamt setzte Sotheby’s für 66 Lose 93,2 Millionen Pfund bei einer Verkaufsrate von 91 Prozent um, auch hier ein Rückgang zum Vorjahr.

Deutsche Kunst konnte wie 2018 nur bedingt Erfolge verzeichnen. Ein Konvolut von Arbeiten Martin Kippenbergers und Albert Oehlens erregte nur mittelmäßiges Interesse. Gerhard Richters Preise bleiben auch weiterhin flach. Sein großformatiges grellgelbes „Abstraktes Bild“ von 2009 ging nach einigem Warten bei nur einem Gebot an Amy Cappellazzo von Sotheby’s New York.

Mit einem Käuferaufschlag brachte die Arbeit 6,9 Millionen Pfund bei einer Schätzung von sechs bis acht Millionen. Auch ein Schattenbild und eine fotorealistische Arbeit verkauften sich gerade so.

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