Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Zeitgenössische Kunst Berliner Galerie zeigt zum ersten Mal Künstler aus dem Westen Chinas

Die Galerie Eigen + Art präsentiert in ihrem Berliner Stützpunkt fünf Künstlerinnen und Künstler aus Hangzhou. Es ist eine Premiere für Deutschland.
Kommentieren
Die vier 60 x 50 cm großen Bilder auf Stoff werden von einem Video ergänzt. Quelle: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin
Jin Yangping „Applaus“

Die vier 60 x 50 cm großen Bilder auf Stoff werden von einem Video ergänzt.

(Foto: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin)

Berlin Die chinesische Gegenwartskunst hat viele Facetten. Nachdem der Hype mit seinem Höhepunkt von 2012 abgeklungen ist, lässt sich die Kunst dieses auf Wachstum programmierten Landes gelassener betrachten.

Nicht nur die mit Millionenpreisen bedachten Künstler der Marktzentren Hongkong, Schanghai und Peking präsentieren sich auf internationaler Bühne. Es sind auch die Kunstzentren der anderen chinesischen Provinzen, die eine von Mainstream und Marktgelüsten freie Kunst hervorbringen.
Die Galerie Eigen + Art präsentiert in ihrem Berliner Stützpunkt fünf chinesische Künstlerinnen und Künstler. Sie alle lehren an der China Academy of Art in Hangzhou und sind eine Bereicherung der Szene.

Die alte Stadt der Seidenweber, knapp 220 Kilometer von Peking entfernt, besitzt ein Kunstmuseum, das mit seinen 9.000 Quadratmetern Ausstellungs- und Repräsentationsfläche ein Mittelpunkt der Neun-Millionen-Stadt ist.

Die in Berlin vorgestellten Künstler im Alter von Mitte dreißig bis Mitte fünfzig pflegen seit Jahren engen Kontakt mit der „Leipziger Schule“. Alle fünf sind der Malerei verpflichtet und lassen sich bei aller Individualität auf westliche Stilprägungen ein.

Das schwebende Schwert

Besonders deutlich wird das bei den Interieurs von Jianlian Guo, deren asymmetrische, fließende Form das Vorbild Pierre Bonnard heraufbeschwört. Das legen auch die französischen Bildtitel nahe („Fenêtre de nuit, La Reflexion“). Das Licht ist in den dunkeltonigen Bildern gebrochen, ein Rest von Geheimnis bleibt.

Eine zusammengehörige Gruppe dreier zunehmend abstrahierter Bilder von Xuhong Yu lässt auf Anhieb an Monet denken. Da setzt er pastose Farbe teils punktweise auf oder drückt sie mit dem Pinselstab ein, um atmosphärische Wirkungen zu erzielen. Von Bild zu Bild lösen sich die Konturen immer mehr auf und werden zu nahezu abstrakter Lichtmalerei (32.000 Euro).

In starkem Kontrast zu diesen Werken stehen die vier Stoffbilder von Yanping Jin, die auf blauem Grund Arme in Applausbewegung zeigt. Die Pflichtgeste im Nationalen Volkskongress Chinas hat schon durch den Bildausschnitt und die Signalfarben einen systemkritischen Effekt (12.000 Euro).

Am stärksten der traditionellen chinesischen Malerei verbunden ist der 1960 geborene Shijan Jing. In seinen erdfarbigen Bildern konterkarieren geheimnisvoll narrative Figuren Reminiszenzen an die Landschaftsmalerei früherer Epochen. In dem Großformat „Yandang on Tao“ sitzen zwei Figuren auf Gipfeln des ostchinesischen Gebirges Yandang. Auf die eine schwebt ein Schwert zu. Das wirft die Frage auf, ob sie auf dem von Laotse geprägten rechten Weg ist. Oder ist es der Hinweis, trotz Bedrohung standhaft zu bleiben? Das Bild lässt Raum offen für Spekulationen politischer oder rein menschlicher Art (32.500 Euro).

Von formaler Mehrdeutigkeit leben die Gemälde von Quing Li. Im ersten Stock der Galerie hängen zwei zusammengehörige Suchbilder. Hier zaubern geheimnisvolle Fensterblicke Bildwirkungen, kraft derer der Raum sich in Lichtsegmente auflöst, ohne den Zusammenhalt zu verlieren. „Six Differences“ zieht den Betrachter magisch in die Komposition hineinzieht (52.000 Euro).

In diese Bilderschau der Chinesen sind Arbeiten der Maler Tim Eitel und David Schnell sowie als konstruktivistischer Gegenpart des Westberliners Kai Schiemenz eingemischt. Die Melange ist überflüssig, sie lässt sich nur als obligaten Nebenblick auf Hauskünstler der Galerie deuten (bis 31. August).

Mehr: Ausstellung: Lesen Sie hier über Ai Weiwei, den Politaktivisten mit langem Atem

Startseite

Mehr zu: Zeitgenössische Kunst - Berliner Galerie zeigt zum ersten Mal Künstler aus dem Westen Chinas

0 Kommentare zu "Zeitgenössische Kunst: Berliner Galerie zeigt zum ersten Mal Künstler aus dem Westen Chinas"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote