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Zeitgenössische Kunst Ein Frauenbild, das Vergangenheit und Gegenwart überwindet

Berlin lädt zum Vergleich zweier Ausstellungen über asiatische Videokunst. Dabei schneidet das Times Art Center besser ab als die Nationalgalerie.
24.10.2019 - 15:59 Uhr Kommentieren
Filmstill aus „The Red Liquid and Narcissus“ von 2017, eine Zweikanal-Video-Installation. Quelle: Times Art Center Berlin / Sylbee Kim
Sylbee Kim

Filmstill aus „The Red Liquid and Narcissus“ von 2017, eine Zweikanal-Video-Installation.

(Foto: Times Art Center Berlin / Sylbee Kim)

Berlin Kunst von Asiaten, die in ihrem Heimatland, in Europa oder in Amerika leben, hat zurzeit einen zufälligen Doppelauftritt in Berlin. Das Times Art Center, eine Dependance des Times Museums in Guandong, ist aus beengten Räumen der Potsdamer Straße in den Brandlhuber-Bau in die Brunnenstraße gezogen. Hier residierte bis zum Frühjahr die Galerie KOW.

Jetzt kann das Kunstzentrum ohne die bisherige Platzbeschränkung auf drei Geschossen Wechselausstellungen chinesischer Gegenwartskunst zeigen. In ihrer dreiteiligen Debütschau hatte es 2018 einen Einblick in die Videokunst des chinesischen Perlfluss-Delta geboten. Auch jetzt ist wieder Videokunst zu sehen, diesmal aber effektvoll gemischt mit den Medien Malerei, Skulptur und Installation.

Zwischen Traum und Realität

Die Kuratorinnen Nikita Yingqiang Cai vom Times Museum und Xiaoyu Weng vom New Yorker Guggenheim Museum haben eine Schau mit Werken von 18 Künstlerinnen und einem Künstler zusammengestellt. Ein vielstimmiges, sensibles Panorama feministischer Positionen. Die Arbeiten dieser Schau zeigen ein Frauenbild, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet und überkommene Gendernormen überwindet.

Ein Ausgangspunkt ist die Kritik der in Berkeley lebenden Vietnamesin Trinh T. Minh-ha am dualistischen System des Westens, das die Frau in eine ethnische und eine weibliche Identität spalte. In ihrem Film „Night Passage“ (2004) gewinnt eine in einem Nachtzug reisende junge Frau ihre Identität in einer Zwischenwelt von Traum und Realität, die sich in rhythmischen Sequenzen des Fensterausblicks verkörpert.

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    Einige Werke der Ausstellung haben einen autobiografischen Hintergrund. Weil es um seine kranke Mutter geht, haben die Kuratorinnen Arin Rungjang als einzigen Mann zugelassen. Ergreifend konfrontiert der Thailänder den Betrachter des Zwei-Kanal-Videos mit ihrem traurigen Leben als Witwe eines 1977 von Hamburger Neonazis in den Tod geprügelten Ehemanns.

    Installationsansicht von Sylbee Kim: „The Red Liquid and Narcissus “ (2017) Quelle: Times Art Center Berlin / Sylbee Kim / gr.berlin
    Sylbee Kim

    Installationsansicht von Sylbee Kim: The Red Liquid and Narcissus“ (2017)

    (Foto: Times Art Center Berlin / Sylbee Kim / gr.berlin)

    Den Körper als „politisches Universum“ darstellen will die in Berlin und Seoul lebende Multimedia-Künstlerin Sylbee Kim. Ihr Video „The Red Liquid and Narcissus“ zeigt ein intimes verinnerlichtes Frauenbild, das die narzisstische Pose in Menstruationsrot taucht und mit Innenaufnahmen des Körpers verbindet, die physische Kontraste setzen.

    Blutrot gefärbte Schwämme, die sich am Boden häufen, verstärken zugleich den Eindruck einer sinnlichen Nabelschau. Politisch ist die Arbeit, weil sie die Frau als Leidende in den Blick nimmt und gleichzeitig ein starkes Bewusstsein für das Frausein herauskehrt.

    Feminismus in der Kunst

    Sanfte Atembewegung hebt die Bettdecke einer aus Silberglas geformten Schläferin in einer lebensgroßen Skulptur der in Genf lebenden Mai-Thu Perret. Der gläserne Körper ruht auf einem simplen Bett, das nach einem Modell des italienischen Designers Enzo Mari gebaut ist: weibliche Fragilität auf robustem Sockel. Totale selbstinszenierte Körperlichkeit zeigen die C-Prints der Kolumbianerin Sara Modiano, die als androgyne, silberfarbige Kunstfigur mit dem Urwald verschmilzt.

    Die Entpersönlichung des Menschen während der japanischen Besatzung Chinas illustriert eine Bilderfolge von Thao Nguyen Phan. Sie zeigt in Übermalungen von Röntgenaufnahmen Szenen nach unten blickender Frauen. Ausgangspunkt ist das Bild einer Frau, die sich vor japanischen Soldaten auf der Straße verbeugt.

    Andere Bildergeschichten in Comic-Manier zeigen die Lichtdrucke der New Yorkerin Chitra Ganesh, die erzählerische Grundmuster indischer Kinderbücher in Einzelbilder religiöser, sexueller, politischer Auswüchse verwandelt und sie mit subversiven Texten würzt.

    Gegenüber dieser nachhaltigen Präsentation hat es die Ausstellung „Micro Era. Medienkunst aus China“ im Berliner Kulturforum schwer. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Nationalgalerie und der Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen Kulturellen Austausch.

    Eine Schwachstelle sind aufwendige 60-Minuten-Videos im Erdgeschoss. Langatmig ist das in diesem Jahr entstandene Video des in Shenzhen lebenden Fang Di, das den politischen Aufstieg eines Ministers in der südpazifischen Inselnation Papua-Neuguinea zeigt. Ein viereinhalbminütiger Kontrastfilm des Künstlers führt Tänze der Ureinwohner von Bougainville vor. Das Ganze wirkt ausgesprochen lakonisch.

    Auch die Videoinstallationen der Medienkünstlerin Cao Fei aus Guangzhou sind nicht gerade spannend, aber warten mit Konsumkritik auf. In einem Beitrag verfolgt sie die Wege der Waren einer Lieferfirma vom Fließband zum Besteller, wobei sie die auf Entmenschlichung zielenden Arbeitsvorgänge („Selling is all that counts“) sichtbar macht. In einem zweiten Video werden Einblicke in ein nahezu menschenleeres Sortiercenter geboten, in dem ein Roboter die Arbeit zweier Figuren kontrolliert, die in diesem Ambiente zombiehaft reagieren.

    Ohne nachhaltige Wirkung bleiben die trivialen Videos von Lu Yang. Sie folgen lediglich einer visuellen Überwältigungsstrategie. Um wie viel substanzreicher wirkt da der chinesische Videoveteran Zhang Peili in seinem Purismus. Von ihm stammen die besten Arbeiten der „Micro Ära“-Schau. In ihrer körperlichen Intensität und ihrem politischen Anspruch erinnern sie an den großen Amerikaner Bruce Nauman.

    Die Ausstellung im Times Art Center läuft bis zum 4.1.2020. „Micro Era“ im Kulturforum läuft bis zum 26.1.2020.

    Mehr: Chinas weltweit gefeierte Künstlerin: Lesen Sie hier über die chinesische Videokünstlerin Cao Fei und ihre Welt im Miniaturformat.

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