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Zeitgenössische Kunst in Berlin Ausstellung im Gropius Bau ist eine Hommage an die Handwerkskunst

In Berlin arbeiten Künstlerinnen mit handwerklichen Materialien. Sie verarbeiten Wolle, Stroh, Holz und Teppiche. Eine Ausstellung zeigt ihre Werke.
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Die Werke der Amerikanerin sind Ikonen weiblicher Selbstbehauptung. Quelle: Gropius Bau Berlin; Foto: Monika Frei-Herrmann
Gouache „Vive la Difference“ (1979) von Dorothy Iannone

Die Werke der Amerikanerin sind Ikonen weiblicher Selbstbehauptung.

(Foto: Gropius Bau Berlin; Foto: Monika Frei-Herrmann)

BerlinDass Berlin ein Dorado für ausländische Künstler ist, hat sich schon kurz nach der Wende herumgesprochen. Damals waren die Mieten noch niedrig und genug Atelierräume zu finden. Doch immer noch zieht es bildende Künstler jüngerer Altersgruppen in die Hauptstadt.

Von 8.000 hauptberuflichen Künstlern, die zurzeit in Berlin leben, sind rund ein Drittel Ausländer. So ist der Titel einer Ausstellung im Gropius Bau zeitlos aktuell (bis 16.6.). „And Berlin will always need you“ textete die seit Jahrzehnten in Berlin ansässige Amerikanerin Dorothy Iannone schon 1977.

Ihre erotisch und folkloristisch aufgeladenen Werke sind Ikonen weiblicher Selbstbehauptung, die in dieser Schau von in Berlin tätigen Künstlern eine starke Rolle spielt. Zehn der 15 Ausgestellten sind Künstlerinnen, zwölf von ihnen Ausländer.

Die Lichtdecke des Gropius Baus hat die Japanerin Chiharu Shiota mit einem durchsichtigen weißen Wollgespinst verhängt, in das Fragmente historischer Dokumente eingeschlossen sind. Diese Installation spielt auf die frühe Geschichte des Gropius Baus an, der periodisch Kunstgewerbemuseum, Gewerbeschule und Bibliothek war.

Die Exponate sollen nach dem Willen der Kuratorinnen Natasha Ginwala und Julienne Lorz für handwerkliche Prozesse und Produktionsbedingungen stehen. So ist es eine Schau geworden, in der das Material und seine Raumwirkung auch die Inhalte prägen.

Besonders charakteristisch ist das bei den Raumarrangements der Zypriotin Haris Epaminonda, die mit Reminiszenzen der Antike spielt, sie als nostalgische Versatzstücke in ihre glatten und ausdruckslosen Assemblagen einbaut.

Auch der Serbin Katarina Sevic gelingt es nicht, ihre lasierten Holzmodelle über das reine Formenspiel hinaus als Denkbild zum „Thema Handwerk und seiner Bedeutung in der heutigen Gesellschaft“ wirken zu lassen. Das Ensemble erscheint mehr spielerisch als tiefgründig.

Flauschige Wollskulpturen

Ein anderes Kompositionsprinzip pflegt die Lissabonerin Leonor Antunes. Die formale Wiederholung handwerklich fundierter Elemente (Korkboden, Hängeskulpturen, Gewebtes, Geflochtenes, Geseiltes) spielt in ihrem Raumkonzept, das auf Durchlässigkeit und Lichtwirkungen setzt, eine wesentliche Rolle.

In sich geschlossen und ganzheitlich wirkt dagegen der Raum, in dem die Südkoreanerin Haegue Yang ihre flauschigen Wollskulpturen vor eine geradezu erdrückende Bildtapete stellt. Es ist ein Ensemble, in dem sich Politisches und Folkloristisches, von einer Vogelstimme übertönt, mischen.

Die Installation aus einem lichten Wollgespinst mit darin befestigten Dokumenten erinnert daran, dass der Gropius Bau auch einmal ein Kunstgewerbemuseum war. Quelle: Mathias Völzke, Courtesy: die Künstlerin & VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Chiharu Shiota: "Beyond Memory"

Die Installation aus einem lichten Wollgespinst mit darin befestigten Dokumenten erinnert daran, dass der Gropius Bau auch einmal ein Kunstgewerbemuseum war.

(Foto: Mathias Völzke, Courtesy: die Künstlerin & VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Die zu einem dreiteiligen Paravent zusammengenähten Teppichfragmente - ein Markenzeichen der Türkin Nevin Aladag - erscheinen wie ein Plädoyer für die historische Knüpftechnik. Und doch können sie ihre moderne Machart nicht verhehlen. Hier zeigt sich eine doppelbödige Wirkung des Objekts, das Vergangenheit aufruft, um Gegenwart zu beschwören.

Von traditioneller Machart zehren auch die „Chaguarbilder“ von Olaf Holzapfel, argentinische Webarbeiten aus einer Kaktusfaser, entstanden nach computergenerierten Zeichnungen des Künstlers. In Strohbildern, die das Wachstum der Halme und ihr goldenes Licht feiern, knüpft der Künstler an Techniken der mit dem Naturmaterial vertrauten Sorben an.

Ein völlig anderes Konzept der Materialbindung verwirklicht der Londoner Theo Eshetu. Mit blitzartigem filmischem Wechsel afrikanischer Masken sucht der Multimedia-Künstler Überrumpelungseffekte. Sie prangern mit der Aneignung der Artefakte zugleich ihre Instrumentalisierung und ihr Verschwinden in einer medial und kommerziell abgebrühten Welt an.

Nur in wenigen Beiträgen werden die viel beschworenen Arbeitsbedingungen sichtbar. Die meisten Werke lenken den Blick ohne belehrenden Zeigefinger auf das Material, aus dem Kunst entstand. Und das ist schon viel in einer Zeit, in der sich das große Publikum immer mehr auf reine Showeffekte als auf Substanz konzentriert.

„And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin“, bis 16. Juni 2019 im Gropius Bau, Berlin

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