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Zeitgenössische Kunst Marianne und Pierre Nahon lösen bei Sotheby's ihre Privatsammlung auf

Das einflussreiche Galeristenpaar macht nach Jahrzehnten Schluss mit der Kunstsammlung. Gemeinsam haben sie Kunstmarktgeschichte geschrieben.
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Handeln auch ohne Galerie mit Kunst. Quelle: Sotheby's / Art Digital Studio
Pierre und Marianne Nahon

Handeln auch ohne Galerie mit Kunst.

(Foto: Sotheby's / Art Digital Studio)

ParisMit einem erwarteten Erlös von zehn Millionen Euro versteigert Sotheby’s am 19. und 20. März in Paris die Privatsammlung des Galeristenpaars Marianne und Pierre Nahon und setzt damit den Schlussstrich unter eine fünfzigjährige Karriere. Denn mit der Gründung der Galerie Beaubourg im Jahr 1973, gemeinsam mit Patrice Trigano, schrieb das kunstbegeisterte Paar französische Kunstmarktgeschichte.

Die Galerie zog nach der Trennung von Trigano in riesige Räume neben dem Centre Pompidou, wo man bis 1998 die Neuen Realisten und einige US-Stars sah. Französische Künstler wie Arman, César und Pierre Klossowski standen bei den Nahons unter Vertrag, die auch eng mit Yves Klein, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle zusammenarbeiteten. Darüber hinaus boten sie Jeff Koons, Andy Warhol und Francis Picabia an.

Eine paradoxe Situation: In der Galerie Beaubourg gestalteten die Nahons die Preise für ihre Kunst ohne Höhenflüge, weil sie den US-Markt nicht bedienten. Sie verdienten dennoch gut und gaben den Ton vor: „Für die zeitgenössische französische Szene waren ab den 1970er-Jahren nur drei Galerien maßgeblich: Yvon Lambert, Daniel Templon und Marianne und Pierre Nahon“, konstatiert der französische Maler und Bildhauer Bernar Venet, der mit den Nahons befreundet ist, aber nicht zu ihren Galeriekünstlern zählt.

Bis 2004 arbeiteten Marianne und Pierre Nahon in ihrem südfranzösischen Schloss Notre-Dame des Fleurs in Vence. Eine erste Sotheby’s-Auktion beendete die Galerietätigkeit des Paares, das sich seither besonders seinen schriftstellerischen Ambitionen widmet. Marianne verfasst Literatur, Pierre dokumentiert die Galeriegeschichte.

Doch tatsächlich handeln sie mit Kunstwerken „geheim“ weiter, wie Pierre Nahon es ganz offen im Gespräch mit dem Handelsblatt formuliert. Bereits 2004 vertraute er uns an, dass er anonym europäische Galerien mit Werken aus seinen Beständen bestückt.

Unser Hintergrundgespräch findet in der geschmackvoll restaurierten, immensen Wohnung der Nahons im Marais-Viertel statt, wo man auf Stühlen von Carlo Bugatti sitzt, auf riesige Bibliothekswände und Megaformat-Gemälde im Stil des sozialistischen Realismus blickt. Der immer tief gebräunte, 83-jährige Pierre Nahon reagiert konzentriert-amüsiert auf Fragen und Einwände, seine blonde Frau Marianne hingegen nuanciert gelegentlich eine seiner scharfen Formulierungen freundlich.

Marianne Nahon erläutert, dass die russischen Gemälde die Werke ersetzen, die jetzt versteigert werden: Anselm Kiefer, Andy Warhol, Yves Klein und noch mehr große Namen befinden sich unter den 37 Losen der Abendauktion des 19. März. Francis Picabias „Mélibée“ ist mit 2,5 bis 3,5 Millionen Euro am höchsten taxiert. Am 20. März folgen 255 Lose, ergänzt von einer kleinen Onlineversteigerung.

Unbeliebt in der Szene

Den angepeilten Erlös von zehn Millionen Euro benötigt das Paar für das Schloss in Vence. Offiziell will es sich „in aller Ruhe von den Kunstwerken trennen, mit denen wir zehn bis vierzig Jahre lang gelebt haben“, wie Pierre Nahon versichert. Tatsächlich wäre die weitgehende Konzentration auf französischsprachige Künstler und den französischen Markt heute kommerziell nicht mehr tragbar, meint der Kunstagent Christophe Langlitz.

Dagegen unterstreicht der Galerist Alain Margaron, der den von Nahon geförderten Künstler Dado im Programm führt, dass Galeristen nur dann gewinnbringend arbeiten können, wenn sie die Werke direkt bei den Künstlern ankaufen. Sowohl Nahon als auch Margaron praktizierten dies. Pierre Nahon ist trotz seiner Intelligenz, Bildung, Sachkenntnis und seiner exzellenten institutionellen Vernetzung in der Kunstszene ziemlich unbeliebt.

Angeblich hat das Paar nicht immer kollegial gearbeitet und andere Galeristen gelegentlich skrupellos ausgebootet. Hinzu kommt die Persönlichkeit des Galeristen, der nicht gerade an Minderwertigkeitskomplexen leidet. Ein Film von Jean-Luc Léon über Pierre Nahon, den Arte 1996 ausstrahlte, zeigte ihn als unsympathischen, arroganten und überheblichen Händler, der pausenlos über Geld redet. Ein grausames Porträt, das den gesamten Kunstmarkt diskreditierte, was ihm die Galeristenkollegen bis heute vorwerfen.

Bedauerlich, denn Nahon analysiert und formuliert klar. Er behauptet, dass man früher vom „Kunstmarkt“ sprach, während es heute nur noch um „die Kunst des Marktes“ gehe. Den Markt prägen zehn Megasammler wie François Pinault, der 2015 in Venedig die melancholisch-erotischen Vogelkäfige von Tetsudo Kudo zeigte, die Nahon fünfzig Jahre lang nicht verkaufen konnte. In seiner Auktion von 2004 waren sie mit 4.000 bis 6.000 Euro taxiert. Heute kosten sie bis zu 100.000 Euro, weil sie seit der Pinault-Schau „en vogue“ sind.

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