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Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Besucher in Dirndl und Lederhose eher Exoten auf dem Festgelände. Doch der Heimattrend hat sich längst auch auf der Theresienwiese durchgesetzt.

(Foto: Almliebe)

185. Münchener Oktoberfest Tracht ist wieder Pflicht beim größten Volksfest der Welt

Poppiges in Neonfarben ist out: Beim Oktoberfest sind für die Damen dezente hochgeschlossene Dirndl, bei den Männern Hosen aus Hirsch und Ziege gefragt.
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Oktoberfest – „etwa eine Milliarde Euro Wirtschaftskraft“

MünchenZwei junge Männer schlendern durch den neuen Laden des Trachten-Onlinehändlers Almliebe hinter dem Münchener Hofbräuhaus. Sie interessieren sich vor allem für die kurzen Lederhosen. Denn auf dem 185. Münchener Oktoberfest, das gerade eröffnet wurde, ist Tracht wieder Pflicht. Daher herrscht in den Geschäften in der Innenstadt in diesen Tagen Hochkonjunktur. „Es sind schon vor allem Männer, die auf den letzten Drücker kommen“, sagt Inhaberin Sonja Ragaller, die im Dirndl die Kunden berät.

Gerade erst aber hat sie auch Dirndl an zwei Wiesn-Wirte verkauft, die für den Anstich noch etwas für ihre Frau gesucht haben. Sie lagen mit ihrer Auswahl ganz im Trend: Heuer sind beim größten Volksfest der Welt hochgeschlossene Dirndl im dezenten Stil angesagt. Poppige in Neonfarben, wie es sie noch bei manchen Discountern rund um den Hauptbahnhof gibt, sind endgültig out. Bei den Männern darf es eine auf Alt gemachte Hirsch- oder Ziegenlederhose sein, berichten Trachtenhändler in der Stadt.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Besucher in Dirndl und Lederhose eher Exoten auf dem Festgelände. Doch hat sich der Heimattrend längst auch auf der Theresienwiese durchgesetzt. Die Trachtenträger sind deutlich in der Überzahl. „Der Trachtentrend ist nach wie vor da“, berichtet Axel Munz, Chef von Trachten Angermaier in München. „Die Tracht entwickelt sich mehr und mehr zu einem modischen Artikel mit vielen Innovationen, der auch außerhalb des eigentlichen Stammgebietes immer stärker Fuß fasst.“

Beim Onlinehändler kosten Dirndl in der mittleren Preisklasse um die 300 Euro. Quelle: Almliebe
Almliebe

Beim Onlinehändler kosten Dirndl in der mittleren Preisklasse um die 300 Euro.

(Foto: Almliebe)

Bei Angermaier zum Beispiel gibt es in diesem Jahr erstmals eine Greenline-Kollektion, bei der vom Stoff bis zu den Knöpfen alles ökozertifiziert ist. Damit verbinde man „Tradition, gutes Gewissen und modernen Lifestyle“.

Die Münchener Wiesn ist das größte Volksfest der Welt. Im vergangenen Jahr kamen 6,2 Millionen Besucher auf das Festgelände. Obwohl damals feiertagsbedingt zwei Tage angehängt wurden, hoffen Wirte und Aussteller, dass es diesmal noch mehr Menschen auf das Festgelände zieht. Die Wetterprognosen sind ordentlich, die Angst vor Terroranschlägen hat etwas nachgelassen.

„Ich glaube, dass wir mehr Besucher haben werden“, sagte Wiesn-Bürgermeister Josef Schmid beim Bummel über das Festgelände kurz vor der Eröffnung. Schmid hatte eine kurze Lederhose mit blauer Stickerei gewählt, dazu Haferlschuhe und traditionelle Weste – und lag mit diesem Outfit ganz im Trend.

Vom Billigdirndl bis zur Maßanfertigung von Lola Paltinger

Sonja Ragaller von Almliebe ist überzeugt, dass der Trachtenboom nachhaltig ist. „Die Rückbesinnung auf Tracht und Tradition bei den jungen Leuten wird bleiben.“ Für diese seien Wiesn, Dirndl und Lederhose „keine Verkleidung und keine bloße Party, sondern Ausdruck ihrer Identität und Zugehörigkeit, ein Stück Heimat“. Almliebe hat davon stark profitiert. Der Onlinehändler verschickt mit Erfolg die angesagten Designermarken, auch der neue stationäre Laden ist gut angelaufen.

Die Klientel lässt sich das Gewand auch etwas kosten. Natürlich gibt es noch am Hauptbahnhof die Dumping-Lederhose für 14,90 und das bunte Billigdirndl. Doch seit einigen Jahren ist vor allem dezente, aber hochwertige Tracht angesagt. „Wir sind sehr froh, dass der Trend zum Traditionellen, Reinen anhält“, berichtet Ragaller.

Statt Glanz und Glitter seien 2018 weiter edle Jacquard-Stoffe in gedeckten Farben gefragt. Das hochgeschlossene Dirndl, auf das edle Designer schon seit Jahren setzen, sei im breiten Markt angekommen. Der Pep komme dann über Details wie filigrane Schürzenschließen aus Metall, Schürzen mit floralen Prints, besonderen Stoffen wie Wildleder oder Samt und vor allem über die Dirndlbluse, bei der viel mit Spitzenstoffen gespielt werde. Highlight bei Almliebe ist in diesem Jahr ein aus Blumen und Silberschmuck gefertigter Blumengürtel von Anno Domini.

Bei Almliebe kosten Dirndl in der mittleren Preisklasse um die 300 Euro. Aber auch die gehobeneren Varianten für 500 Euro zum Beispiel vom jungen Label Gottseidank finden derzeit guten Absatz. Bei Angermaier startet die Palette mit dem Dirndl Luisa für 70 Euro, für das Modell Grace von „Alpenherz“ mit Spitzeneinsatz sind knapp 1.000 Euro fällig.

Teurer geht natürlich immer. Wer in München etwas hält, hat ein Maßdirndl von Lola Paltinger im Schrank. Die Designerin hatte als Pionierin den Weg bereitet, als sie 1999 nach der Modeschule mit ihrer Mutter Brigitte einen Zwei-Frauen-Betrieb startete. Das Konzept – klassische Schnitte und Formen kombiniert mit edlen Stoffen und modernem Design und teils poppigen Farben – war damals revolutionär. Heute verkauft Paltinger um die 200 Couture-Dirndl im Jahr für etwa 3.000 Euro. In einer ähnlichen Preisklasse liegt die österreichische Designerin Susanne Bisovsky.

Bislang ist die Nachfrage bei den Händlern gut. Anfangs bremste das heiße Sommerwetter ein wenig das Geschäft. „Je näher der Wiesnstart kam, desto mehr Nachfrage gab es“, sagte Angermaier-Chef Axel Munz. In den Tagen vor dem Anstich kamen dann noch viele Last-Minute-Käufer zu Angermaier und Co.

Bei Almliebe ist der Wiesnsamstag im Laden traditionell der stärkste Verkaufstag überhaupt. Aus dem Geschäft geht es dann direkt ins Festzelt. Das gilt auch für Inhaberin Ragaller und ihre Mannschaft. Gute Kontakte zu den Wiesnwirten hat man ja. Das hilft, wenn man am Samstagnachmittag noch einen Platz im Zelt ergattern will.

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