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50 Jahre „Space Oddity“ Die richtige Geschichte um Bowies Weltraumfahrt

Was David Bowies „Space Oddity“ wirklich mit der Mondlandung zu tun hatte – und welche eher nicht so bekannten Bowie-Songs Iggy Pop gern hört.
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Die Single von David Bowie erschien am 11. Juli 1969. Quelle: Philips
Covers von „Space Oddity“

Die Single von David Bowie erschien am 11. Juli 1969.

(Foto: Philips)

DüsseldorfManch vermeintliche Wahrheit ist so unverrückbar, dass sie nicht einfach aus der Welt zu schaffen ist. Dazu gehört auch der Mythos, Popikone David Bowie habe seinen besungenen Weltraumhelden Major Tom auf die lange Reise ins All geschickt, anlässlich der historisch bedeutsamen Begebenheit, dass Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat.

Tatsächlich: Bowies „Space Oddity“ mit dem unseligen Tom, der nach dem Start seines Raumschiffs in Schwierigkeiten gerät, untermalte einige Übertragungen der BBC rund um Neil Armstrongs Hüpfer auf dem Erdtrabanten am 21. Juli 1969.

Doch „Space Oddity“ als Titelsong des späteren gleichnamigen Albums war bereits am 11. Juli 1969 veröffentlicht worden – zehn Tage vor dem Jahrhundertereignis hoch oben über der Erde. Was aber gar nicht so recht in den Zeitgeist passte: Am Ende strandet Bowies Kunstfigur Tom unwiederbringlich in den unendlichen Tiefen des Alls.

Aus diesem Grund waren die BBC-Leute gut beraten gewesen, den Song erst nach der sicheren Rückkehr der drei Raumfahrer in den Äther zu schicken. Wer konnte schon wollen, dramaturgisch zu unterstützen, dass die Astronauten eventuell gar nicht von ihrem Jahrhundertflug zurückkehren und stattdessen auf ewig wie Tom im All treiben?

Fast 35 Jahre später räumte Bowie selbst noch einmal explizit mit dem Mythos auf, „Space Oddity“ aus Marketinggründen speziell für die Mondlandung geschrieben zu haben. Dem Musikmagazin „Performing Songwriter“ erzählte er 2003: „Es war wirklich nicht so. Aber natürlich war ich überglücklich, dass sie es taten.“ Womöglich haben dies nicht allzu viele Menschen gelesen.

Die beiden Rocklegenden teilten sich in ihrer Berliner Zeit eine Wohnung. Quelle: WireImage/Getty Images
Iggy Pop (links) und David Bowie 1986 in New York

Die beiden Rocklegenden teilten sich in ihrer Berliner Zeit eine Wohnung.

(Foto: WireImage/Getty Images)

Denn die Geschichte von „Space Oddity“ ist ja eine ganz andere. Den Song, der zu Bowies erstem großen Hit werden sollte, schrieb der Londoner schon ein Jahr zuvor. Er war Anfang 20 und stand am Anfang seiner Weltkarriere; ein Künstler, der sich schon in diesen jungen Jahren als Bohemian wähnte, der Jack Kerouac und Franz Kafka las und sich für den Maler und Objektkünstler Marcel Duchamp begeisterte, einem Wegbereiter des Dadaismus. Der kaum einmal ein anderes Leben führen würde als das des Avantgardisten.

Im selben Jahr flimmerte Stanley Kubricks („Uhrwerk Orange“, „Shining“) ikonischer Film „2001: Odyssee im Weltraum“ erstmals über die Leinwände der Kinos. Der amerikanische Regisseur und Autor beschreibt darin die Reise von fünf Astronauten zum Jupiter mithilfe des Supercomputers HAL.

Kubrick thematisierte, mehrdeutig in der Bildsprache und minimalistisch in den Dialogen, Existenzialismus, Evolution, Künstliche Intelligenz und außerirdisches Leben. Die Odyssee wurde für vier „Oscars“ nominiert, einen bekam Kubrick für die visuellen Effekte.

Stanley Kubrick war die Initialzündung

Der junge David schaute den Film wieder und wieder. Er war fasziniert und verlor, wie er „Performing Songwriter“ ebenfalls gestand, fast den Verstand dabei. Für Bowie war die Odyssee durchs All eine Offenbarung und die Initialzündung für „Space Oddity“ – nicht die bevorstehende Erkundung des Monds. Vergleicht man die beiden Titel, hätte man von allein darauf kommen können. „A Space Odyssey“ heißt Kubricks Werk im Original, bei Bowie wird die Odyssee zur „Oddity“, zur Kuriosität.

Mit der „Space Oddity“ also startete Bowie seine Weltkarriere, und das Thema Raumfahrt und Science-Fiction ließ ihn nicht mehr los. Major Tom erstand in den späteren Songs „Ashes to Ashes“ und „Hallo Spaceboy“ auf, das All thematisierte er in „Life on Mars?“, „Ziggy Stardust“, „Dancing out in Space“ oder zuletzt noch kurz vor seinem Tod am 10. Januar 2016 in „Lazarus“.

Für den „Musikexpress“ ist der erste große Hit des Engländers gleichzeitig „das schönste, größte Lied, das David Bowie je geschrieben und gesungen hat“. Ansichtssache angesichts der vielen weiteren Welthits, die folgten. Ist „Ashes to Ashes“ schlechter als „Let’s Dance“? „Heroes“ besser als „Under Pressure“? Interessanter wäre die Frage, was jene Songs zum Werk des Jahrhundertkünstlers beigetragen haben, die man weniger kennt.

Iggy Pops Playlist als Tribut

Das Gute in unseren digitalen Zeiten: Streamingdienste wie Apple Music oder Spotify machen auch solche Songs jederzeit verfügbar. Hilfestellung bei der Auswahl leistet Bowies Freund Iggy Pop, der zwar weniger rollenbehaftet, in den 70ern aber ebenso exaltiert und drogengetrieben wie der Engländer über die Bühnen dieser Welt tobte.

Die Kokainsucht hatte Bowie 1976 nach Berlin getrieben. Hier wollte er genesen, mit Punk-Altvater Pop teilte er in der Schöneberger Hauptstraße Straße eine Wohnung. Iggy Pop also beantwortete die Frage nach eben jenen eher unbekannten Songs, als er im Sommer 2016 David Bowie ein halbes Jahr nach dessen Tod in seiner Show „Iggy Confidential“ auf BBC Radio 6 huldigte.

Für die Songauswahl sei er gedanklich in die Vergangenheit gereist: „Ich habe mir Papier und Stift geschnappt, meine Augen geschlossen und zurückgedacht, was mir zu verschiedenen Zeiten am besten gefallen hat“, sagte Pop. Hier also fünf eher unbekannte Bowie-Songs aus Iggy Pops Playlist, allesamt aus den 70er-Jahren – eine für Pop wie Bowie gleichermaßen bedeutende Zeit ihres Schaffens.

Black Country Rock

„Black Country Rock“ gehörte später zum Soundtrack von „The Kids Are All Right“.
Fröhlich und rockig

„Black Country Rock“ gehörte später zum Soundtrack von „The Kids Are All Right“.

1970, Album: „The Man Who Sold the World“. Ein fröhliches und rockiges Blues-Stück, vom Stil her wurde es mit der Musik von Marc Bolans Truppe T. Rex verglichen, einem Wegbereiter des Glam Rock. „Black Country Rock“ war 2010 Teil des Soundtracks des Films „The Kids Are All Right“.

John, I’m only Dancing

Die populäre TV-Sendung „Top of the Pops“ verzichtete darauf das Video zu „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“ zu spielen.
Thema Homosexualität

Die populäre TV-Sendung „Top of the Pops“ verzichtete darauf das Video zu „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“ zu spielen.

1972, Album: „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“. Bowie thematisierte hier, wie es meist gedeutet wird, eine homosexuelle Beziehung. Kurz zuvor hatte er sich in einem Interview mit dem Melody Maker als bisexuell geoutet. Im Radio wurde der Song dennoch gespielt, die TV-Sendung „Top of the Pops“ verzichtete, da das Video androgyne Tänzer aus der Pantomimen-Truppe des Performance-Künstlers Lindsay Kemp zeigte, mit dem Bowie zusammenarbeitete.

The Prettiest Star

„Aladdin Sane“ ist ein Song für den Heiratsantrag.
Für die Zukünftige

„Aladdin Sane“ ist ein Song für den Heiratsantrag.

1973, Album: „Aladdin Sane“. Das Stück schrieb Bowie schon 1970 für seine zukünftige Frau Angela Barnett; angeblich spielte er es ihr am Telefon vor, als er ihr einen Heiratsantrag machte. Das Gitarrensolo steuerte Marc Bolan bei. Die Single floppte, auf „Aladdin Sane“ war dann eine glamourösere Version zu hören. Stilistisch nimmt „The Prettiest Star“ Bezug auf den Hassapiko, den Tanz der griechischen Metzgergilde. Angela Barnett ist zypriotischer Herkunft.

TVC 15

David Bowie ließ sich bei „Station to Station“ von Iggy Pop inspirieren.
Fressender Fernseher

David Bowie ließ sich bei „Station to Station“ von Iggy Pop inspirieren.

1976, Album: „Station to Station“. Bowie ließ sich hier von Iggy Pop inspirieren – allerdings auf etwas bizarre Art und Weise: Im Drogenrausch halluzinierte Pop einmal, dass der Fernsehapparat seine Freundin verschlingen wollte. Im Song selbst krabbelt die Freundin des Erzählers in einen TV-Apparat – und der Erzähler hinterher, um sie zu finden.

Art Decade

Das Stück entstand während Bowies Zeit in Berlin.
Berliner Trilogie

Das Stück entstand während Bowies Zeit in Berlin.

1977, Album: „Low“. Das Album gehört mit „Heroes“ und „Lodger“ zur „Berliner Trilogie“, da alle drei Alben während Bowies Berliner Zeit entstanden. „Art Deco“ ist ein reines Instrumentalstück mit melancholischem und fast depressivem Sound. Er thematisierte hier eine Straße in Westberlin, auf der er oft unterwegs war.

Mehr: Barack Obamas einstiger Top-Wirtschaftsberater Alan Krueger erklärt das Musikgeschäft. Es ging schon immer ums Geldverdienen – aller Hippie-Mythen zum Trotz.

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