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Küchenlöffel

Manches ist einfach genau so, wie es ist, am besten. Ideal abgerundete Löffel zum Beispiel.

(Foto: hue12-photography on unsplash)

Food Kolumne „Abgeschmeckt“ Immer öfter mal was Neues probieren? Bitte nicht!

Der Ärger um den Thermomix wirft die Frage auf: Warum muss dauernd das Alte schlecht gemacht werden? Zu viel Innovation verdirbt den Appetit.
1 Kommentar

DüsseldorfIn der vorigen Woche ging es an dieser Stelle um ein Küchengerät und die Wut der Kunden auf den Hersteller. Der hatte völlig überraschend eine neuere Version dieses Küchengeräts auf den Markt gebracht hat. Stichwort: Thermomix.

Auch wenn mir die Verehrung, die dem sogenannten iPhone von Wuppertal entgegengebracht wird, fremd ist, habe ich versucht, mich in die empörten Anhänger des geräuschlosen Kochens hineinzuversetzen. Ich konnte, glaube ich, den Ärger zumindest nachvollziehen.

Aber dann dachte ich: Die ganze Chose ist doch offener Ausbruch einer ganz anderen kulinarischen Fehlentwicklung. Ich frage mal so: Muss es immer was Neues sein? Das Neueste? Ist das nicht gaga, sich immer ad hoc vom Alten abzuwenden, sobald eine Innovation auf den Markt tritt? Überfordert uns Gewohnheitskreaturen das nicht total?

Klar, im konkreten Fall ging es um ein Gerät, dass mehr kann als der Vorgänger. Es war also keine Fake-Innovation. Nicht einfach ein billiger Facelift.

Aber sind wir doch mal ehrlich: Es geht, ob nun bei der Maschine oder bei der Ernährung, viel zu oft gar nicht um den wirklichen Nutzen. Den Genuss. Das erhebendere kulinarische Erlebnis.

Dauernd wird irgendein neuer Trend ausgerufen, ein must-have, ein never-do-this. Man muss dafür nur mal den Kühlschrank in der büroeigenen Teeküche öffnen. In den meisten Unternehmen wird einem dort auf einen Blick gewahr, was gerade auf den Rezepthotlines ganz oben steht.

Ja, Aufnahmen von Bürokühlschränken besonders innovationsgetriebener Branchen wären sicher eine schöne Grundlage für eine Kulturgeschichte der deutschen Ernährungstrends. Irgendwann stand da mal Mohnjoghurt, dann war Pastinake der Hit im Gemüsefach, jetzt sind gerade Goji-Beeren en vogue.

Aufgeschlossenheit und Neugierde in der Küche sind wirklich das letzte, was zu verdammen ist. Und ja, ich weiß, Schumpeters kreative Zerstörung und so – es hat sicher auch seine Vorteile, dass wir durch neue Impulse und Innovationen über die Graupensuppe hinausgekommen sind.

Aber dieser in immer kürzeren Zyklen sich wiederholende Mechanismus, jetzt aber wirklich das ultimative Nahrungsmittel (Avocado), die einzig wahre Zubereitungsmethode (garen im Plastikbeutel, auch „sous-vide“ genannt), die wahrhaft glücklich (also schlank und schön) machende Ernährungsweisheit für garantiert jeden Metabolismus (low-carb-glutenfrei-veganes Intervallfasten PLUS Kokosflocken) entdeckt zu haben - das verdirbt mir den Appetit.

Also, liebe Leute, lasst uns doch mal ein bisschen entspannen. Freut Euch an Eurem Thermomix M5, solange er brummt. Esst die alten Müslipackungen leer, bevor Ihr Euch (ich zitiere hier mal frech den Vegan-Erleuchteten Attila Hildmann) auf die Suche nach dem Acai-führenden „Bio-Dealer“ Eures Vertrauens macht. Ja, geht in Euch und fragt Oma nach ihrem Donauwellen-Rezept, bevor Ihr Euch dem Proteinwahn hingebt.

Und Ihr, geschätzte Produzenten von Küchenutensilien, Kochbuchverleger, Küchenmaschinenvertriebler: Klar, Eure Motive sind eindeutig. Und es ist vielleicht nicht immer Konsumterror, sondern geht noch als Marketing durch, dass Ihr uns erzählt, dass mit jedem Teil das Leben perfekter wird.

Aber da sind wir schon bei der Lüge: Perfekt lässt sich ja nicht steigern. Immer wieder lustig, wie dann mancher Hersteller trotzdem alle Jahre wieder den Werbespot mit einem salbungsvollen „Das beste … aller Zeiten (hier lässt sich zum Beispiel „Persil“ einsetzen) abschließt.

Das Gefühl, dass es immer noch besser gehen muss, die Ungewissheit, weil ja selbst das Perfekte noch perfekter werden kann, die Erfahrung, dass auch das Beste zumindest durch sprachliche Zugaben wie super, ultimativ oder einmalig noch potenzierbar ist – das macht doch unglücklich.

Denkt doch mal an den Erfolg von Produkten, deren Erfolg sich eben dadurch auszeichnet, dass – auch bei veränderter Rezeptur – dem Nimbus gehuldigt wird, dass eben immer alles beim Alten bleibt: Nutella, Erdnussflips, Pils, Butter.

Andersherum gefragt: Wo soll die Innovatoritis denn zum Beispiel beim Superfood noch hinführen? Megafood? Gigafood? Ich wäre dann schon eher mal für Backtotherootsfood.

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1 Kommentar zu "Food Kolumne „Abgeschmeckt“: Immer öfter mal was Neues probieren? Bitte nicht!"

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  • „Es geht, ob nun bei der Maschine oder bei der Ernährung, viel zu oft gar nicht um den wirklichen Nutzen. Den Genuss. Das erhebendere kulinarische Erlebnis.“

    Eben, eben. „Neu“ ist noch lange nicht gleich „besser“.

    Für mich ist der Thermomix eher ein teures Lifestyle-Gerät zur Herstellung von „Pampe auf komplizierte Art“…