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Pralinen, fein sortiert

Sie haben WIRKLICH keine Lust auf Zucker? Dann gibt es, wie in so vielen Karrieredingen, nur den einen Weg: Transparenz und Offenheit, verbunden Höflichkeit und Konzilianz.

(Foto: Jennifer Pallian on Unsplash)

Kolumne „Abgeschmeckt“: Advent im Büro Printen und Plätzchen im Büro - 7 Verhaltensstrategien

Auch am Arbeitsplatz halten wieder Zimtsterne und Printen Einzug. Aber vor Kollegen ist weder hemmungsloses Schlemmen noch Askese ratsam.
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Düsseldorf Es geht schon wieder los. Adventskränze, Leuchtketten, Fensterdeko – Plätzchen, Printen, Schokolade. Auch im Büro halten die bunten Teller Einzug. Wie Spinnenweben, die gestern noch nicht zu sehen waren, und heute hängt alles voll von ihnen.

Da beglücken der Backkunst fähige Kollegen die Gemeinschaft mit süßen Kreationen, stehen plötzlich geöffnete Pralinenschachteln in der Teeküche. Fast so, als wolle sich jede Abteilung über ihre Zucker-Auslagen abgrenzen und eine eigene Marke aufbauen. Müssen wir da jetzt alle zugreifen?

Es ist ja schon im Privaten eine Crux mit dem ganzen Zuckerkram. Eigentlich will man das doch gar nicht alles essen, „jetzt noch nicht“ jedenfalls. Aber dann langt man doch hin, erst ein Dominostein, dann zwei, dann drei – und schwupps, ist die Packung leer.

Im Kreise der Kollegen hat das natürlich noch einen anderen, sagen wir mal: Beigeschmack. Es gehört schließlich zum Reiz des Büroalltags, dass jeder von uns in diesem Alltag eine Rolle spielt, nur einen Teil seiner Persönlichkeit zeigt – und Printensucht oder Vorliebe für Eierlikörbonbons eher im Kreise seiner Lieben zelebriert.

Wir wissen ja aus all den Ratgebern, hören es von den Langstreckenläufern und selbstoptimierten Karrieregurus: Wer wird mich für objektiv, unbestechlich und zielorientiert halten, wenn ich nicht mal einer Schüssel Smarties widerstehen kann? Wie sollen hemmungsloser Zimtsterngenuss mit Disziplin in Einklang zu bringen sein? Askese, steht das nicht für Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen?

Auf der anderen Seite will man die Kollegen ja nicht vergrätzen, ihren Aufwand würdigen, nicht total verklemmt rüberkommen. Insofern ist im Spießrutenlauf der zuckerreichen Vorweihnachtszeit der wohldosierte Einsatz eines gewinnenden Lächelns, verbunden mit dem Satz „das probiere ich jetzt doch mal“, die wahre Kür.

Allen, die zu dieser kollegial-kulinarischen Höchstleistung nicht fähig sind, beziehungsweise bestimmte Voraussetzungen erfüllen, was Hierarchie, finanziellen Spielraum und körperliche Konstitution betrifft, bietet sich alternativ eine der folgenden Taktiken zwischen Teeküche und Kopierer an:

Frühstück weglassen

Sie wissen einfach: Zu Plätzchen „nein“ sagen, ist nicht meine Stärke? Dann zeigen Sie ihre Stärke zum „ja“ sagen. Sie sind Connaisseur, Sie adeln die Mitbringsel Ihrer Mitarbeiter, Sie probieren, analysieren, loben. Feinste Feedbackkultur.

Falls Sie sich nicht gerade auf einen Marathon vorbereiten, sollten Sie aber mindestens eine Mahlzeit am Tag auslassen – vielleicht auch das Mittagessen, sie müssten ja ohnehin satt sein. Und wenn Sie mittags eine Runde spazieren statt in die Kantine gehen, wirkt das schon wieder höchst dynamisch.

Mitnehmen, was geht

Vielleicht sind Sie ja der Typ „Wer weiß, wann es wieder was gibt?“, der also einfach hamstern kann. Solche Leute erkennt man daran, dass sie beiläufig erzählen, dass sie endlich eine Möglichkeit gefunden haben, morgens möglichst zügig 1000 Kalorien aufzunehmen (ganz viele Nüsse, Vollmilch, Getreideflocken und Kakao in den Mixer). Falls Sie nicht unglücklich über Ihre hagere Statur sind – herzlichen Glückwunsch!

Wenn Sie jedoch nicht gerade ein Praktikum absolvieren und Ihre Hamsterei mit finanzieller Not erklären können (in dem Fall sind sogar Tupperdosen okay), sollten Sie bedenken, dass Ihnen der Neid der anderen, die in der dritten Adventswoche heimlich den dritten Hosenknopf öffnen, sicher ist. Da Neid und Arroganz in jedem Team die Atmosphäre vergiften, futtern Sie doch lieber heimlich. Haben Sie ein Einzelbüro?

Verstecken Sie sich einen Teller in der Schreibtischschublade. Großraumbürokollege? Dann wandern Sie doch einfach durch die anderen Abteilungen – ist auch ganz nett, die Kollegen anhand ihrer Snack-Kultur mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

Selektive Genießer

Die Zimtsterne von Rewe Select gehen für Sie in Ordnung, aber bei Herrn F. wissen Sie, dass er schon mal Hirschhorn- mit Kochsalz verwechselt? Pralinen nur mit Knusperfüllung und Hauch von Trüffel gefällig, aber nicht die einfachen?

Sie wissen also, was Sie wollen, und die Kollegen schätzen Ihre klare Haltung. Nur jetzt ist Vorsicht geboten: Sie können unmöglich zu den Zimtsternen greifen, aber Herrn F.‘s Vanillekipferl verschmähen. Sie könnten die Dinger heimlich verschwinden lassen. Aber besser fürs Team wäre: runter damit. Lächeln. Und dann sagen: „Das war’s aber jetzt bis Weihnachten!“

Zielorientierte Konsumenten

Sie gehören keinem dieser Typen an, brauchen aber einfach täglich gegen 15 Uhr einen kleinen Zuckerschub, um weiter Ihrer Arbeit nachgehen zu können? Da muss man ja nichts erklären. Fröhliche Weihnachtszeit!

Ho, ho ho: Aber wie sollen hemmungsloser Plätzchengenuss mit Disziplin in Einklang zu bringen sein? Quelle: Monika Grabkowska on Unsplash
Sterne und Herzen

Ho, ho ho: Aber wie sollen hemmungsloser Plätzchengenuss mit Disziplin in Einklang zu bringen sein?

(Foto: Monika Grabkowska on Unsplash)

Selber backen

Wenn schon schlemmen, dann wenigstens nach den Maßstäben des eigenen Metabolismus? Sie sind vielleicht ein Fan von zuckerfreiem Früchtebrot? Veganer? Essen aus Prinzip kein Weißmehl, wollen aber gern zeigen, dass es auch ohne geht?

Nur zu, stellen Sie sich selbst in die Küche. Zu exotisch sollte es allerdings nicht sein, wenn die Kollegen Sie weder für einen Spinner, noch für einen Aufschneider halten sollen. Und am besten erst mal die Familie probieren lassen.

Ehrliche Askese

Sie haben WIRKLICH keine Lust auf Zimt und Zucker? Bei Spekulatiussucht wird ihnen ganz anders? Sie halten halten Weihnachten für eine Verschwörung der Zuckerindustrie?  Dann gibt es, wie in so vielen Karrieredingen, nur den einen Weg: Transparenz und Offenheit, natürlich verbunden mit der nötigen Höflichkeit und Konzilianz.

Insbesondere, falls Sie in einem Zweierbüro sitzen, teilen Sie ihren Kollegen sachlich mit, dass er die Plätzchen bitte woanders platziert. Nichts ist schlimmer, als am Anfang zu schweigen – wer zu Beginn der Ehe nicht sagt, dass er keinen Kaffee mag, und aus Höflichkeit einen trinkt, kommt genau so schlecht aus der Nummer raus wie die Kollegin, die ihre Nebeneinkünfte nicht versteuert („Man kann ja nicht plötzlich in einem Jahr damit anfangen!“).

Sie brauchen täglich gegen 15 Uhr einen Zuckerschub, um weiter Ihrer Arbeit nachgehen zu können? Fröhliche Weihnachtszeit! Quelle: Tyler Coleman on Unsplash
Macarons, Torte, Windbeutel

Sie brauchen täglich gegen 15 Uhr einen Zuckerschub, um weiter Ihrer Arbeit nachgehen zu können? Fröhliche Weihnachtszeit!

(Foto: Tyler Coleman on Unsplash)

Gönnerhaft sein

Sie sind der Chef und haben Angst, durch die Askese unnahbar zu wirken? Oder gar arrogant, weil der Kollege denkt, Sie verschmähen seine Vanillekipferl? Obwohl es einfach daran liegt, dass Sie seit Ihrer Kindheit einen Hass auf Puderzucker haben, von dem Sie aber keinem zu erzählen wagen? Sie wollen obendrein gern Vorbild in Sachen Ernährung sein?

Dann doch einfach mal großzügig in die Schatulle greifen, ein Sortiment von frischem Obst und dunkler Schokolade (fairtrade, bio, lieber wenig und dafür was Feines) zusammenstellen lassen. Aber nicht einfach in die Küche stellen, sondern rundherum gehen und alle zum Zugreifen einladen – bei der Gelegenheit gleich was für die Atmosphäre im Büro tun.

Als Gönner muss man aber vorsichtig sein – wer hier mogelt, fällt auf. Ich erinnere mich noch genau an eine Redaktion, in der ich vor vielen Jahren zur Weihnachtszeit ein Praktikum absolvierte. Ich glaube nicht, dass es dort heute noch so zugeht, aber damals stapelten sich in den Postablagefächern von Mitte November an die Briefe und Pakete, die vor allem Flaschen und Pralinen-Sortimente enthielten.

Jeden Tag stellten die Kollegen davon etwas auf den Konferenztisch – es kam mir vor wie das Paradies. Dann überließ mir der Teamleiter auch noch eine Zwei-Liter-Flasche Champagner. Ich würde erst später lernen, dass ich einen guten Prosecco jedem Champagner vorziehe. Aber damals: Ich, Studentin, würde Silvester mit einer Magnumflasche Champagner anstoßen – die Krönung.

Erst am letzten Arbeitstag vor Weihnachten, als sich die meisten vollbepackt in die Ferien verabschiedeten, wurde mir klar: Dass, was viele Kollegen vermeintlich gönnerhaft auf dem Konferenztisch abgestellt hatten, war oft nur zweite Wahl. Diese Erinnerung hilft mir bis heute, dass ich in Teeküchen herumstehenden Pralinenpackungen meistens ziemlich gut widerstehen kann.

In ihrer Kolumne „Abgeschmeckt“ macht sich Corinna Nohn Gedanken über Foodtrends und Fragen des guten Geschmacks.

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