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Weihnachtszeit

Zum Weihnachtsessen im Restaurant gehört doch die Großzügigkeit wie der Aperitif, oder?

(Foto: Markus Spiske on Unsplash)

Kolumne „Abgeschmeckt“: Trinkgeld Bloß kein Geiz zu Weihnachten!

Die Weihnachtszeit ist ein Balanceakt zwischen Völlerei, Trinkerei und überhaupt Maßlosigkeit. Aber am peinlichsten sind Kollegen, die beim Trinkgeld knausern.
16.12.2018 - 09:34 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – und für manche wird es im Büro ja erst richtig schön, wenn das auch die ganze Hütte tut. Also im übertragenen Sinne.

Denn wer kennt sie nicht, die Kollegen, die auf der Weihnachtsfeier eine ungeahnte, aber umso tiefere Leidenschaft für Rotwein entdecken und plötzlich in frappierender Mobilität die ganz Tanzfläche ausfüllen. Oder jene, die sich, sofern der Chef zahlt, nach dem Motto „kost‘ ja nix“ die Teller überladen. Und dann gibt es noch die Nimmersatten, die vor dem Abräumen schnell das letzte Pizzabrötchen oder beim Rausgehen noch ein Lebkuchenherz in eine eigens dafür bereitgehaltene Serviette wickeln und in die Manteltasche stopfen.

Die peinlichsten Momente der besinnlich-beruflich motivierten Weihnachtsfeierei haben aber weder der Vielfraß noch der Trinker zu verantworten. Es sind die Geizhälse. Können wir nicht wenigstens mal auf der Weihnachtsfeier großzügig sein?

Trinkgeldtechnisch passieren ja schon im Freundeskreis oft peinliche Geschichten. Aber mit Kollegen hat das Ganze doch noch mal eine andere Nuance. Wer will denn hier als Geizkragen dastehen?

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    Und doch: Wer das Thema im Bekanntenkreis anspricht, wird im Nu eine Ansammlung grotesker Erlebnisse beisammen haben: mit dem Teamleiter, der seinen Beitrag von 28,70 Euro auf 29 Euro aufrundet; der Kollegin, die von allen Geld einsammelte (aufgerundete Beträge) und dann die Gesamtrechnung zahlte, ohne auch nur einen Cent Trinkgeld zu geben; den Leuten, die einfach stoisch nichts geben – und nachher sagen, es hätte doch nicht geschmeckt.

    Um es klarzustellen: Das ist natürlich nicht nur im Advent ein Thema, sondern andauernd, sofern man nicht täglich in der Kantine speist oder sein Essen in Tupperdosen mit sich herumträgt. Aber beim Nachmittagskaffee oder dem schnellen Lunch für 5,90 Euro stimmen selbst Knigge-Ratgeber zu, dass ein bisschen Aufrunden in Ordnung ist.

    Nur: Gerade jetzt, vor Weihnachten, wenn wir nach wochenlangem Geschenkekopfzerbrechen die Party am großen Tisch feiern, ein galantes Abendessen genießen, einen ganzen Abend im Kreis der Kollegen verbringen, uns vielleicht sogar gegenseitig mit originellen Wichtelgeschenken übertreffen zu suchen – es will mir nicht in den Kopf, dass da geknausert wird.

    Auch die gerade zur Weihnachtszeit durchaus auftretende Hektik in der Küche oder Missgeschicke – Getränke verwechselt, falsches Gericht notiert, Küche braucht etwas länger – können per se nicht als Ausrede fürs Nix-Geben gelten. Ich war zum Beispiel gerade mit einer größeren Gesellschaft in einem Restaurant, im dem uns genau solche Dinge passiert sind. Obendrein war die Kellnerin, die in den ersten 30 Minuten allein für den Tisch zuständig war, unfreundlich.

    Aber die zweite Kellnerin war fröhlich und höflich, hat sich sofort für die Fehler der Küche entschuldigt und sie ausgebügelt – und am Ende haben doch tatsächlich einige Mitesser null Trinkgeld gegeben. Einfach weiter Konversation gemacht, als ob nix wäre, dabei einen Schein aus der prallen Börse gezogen, rübergeschoben und sich fein rausgeben lassen.

    Ich meine: Weihnachten! Da gehört beim Restaurantbesuch die Großzügigkeit doch dazu wie der Aperitif.

    Außerdem: Wenn einem doch etwas nicht passt am Service, dann sollte es an der richtigen Stelle rausgelassen werden. Und es gilt, wie im tagtäglichen Büroalltag, das ABC des respektvollen Umgangs – Kritik darf und soll nicht verschwiegen, sondern geäußert werden.

    Aber erstens gegenüber dem richtigen Adressaten – wem also das Essen nicht schmeckt, sollte das der Küche mitteilen und nicht an einem Kellner auslassen. Und wer will denn, zweitens, ernsthaft von sich behaupten, im Büro zu kommunikativer Höchstleistung fähig zu sein, wenn er es nicht mal schafft, einer Bedienung höflich und sachlich mitzuteilen, was das Problem war?

    Ganz zu schweigen davon, in welche blamable Situation man die Kollegen bringt. Im oben geschilderten Fall war der stumme Geiz des einen den anderen so peinlich, dass sie extra mehr als die üblichen fünf bis zehn Prozent gegeben haben.

    In diesem Zusammenhang bin ich auf ein Facebook-Posting eines Paares aus Texas gestoßen, das vor einer ganzen Zeit viral ging, aber dessen Message ungebrochen gilt: Das Paar hatte sich an seinem Jahrestag zum Dinner getroffen – und im Restaurant ging so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Die Schultzens warteten 20 Minuten auf Wasser, 40 auf den Aperitif, eine Stunde auf den ersten Gang. Die anderen Gäste machten sich erst lustig über den schlechten Service, dann schimpften sie lautstark.

    Es war kein schönes Essen, aber am Ende gaben die beiden trotzdem 100 Dollar mit Trinkgeld (bei einer Rechnung von 66 Dollar!). Warum? Der arme Kellner habe sie an ihre eigene Vergangenheit erinnert – wenn sie sich selbst abgerackert hätten, die Gäste aber wegen langer Warterei aufs Essen kein Trinkgeld gaben. Und es sei doch klar gewesen, dass es nicht am Kellner lag, sondern an der miesen Personalplanung.

    Allgemeingültiges Fazit: Es schadet nie, in der Teamsitzung genauso wenig wie im Rahmen eines betrieblichen Weihnachtsessens, sich daran zu erinnern, wo man herkommt. Und: Immer die Umstände und Hintergründe im Kopf behalten, anstatt einfach ein Urteil zu fällen. Mit diesem Ansatz sollte auch das möglich sein: Fröhliche Weihnachtszeit!

    In ihrer Kolumne „Abgeschmeckt“ macht sich Corinna Nohn Gedanken über Foodtrends und Fragen des guten Geschmacks.

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