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Aircraft Interiors Expo Das erwartet die Passagiere in den Flugzeugkabinen der Zukunft

Die Messe Aircraft Interiors Expo zeigt den kommenden Flugkomfort: Personalisierte Tipps gegen den Jetlag und Sitzbänke in der Economy Plus.
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Die Flugzeugkabinen der Zukunft stellen sich mehr und mehr auf die Bedürfnisse der Passagiere ein. Quelle: dpa
Mehr Platz und Bequemlichkeit

Die Flugzeugkabinen der Zukunft stellen sich mehr und mehr auf die Bedürfnisse der Passagiere ein.

(Foto: dpa)

HamburgFür etliche Vielflieger ist das Flugzeug ein Rückzugsraum: Stunden ohne Mobilfunk – und auch weitgehend ohne Werbung. Doch damit ist es künftig vorbei. Die großen Spieler der Branche überbieten sich mit digitalen Angeboten, die den Passagieren mehr Komfort in der Flugzeugkabine bieten und den Airlines zugleich deutliche Mehreinnahmen bringen sollen.

Das zeigt die Messe für Kabinenausstattung, Aircraft Interior Expo, die diese Woche in Hamburg mit mehr als 500 Ausstellern stattfindet.

Der französische Industriekonzern Thales etwa verkündete pünktlich zum Messeauftakt den Abschluss einer Großübernahme: Für 4,8 Milliarden Euro hat er den Digital-Sicherheitsexperten Gemalto geschluckt. Dessen Lösungen sollen nun auch Teil der Angebote werden, mit denen Thales Flugzeuge digital vernetzt. „Wir decken nun die gesamte kritische Infrastruktur ab“, sagte Thales-Manager Philippe Carette, Chef der Konzerntochter für Inflight-Systeme.

Passagiere könnten sich künftig beim Einchecken per Fingerabdruck identifizieren. An Bord sollen sie dem System per App wichtige Daten überlassen – nicht nur zu Umsteigeverbindungen, sondern auch zu Essens- und Filmvorlieben und zum Alter. Einerseits soll das System damit etwa Filme vorsortieren und den Service verbessern. Andererseits können die Fluglinien dann personalisierte Werbung einspielen. Sie könnten damit ihren Werbeumsatz an Bord versechsfachen, wirbt Thales.

Zudem können sie den On-Board-Verkauf, bislang für viele Passagiere eher eine lästige Störung, reizvoller machen. Auf die Interessen der Fluggäste zugeschnittene Angebote sollen auf dem Bildschirm auftauchen, dazu die Möglichkeit, beispielsweise Mietwagen und Konzertkarten für den Zielort zu buchen.

Um in diesem Feld mitzuspielen, investieren die Anbieter deutlich in die Qualität ihrer Systeme. Panasonic stellt an seinem Messestand die erste konzerneigene Landkarte vor, die das On-Board-System des Konzerns von konkurrierenden Angeboten abheben soll. Bislang hatte Panasonic in seine Bord-Entertainment-Systeme eine Karte eines externen Anbieters integriert. Mit dem verbesserten, eigenen Angebot wollen die Japaner nun Fluggesellschaften davon überzeugen, ihre Komplettlösung einzusetzen.

Dassault Systemes zeigt in Hamburg die weltweit ersten vollständig 3D-gedruckten Flugzeugsitze. Sie wiegen 50 Prozent weniger als ein normaler Sitz, haben dafür viele zusätzliche Features. Quelle: dpa
Sitze aus dem Drucker

Dassault Systemes zeigt in Hamburg die weltweit ersten vollständig 3D-gedruckten Flugzeugsitze. Sie wiegen 50 Prozent weniger als ein normaler Sitz, haben dafür viele zusätzliche Features.

(Foto: dpa)

Die neue Kartentechnik verspricht bislang unerreichte Personalisierungsmöglichkeiten. Fluggäste sollen direkt über die Karte etwa Restauranttipps und Umsteigehinweise erhalten, statt einfach nur die Route verfolgen zu können. Auch die Wellness-Angebote baut Panasonic aus: Die Kunden sollen jeder Airline einmal per App ihre Daten und Präferenzen anvertrauen.

Danach gibt das System etwa eine Anleitung, wie sich Folgen der Zeitverschiebung abmildern lassen. „Versuchen Sie einfach, zwischen 21:30 und 22 Uhr etwas Wasser zu trinken“, heißt es etwa – oder es empfiehlt, kein Koffein mehr zu trinken. Beim Einschlafen helfen aufwendig personalisierbare Geräusche oder Einschlafgeschichten vom App-Anbieter Calm.

Auch das Panasonic-Angebot verspricht den Fluggesellschaften einen doppelten Effekt: Einerseits sollen die personalisierten Angebote Kunden binden, die nicht bei jedem Flug neu ihre Einstellungen sortieren wollen. Andererseits ermöglicht es den Airlines, personalisierte Einkaufsangebote und Werbung auszuspielen – für die eigenen Angebote, aber auch für externe Werbekunden.

Marketing bis zum Endkunden

Der Flugzeughersteller Airbus will sogar selbst zur Marke für Endkunden werden – neben den Marken der Fluggesellschaften. Sein neues Kabinenkonzept „Airspace“ soll zum Begriff bei Vielfliegern werden. Etwa per Social Media will das europäische Unternehmen die Kunden überzeugen, dass die Airbus-Kabinen mehr Platz bieten und die Triebwerke leiser sind als bei der Konkurrenz.

„Bislang weiß kaum jemand, mit welchem Flugzeug er fliegt. Das müssen wir ändern, indem wir das Marketing zum Endkunden ausweiten“, sagt Airbus-Sprecher Ingo Wuggetzer. Fluglinien wie Finnair, die nur Airbus-Modelle einsetzen, sollen dabei mitwirken.

Die neuen Fächer von Airbus sollen 65 Prozent mehr Gepäck fassen können. Unten die Sitzbank namens „Settee Corner“ vor, mit denen Airlines eine Klasse zwischen Business und Economy ausstatten können. Quelle: dpa
Mehr Gepäck- und Sitzplatz

Die neuen Fächer von Airbus sollen 65 Prozent mehr Gepäck fassen können. Unten die Sitzbank namens „Settee Corner“ vor, mit denen Airlines eine Klasse zwischen Business und Economy ausstatten können.

(Foto: dpa)

Ein Einsatzort für die neuen Kabinen mit größeren Fenstern, breiteren Gepäckfächern und buntem LED-Licht soll etwa der Flieger A321 sein, der mit neuer Technik längere Reichweiten erzielt. Das Flugzeug, ursprünglich für Kurzstrecken gedacht, soll immer öfter auch Flüge etwa von Deutschland nach New York absolvieren – und entsprechend ausgestattet sein.

In Hamburg stellt Airbus dafür eine Art Sitzbank namens „Settee Corner“ vor, mit denen Airlines eine Klasse zwischen Business und Economy ausstatten können. Zwei Sitzplätze sind wie bei einer Bank verbunden – für jeweils einen Passagier. Zu Start und Landung sollen die Passagiere auf dem stabilen Gangplatz sitzen, während des Fluges können sie auf der gesamten Breite fläzen oder einander auf den Doppelsitzen besuchen.

Vorteil für die Fluggesellschaften: Der vom italienischen Hersteller Geven produzierte Sitz soll 30 Prozent leichter sein als ein üblicher Business-Class-Sitz, auf verschleißanfällige Verstellmechanismen verzichten und weniger Platz wegnehmen.

Dazu will Airbus wie Thales und Panasonic den Fluggesellschaften ebenfalls vernetzte Systeme anbieten. In Hamburg stellt der Hersteller erstmals seine „Vision 2030“ für ein offenes Digital-System an Bord vor, auf das die Fluggesellschaften Angebote von Dritten integrieren können. Auf der Messe gab Airbus-Manager Sören Scholz bekannt, dass aus der bisherigen Konzeptstudie „Airbus Connected Experience“ Realität werden soll. Dazu präsentierte Airbus drei erste Industriepartner, darunter einen Sitzhersteller.

Für den neuen Service rüstet Airbus künftig die Flugzeuge vor: Kunden sollen etwa ihre bevorzugte Sitzeinstellung speichern können und beim nächsten Flug automatisch die angenehmste Position wiederbekommen. Sensoren in den vergrößerten Gepäckfächern werden anzeigen, wo noch Stauraum ist. Möglich werden soll zudem, Gepäckfächer vorher zu reservieren. Das erschließt besonders Billigfliegern neue Bezahlangebote – bis hin zu kostenpflichtigen Ladestationen für Handys und Laptops.

Zudem soll der Bord-Service effizienter werden. Bei allen großen Digital-Anbietern, die auf der Messe um die Fluggesellschaften werben, wachsen die Entertainment-Systeme und die Crew-Systeme zusammen. Stewards sollen per Bildschirm erkennen können, ob etwa First-Class-Passagiere in ihren Kabinen liegen oder sitzen oder ob sie wach sind – und das System soll über die Präferenzen der Passagiere Bescheid wissen und Vorhersagen zu Wünschen treffen.

Dann können die Flugbegleiter etwa zum Aufwachen gleich den üblichen Tee bringen. In der Economy-Class sollen künftig Sensoren erfassen, ob alle Reisenden angeschnallt sind und ihre Sitze in einer aufrechten Position haben. Die Sichtkontrolle kann dann entfallen. Airbus verspricht für sein neues System zudem, dass selbst die Trolleys mit den Bord-Menüs von Sensoren erfasst werden, damit die Servicekräfte auch das letzte Tetrapack Tomatensaft finden.

Boeing geht noch einen Schritt weiter: Künftig hilft ein eigener digitaler Assistent der Crew – nach dem Muster von Apples „Siri“ oder dem Google Assistenten. Die künstliche Boeing-Intelligenz „Ellan“ soll bei Standardaufgaben wie der Umstellung der Beleuchtung mit dem Wechsel der Tageszeiten helfen, heißt es am Messestand. Auch das soll der Crew mehr Zeit für die Passagiere verschaffen – etwa, um die Bestellungen aus dem Bord-Online-Shop zu bringen.

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