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Virgil Abloh

Der Designer inmitten der Kollektion „Alaska Alaska“ auf der Terrasse des Palazzo Cà d’Oro in Venedig.

(Foto: Carpenters Workshop Gallery)

Ausstellung „Dysfunctional“ Louis-Vuitton-Chefdesigner Virgil Abloh entwirft Bronzemöbel

Auf einer Ausstellung in Venedig sind die Grenzen zwischen Mode, Kunst und Design fließend. Designer Abloh sticht besonders heraus. Begegnung mit einem Rastlosen.
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VenedigLiefert die Mode den Rahmen für die Kunst, schreitet ein Protagonist in der Lagune selbst zur Tat: Virgil Abloh, Chefdesigner der Louis-Vuitton-Herrenlinie. Er ist Gründer des hippen Streetwear-Labels Off-White. Laut der Suchmaschine Lyst ist sie die meistgeklickte Modemarke im ersten Quartal 2019 – vor Gucci, Balenciaga und Valentino. Mit „Alaska Alaska“ hat Abloh nun eine Serie von Bronzemöbeln entworfen.

Ihre Premiere erlebt sie in der Ausstellung „Dysfunctional“ im Palazzo Cà d‘Oro, ausgerichtet von der in London, Paris und New York ansässigen Galerie Carpenters Workshop in Kooperation mit der Schweizer Bankengruppe Lombard Odier.

Das Besondere der Ausstellung, die bis zum 24. November besucht werden kann: Die präsentierten Möbel, Leuchten und Objekte bewegen sich an der Schnittstelle von Design und Skulptur. Mehr als 50 Arbeiten, entworfen von 22 internationalen Künstlern und Gestaltern, können vom interessierten Publikum in Augenschein genommen werden.

Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Gebrauchsgegenstände, sondern limitierte Sammler-Editionen, die Materialien sind meist kostbar, die Stücke von Hand gefertigt. Das alles hat seinen Preis. Käufer müssen fünf- bis siebenstellige Beträge auf den Tisch legen, um eines der wertvollen Stücke zu erwerben.

Zu den edelsten Objekten zählen auch die aus reiner Bronze gegossenen Möbel des Louis-Vuitton-Chefdesigners Abloh. Sie sind auf acht Exemplare limitiert, über den Preis herrscht diskretes Schweigen. Tatsächlich wirken die Stühle auf den ersten Blick fast ein wenig wie klassische Holzmöbel. Und doch stimmt mit ihnen etwas nicht. Sie allesamt stehen leicht schief, als würden sie an einer Ecke in den Boden eintauchen.

„Venedig ist eine Stadt, in der es immer wieder zu natürlichen Überflutungen kommt“, erklärt Abloh. Er habe seine Möbel daher entworfen als versänken sie im Boden. „So sprechen sie zur globalen Umwelt, wirken wie Überbleibsel von dem, was sich unterhalb der Oberfläche befindet.“

Nicht wie ein Superstar, sondern wie ein zufälliger Besucher hat sich der Designer in den Palast am Canale Grande in die Ausstellung geschlichen. In Paris oder New York wird er auf den Straßen schnell erkannt, von Fans umlagert.

Doch auf der „Dysfunctional“ in Venedig ist der Rahmen intimer. Die Eröffnung hatte bereits am Vortag stattgefunden als Abloh noch in Paris war. Wie gewohnt ist sein Terminkalender dicht an dicht.

Nun also Venedig. Auf der Terrasse des Palazzo Cà d‘Oro gewährt er ein kurzes Gespräch inmitten seiner neuen Kollektion. Dabei ist auch zu erfahren, dass Möbel für den in Chicago aufgewachsenen Gestalter und engen Freund von Rapper Kanye West nichts Ungewöhnliches sind.

„Ich bin Architekt und Ingenieur. Das kam vor der Mode und allen anderen Dingen, die ich gerade mache“, sagt der 38-Jährige. Design sei für ihn keine losgelöste Plattform. „Es entstehen weitaus größere Synergien, wenn man nach links und rechts schaut und sich nicht nur auf eine Sache konzentriert“, beschreibt er sein kreatives Vorgehen.

Auch Ikea wird Abloh-Stühle herausbringen

Synergien hebt er auch gerne in Form von Kooperationen – von Nike über Jimmy Choo, Moncler bis hin zu Evian. Sie sind ein wichtiger Teil seiner Arbeit. So sind auch die Bronze-Möbel für Venedig in einem weiter gefassten Rahmen erdacht worden. „Das Design entstammt einer Recherche für ein größeres Projekt, bei dem ich etwas später in diesem Jahr Möbel für Ikea herausgebe.“ Sein Gedanke: „ Ich wollte einen möglichst generischen Stuhl entwerfen, der eine Verbindung zwischen schwedischer Holzverarbeitung und amerikanischer Möbeltradition erzeugt.“

Auf diese Weise entsteht eine höchst ungewöhnliche Verbindung - ein und derselbe Stuhl am obersten und untersten Ende der Preisskala zugleich. Ist das kein Widerspruch in sich? Der Designer ist da ganz anderer Meinung. „Ich denke nicht, dass sie miteinander wetteifern oder sich widersprechen“, sagt er.

Das eine sei eine limitierte Designedition, aus Bronze gegossen. Der Ikea-Stuhl habe dagegen dieselbe Form, sei aber demokratischer und verfügbarer. „Die Levels von Produktverständnis, Herstellung und Preis sind sehr unterschiedlich. Und doch existieren sie zur selben Zeit“, sagt Abloh.

In dieser Parallele liege für ihn nicht nur Zeitgeist. Es sei zudem sein Erfolgsrezept, verschiedene Disziplinen, Märkte und Stile zu verbinden, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt.

Inzwischen ist der Rahmen des Gesprächs nicht mehr ganz so privat, ist Ablohs Anwesenheit auf der Ausstellung längst entdeckt worden. Eine Schülergruppe drückt sich an den Glasscheiben zur Terrasse die Nasen platt, macht unentwegt Fotos. Weitere seiner Fans haben zudem inzwischen den Weg in den Palazzo gefunden – von Kopf bis Fuß in Off-White gekleidet.

Abloh ist Fanrummel gewohnt, ist vielmehr an dem Wirbel um seine Person nicht ganz unschuldig. Er versteht es, die sozialen Medien zu bedienen, hat auch diesmal längst auf Instagram gepostet, wo er sich in Venedig aufhält. Sein Privataccount umfasst 3,9 Millionen Follower.

In Venedig wird der Designer nur für eine Nacht bleiben, dafür aber die Gelegenheit nutzen, seiner Leidenschaft als DJ nachzugehen: Nicht auf einer luxuriösen Sammler-Party, sondern auf der Eröffnungsveranstaltung des Pavillons von Ghana. Ein Land, das wie Virgil Abloh zum ersten Mal auf einer Kunstbiennale in Venedig teilnimmt.

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