Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bezahllösung für Hotels So will Maximilian Waldmann die Kundendaten in Hotels sicher machen

Conichi-Gründer Maximilian Waldmann setzt ganz auf seine Invisible Payment-Lösung für Hotels. Mehrere Dax-Konzerne hat er schon überzeugt.
Kommentieren
Fünf Jahre lang tüftelten der Conichi-Chef und seine Mitstreiter an ihrer Payment-Lösung. (Foto: Conichi)
Maximilian Waldmann

Fünf Jahre lang tüftelten der Conichi-Chef und seine Mitstreiter an ihrer Payment-Lösung.

(Foto: Conichi)

BerlinSo übel der Vorfall für die Betroffenen auch gewesen sein mag: Für Maximilian Waldmann kam der Hackerangriff auf die Hotelkette Marriott irgendwie zur rechten Zeit. Ende des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass über Jahre teils sensible Daten von bis zu 500 Millionen Gästen der Kette abgegriffen worden waren. Der Chef des Unternehmens Conichi bietet eine Lösung an, die solche Attacken künftig verhindern soll. Und er sieht gute Chancen, dass die Hotels mitspielen. „Die Branche“, sagt der 27-Jährige, „ist nun sensibilisiert.“

Fünf Jahre lang tüftelten Waldmann und seine Mitstreiter an einer Lösung, die sie Invisible Payment nennen. Auf der Messe ITB am Unternehmenssitz Berlin, auf der sich alljährlich die Schwer- und Leichtgewichte der globalen Reisebranche treffen, stellte Conichi sie kürzlich erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Der Stand war klein, das Interesse der Messebesucher groß. Konzerne wie VW, Barmer Krankenversicherung und Deutsche Telekom haben bereits zugegriffen. Was Waldmann da zu verkaufen hat, könnte ein Problem lösen, mit dem sich die internationale Hotellerie seit langem herumschlägt.

Der alljährliche Risikobericht des US-amerikanischen Telekommunikationskonzerns Verizon zeigt: Gerade die Hotelunternehmen sind überproportional oft Angriffen von Hackern ausgesetzt. 2018 entfielen laut dem Bericht 87 Prozent aller weltweiten Point-of-Sale-Hacks auf die Branche.

Eine gewaltige Zahl, wenn man in Relation dazu setzt, welche Daten die Hotels horten. Marriott gab an, dass von 327 Millionen der rund 500 Millionen betroffenen Kunden Daten wie Name, postalische und E-Mail-Adresse, Telefon- und Passnummer, Geburtsdatum, Geschlecht, Ankunfts-, Abreise- und Reservierungsdatum gestohlen wurden.

Die größte Hotelkette der Welt räumte zudem ein, dass auch Bezahlinformationen betroffen waren. Die seien zwar verschlüsselt gewesen. Doch Marriott wollte keineswegs die Hand dafür ins Feuer legen, dass die zur Entschlüsselung nötigen Daten nicht ebenfalls entwendet wurden.

„Die Branche behandelt die Themen Datensicherheit und Digitalisierung noch immer stiefmütterlich“, sagt Waldmann. Was auch damit zu tun habe, dass „die Hotels Schnittstellen öffnen mussten, um Buchungen in verschiedenen Systemen zu verwalten. Die Systeme selbst sind jedoch häufig veraltet oder werden aus Kostengründen nur selten upgedatet.“ Dass die Branche in Deutschland zu 75 Prozent aus Individualhotels mit individuellen Systemen auf unterschiedlichem Sicherheitsstand besteht, macht die Sache für Angreifer noch einfacher.

Die Conichi-Technologie umgeht diese Sicherheitslücke, indem sie den sensiblen Zahlungsprozess vom Hotel und vom Reisenden komplett abkoppelt, ihn selbst übernimmt und durch Verschlüsselungstechnologien auch entsprechend absichert. Dafür benötigt Conichi keine Integration in die unterschiedlichen Hotelsysteme – „das Hotel sieht keine Zahlungsdaten des Gastes, sondern ausschließlich die Zahlungsbestätigung“, sagt Waldmann.

Im Blick hat der 27-Jährige vor allem Geschäftsreisende, „das sind ja die Kronjuwelen der Hotels“. Es sei eigentlich ein Unding, dass noch heute selbst große Dax-Unternehmen die Daten von Kreditkarten ganz überwiegend per Fax an die Hotels übermittelten. Mittlerweile greifen schon mehr als 700 deutsche Häuser auf die Lösung zurück. In solchen Smarthotels, wie Conichi sie nennt, braucht der Gast also weder Bargeld, Kreditkarte oder das Mobiltelefon, um sein Zimmer zu bezahlen.

In der Branche scheint das Thema auf fruchtbaren Boden zu fallen. „Mit Smarthotel schafft endlich jemand einen Hotellerie-Standard, der das umsetzt, worum es in einem Hotel eigentlich geht, nämlich stressfreie Atmosphäre und angenehmere Abläufe für Geschäftsreisende und Mitarbeiter“, sagt Marco Nussbaum, Vorstandsmitglied beim Hotelverband Deutschland (IHA) und CEO der Hotelkette Prizeotel. „Und das allein durch einfache, digitale und automatisierte Prozesse in Verbindung mit digitalen Bezahlfunktionen.“

Hotelraten werden oft falsch berechnet

Entscheiden sich Unternehmen für die Payment-Lösung der Berliner, könnte eine weitere Problematik von Geschäftsreisen laut Conichi bald der Vergangenheit angehören: Eine Studie der Global Business Travel Association-Stiftung (GBTA) hat ergeben, dass 17 Prozent der zwischen Hotel und Unternehmen vereinbarten Raten falsch berechnet werden – und zwar zu hoch. Durchschnittlich zahlten die Unternehmen in diesen Fällen laut der Studie 14 Prozent zu viel für die Unterbringung ihrer Mitarbeiter.

Die Gründe sind vielschichtig, liegen in erster Linie an falschen Auslesungen durch Übertragungsfehler, die dann zudem von den Unternehmen aufgrund fehlender Daten oder Ressourcen nicht überprüft würden. Conichis Invisible Payment-Konzept verhindere dies, sagt Maximilian Waldmann. „Es ist natürlich positiv für unseren Geschäftserfolg, wenn wir den Unternehmen Geld zurückholen“, sagt der Unternehmenschef. „Unser großes Ziel ist es aber, Datensicherheit für die Hotellerie und die Geschäftsreisenden zu gewährleisten.“

Als Conichi im Jahr 2014 startete, hatten die damaligen Gründer Waldmann und Frederic Haitz nur eine Handvoll Mitarbeiter um sich geschart. Jungunternehmer Waldmann hatte da schon ein Business-Management-Studium in England absolviert, in Singapur für Google und eine Zeit lang auch für Oliver Samwers Rocket Internet gearbeitet.

Zunächst konzentrierte sich Conichi darauf, den Prozess des Ein- und Auscheckens zu digitalisieren und damit zu beschleunigen. Dabei knüpfte das Start-up wertvolle Kontakte zu den Hotels, die ihm heute zugutekommen. Auf dieser Basis-Technologie entwickelte er parallel die ungleich kompliziertere Payment-Lösung, auf der heute der alleinige Fokus des Unternehmens liegt.

Überzeugen konnte Waldmann zwischenzeitlich auch Tobias Ragge, den Chef des Hotelbuchungsportals HRS. Der spendierte 2016 zehn Millionen Euro für die weitere Unternehmensentwicklung. „Wir blicken auf eine positive Entwicklung seit unserem Einstieg bei Conichi zurück und haben die Leistungen in unserem Serviceportfolio für globale Konzerne integriert“, sagt Ragge heute. „Vor allem aber sorgen wir mit der Payment-Lösung von Conichi für mehr Sicherheit und Datentransparenz in der Hotellerie, was von unseren Kunden wie Siemens, Airbus und Allianz derzeit sehr gefragt wird.“

Heute nun hat Conichi 70 Mitarbeiter und Büros in Berlin, Mailand, Belgrad und San Francisco, die mehrere hunderttausend Zahlungen pro Woche abwickeln. Auf Unternehmensseite setzen mittlerweile mehr als zehn Dax-Unternehmen auf die Payment-Lösung, darunter die Schwergewichte VW, Telekom und Siemens. Und Waldmann sieht gute Chancen, dass in der nächsten Zeit viele weitere hinzukommen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Bezahllösung für Hotels: So will Maximilian Waldmann die Kundendaten in Hotels sicher machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.